London - Im Zusammenhang mit den Londoner Terroranschlägen sind in Pakistan fast 90 Menschen festgenommen worden. Sieben von ihnen hatten möglicherweise Verbindungen zu den mutmaßlichen Attentätern, wie die Polizei in Lahore am Dienstag mitteilte. Ägypten wies jegliche Terrorverwicklung eines in Kairo inhaftierten Chemikers zurück. Der britische Premierminister Tony Blair traf muslimische Repräsentanten, die eine stärkere Einbindung in die britische Gesellschaft forderten.
Aus Polizeikreisen in Lahore verlautete, die sieben Festgenommenen gehörten zwei verbotenen extremistischen Gruppen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida an. Bei der Razzia nach ihnen seien noch 82 weitere mutmaßliche radikale Islamisten inhaftiert worden. US-Außenministerin Condoleezza Rice lobte in einem Telefongespräch mit Präsident Pervez Musharraf die Bemühungen Pakistans im Kampf gegen Terrorismus.
Die drei Tatverdächtigen pakistanischer Abstammung, die bei den Londoner Anschlägen vom 7. Juli selbst ums Leben kamen, hatten im vergangenen Jahr die Hafenstadt Karachi besucht. Dort könnten sie ihren «Mentor» getroffen haben, hieß es. Mindestens einer von ihnen nahm auch an einem Religionsseminar in Lahore teil. Laut der Londoner «Times» kennen pakistanische Behörden den Namen eines Briten, der möglicherweise als Drahtzieher hinter den Londoner Anschlägen steckt.
Die ägyptische Regierung erklärte unterdessen, der in Großbritannien gesuchte Magdi al Naschar habe nichts mit den Bombenexplosionen zu tun und habe auch keine Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida. Dies gehe eindeutig aus einem Bericht des Innenministeriums hervor. Al Naschar, der an der Universität Leeds einen Doktortitel erwarb, wurde auf britischen Wunsch hin in der vergangenen Woche in Kairo festgenommen. Er soll Kontakte zu mindestens einem der mutmaßlichen Attentäter unterhalten haben.
Parfüm als möglicher Sprengstoffverstärker
Die Ermittler in London bemühten sich am Dienstag weiter, die genauen Substanzen der vier verwendeten Bomben zu identifizieren, bei deren Explosion 56 Menschen ums Leben kamen. Der «Daily Mirror» berichtete, einer der mutmaßlichen Attentäter, der aus Jamaika stammende Jermaine Lindsay, habe versucht, die Sprengwirkung mit Parfüm zu intensivieren. Ein Privatdetektiv sagte der Nachrichtenagentur AP, Lindsays Bankkonten würden derzeit überprüft, und ein großer Ausgabenposten der letzten Zeit sei in der Tat der Kauf von sehr viel Parfüm.
Blair beriet mit den muslimischen Ratsmitgliedern in London vor allem über eine Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus. Dabei kritisierten seine Gesprächspartner, dass die für Ende des Jahres geplanten verschärften Anti-Terror-Gesetze muslimische Jugendliche weiter von der britischen Gesellschaft entfremden könnten. Einige der rund 25 Teilnehmer forderten eine stärkere Partnerschaft mit der Regierung. Nur so könne man jungen Muslimen zeigen, dass sie nicht ignoriert und ihre Bedenken gehört würden, betonte Inayat Bungalwala vom Muslimischen Rat. Dagegen habe die britische Beteiligung am Irak-Krieg den Extremisten in die Hände gearbeitet.
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