Foto: dapd/Torsten Silz
Mainz – Die ZDF-Senderfamilie will mehr Profil in ihrem Programm zeigen - auch entgegen der Sehgewohnheiten des Publikums. "Wir produzieren auch ganz gezielt gegen Quotenerwartungen", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut am Freitag in Mainz nach der zweiten Sitzung des ZDF-Fernsehrates der 14. Amtsperiode. Dazu gehöre auch, unbequemere Themen, etwa den Missbrauch von Kindern im Internet, in der Primetime zu zeigen oder langjährig erfolgreiche Serien wie "Der Landarzt" und "Forsthaus Falkenau" abzusetzen.
"Wenn nach 20 Jahren eine Serie eingestellt wird, ist das für mich etwas völlig Normales", sagte Bellut. Das sei ein kreativer Prozess. Außerdem solle die Hintergrundberichterstattung für Themen aus der Politik und der Wirtschaft ausgebaut werden. Insgesamt wolle sich das ZDF mit einem breiten Informations- und Unterhaltungsangebot in der Primetime als stärkster Sender etablieren. Zugleich werde weiterhin eng mit der ARD zusammengearbeitet, sagte Bellut.
Darüber hinaus schloss der Vorsitzende des Fernsehrates, Ruprecht Polenz, nicht aus, dass es künftig einen öffentlich-rechtlichen Jugendsender geben wird. Dafür brauche es aber einen klaren Auftrag von der Politik, sagte Polenz.
Sportsommer im ZDF lief erfolgreich
Insgesamt zog der Fernsehrat für das laufende Jahr eine positive Programmbilanz. "Die ZDF-Familie steht in der Tat gut da, trotz des Kurses der Sparsamkeit, den wir im Moment fahren", sagte Bellut. Das Ziel sei, auch weiterhin möglichst ökonomisch ein qualitativ hochwertiges Programm anzubieten. "Wir werden diesen Stil, Qualität und Quote und gelegentlich gegen Quote zu produzieren, auch fortführen", kündigte Bellut an.
Nach eigenen Angaben liegt der Sender 2012 mit einem Marktanteil von 12,6 Prozent an der Spitze vor RTL und ARD. Auch in der Primetime sei das ZDF mit einer Quote von 15 Prozent Marktführer. Den Angaben zufolge erreichen die Digitalkanäle ZDFneo, ZDFinfo und ZDFkultur zusammen einen Marktanteil von zwei Prozent.
Erfolgreich lief nach Einschätzung des Fernsehrates der Sportsommer im Zweiten. Polenz sagte, er sei "sehr zufrieden mit der Berichterstattung über die Großereignisse". Durchschnittlich hätten 15,5 Millionen Zuschauer die 13 Live-Übertragungen der Fußball-EM im ZDF verfolgt. Die Olympia-Sendungen hätten sich im Schnitt 3,5 Millionen Menschen angesehen.
dapd
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