Nachrichten Deutschland – Zentralrat der Juden empört über deutsche Geschäfte mit Iran – Gerhard Kneier
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Komplizenschaft Zentralrat der Juden empört über deutsche Geschäfte mit Iran

Gerhard Kneier

02.04.2010

Frankfurt/Main (apn) Der Zentralrat der Juden hat Geschäfte deutscher Unternehmen mit dem Iran scharf kritisiert. In einem Interview der Nachrichtenagentur DAPD sagte Vizepräsident Dieter Graumann, für diese „faktische Komplizenschaft mit dem Teheraner Terror-Regime“ verdienten die betroffenen Firmen „Schande und Verachtung“. Von der Politik forderte der mutmaßliche Nachfolger Charlotte Knoblochs als oberster Repräsentant der gut 100.000 Juden in der Bundesrepublik Sanktionen gegen den Iran.

„Wir wissen inzwischen alle, mit wem wir es dort zu tun haben: Das ist ein Regime, das zynisch die eigene Bevölkerung unterdrückt, das systematisch und dreist Wahlen fälscht, das die Menschenrechte täglich mit Füßen tritt und das frech den Holocaust leugnet“, erklärte Graumann. Insofern sei der Iran „eine ganz schreckliche und hässliche Bedrohung für die ganze Welt“. Obendrein sei er gerade unbeirrbar dabei, sich Atomwaffen zu beschaffen. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sprach von einer massiven Bedrohung nicht nur für Israel, sondern auch für Europa und die ganze Welt.

Der Bundesregierung bescheinigte Graumann, sich nach besten Kräften um eine internationale Allianz zu bemühen, die dem Iran entschlossen gegenübertrete. Dieses moralische Engagement verdiene Respekt und Lob. Viel zu viele deutsche Firmen betrieben aber leider noch immer übereifrig ihre Geschäfte mit dem Regime, das „amtierender Weltmeister in Sachen Antisemitismus“ sei.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden kritisierte nicht nur die Unternehmen, die damit Geld verdienten. „Auch das laute, kalte Schweigen der deutschen Wirtschaftsverbände, die sonst doch sehr häufig zu hören sind, in dieser Frage ist leider kein Ausweis von großem moralischen Engagement – vielmehr das genaue Gegenteil“, fügte er hinzu.

Kritik an israelischer Siedlungspolitik

Verhaltene Kritik äußerte Graumann auf entsprechende Fragen auch an der aktuellen Siedlungspolitik der israelischen Regierung Benjamin Netanjahu. Diese sei sowohl dem Grunde wie insbesondere dem Timing nach nicht immer leicht zu verstehen und noch weniger leicht zu vertreten. So sei die Bekanntgabe eines neuen Siedlungsprojekts ausgerechnet während des Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden, eines ausgewiesenen Freundes Israels, „kein Akt von ausgesprochen großer politischer Klugheit war, um es noch sehr milde zu sagen“.

Viel wichtiger sei jedoch, dass die Menschen in Israel den Frieden wollten und sich nach dem Frieden sehnten. Auch die demokratisch gewählte israelische Regierung habe sich glaubwürdig auf die Friedenspolitik festgelegt. Allerdings habe sie für den Frieden in der Region leider keinen wirklichen Partner. „Die Abbas-Administration wird zusehends schwächer.“ Und die immer stärkere Hamas betreibe schließlich erklärtermaßen die Vernichtung von Israel, fuhr Graumann fort.

Er sprach von einer fundamentalen Weigerung maßgeblicher islamistischer Kräfte, Israel überhaupt leben und existieren zu lassen. „Solange sich das aber nicht wirklich ändert, kann es niemals den Beginn vom Anfang eines Friedens geben“, sagte Graumann. Der Bundesregierung attestierte er, im Nahostkonflikt stets eine besonders konstruktive Rolle zu spielen.

Im Zusammenhang mit der Debatte über das in Berlin geplante Vertreibungszentrum forderte Graumann den Bund der Vertriebenen auf, die „tiefbraune Vergangenheit viel zu vieler früherer Repräsentanten“ der Organisation offenzulegen. Fragen nach seiner Kandidatur als neuer Präsident des Zentralrats der Juden wollte er noch nicht beantworten. (AP)

 

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