Berlin - Freilandeier kommen nach einem Zeitungsbericht in Deutschland häufig mit einem überhöhten Dioxinwert auf den Markt.
In Bayern hätten Messungen ergeben, dass in den vergangenen beiden Jahren mehr als 20 Prozent der Freilandeier den Dioxin-Grenzwert der Europäischen Union (EU) überschritten haben, berichtete die "Bild am Sonntag". Die EU hat den Grenzwert für Nahrungsmittel bei drei Pikogramm Dioxin pro Gramm Fett festgesetzt, für Freilandeier gilt er aber erst seit dem 1. Januar. Das als "Seveso-Gift" bekannt gewordene Dioxin ist stark Krebs erregend.
Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf will das Thema bald an die EU-Kommission herantragen. Er warf Bundesministerin Renate Künast vor, mit ihrer Forderung an die Länder, belastete Eier vom Markt zu nehmen, mache sie es sich zu einfach.
In Niedersachsen seien über dem Grenzwert liegende Werte sogar bei 28 Prozent der Eier aus Freilandhaltung gemessen worden, berichtete das Blatt weiter. Stichproben in Baden-Württemberg hätten in den vergangenen vier Jahren einen Anteil von sieben Prozent an allen Bio- und Freilandeiern ergeben.
Künast (Grüne) forderte die Verantwortlichen zu raschem Handeln auf. "Die Länder müssen kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren," sagte sie der Zeitung. "Und wenn sie erhöhte Werte feststellen, müssen sie das Produkt vom Markt nehmen. So klar ist das!" Schnappauf (CSU) erklärte dagegen, Künast konterkariere mit ihrer Forderung alle Anstrengungen, die Haltebedingungen für Legehennen zu verbessern. Künasts Forderung würde in letzter Konsequenz das Aus für Eier aus Freilandhaltung bedeuten.
Freilandhühner nehmen das Dioxin Experten zufolge durch ständiges Picken aus dem Boden auf. Deshalb schnitten Eier von Käfighühnern in allen Tests besser ab und liegen zu 99 Prozent unter dem Grenzwert. Generell sei die Dioxin-Belastung bei Freilandeiern um das 2,5fache höher als bei Eiern aus Käfighaltung. "Wir haben es mit einem Umweltproblem zu tun, das uns bewusst ist", sagte der Vorsitzende des Bundes der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein der "Bild am Sonntag". (Reuters)