Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank wird nach Experten-Ansicht wegen gestiegener Inflationsrisiken zum dritten Mal in sechs Monaten die Zinszügel im Euroraum anziehen. Umstritten ist allerdings, wie stark die Währungshüter bei ihrer Sitzung am Donnerstag an der Zinsschraube drehen werden. Die meisten Experten rechnen mit einer Anhebung des Leitzinssatzes um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent. Es gibt aber auch Finanzexperten, die eine Erhöhung um 50 Basispunkte erwarten.
Vor allem die Explosion der Rohölpreise treibt die Lebenshaltungskosten nach oben. Im Mai stieg die Inflationsrate auf 2,5 Prozent und lag damit über dem von der EZB als Preisstabilität definierten Ziel von 2 Prozent. Zugleich haben sich die Konjunkturaussichten aufgehellt. Verbraucher und Unternehmen sind so zuversichtlich wie schon seit langem nicht mehr.
Die Bayerische Landesbank bezeichnete am Dienstag einen Zinsschritt von 50 Basispunkten allerdings als wenig wahrscheinlich. «Ein solcher passt so gar nicht zum bisherigen Verhalten der EZB», erklärten die Experten. Zudem entwickle sich die Konjunktur wie von den europäischen Währungshütern erwartet. Die jüngsten Daten zu den Verbraucherpreisen und zum Geldmengenwachstum hätten zwar negativ überrascht, zur Begründung eines größeren Zinsschritts reichten sie jedoch nicht aus.
Auf ein weiteres Argument wies Michael Schubert von der Commerzbank hin. Eine Erhöhung der Zinsen im europäischen Währungsraum um 50 Basispunkte könnte bei der Politik Sorgen vor einem weiteren deutlichen Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar auslösen. Ein starker Euro belastet die Absatzchancen europäischer Exportunternehmen im Dollarraum. Insbesondere die deutschen Firmen sind als Exportweltmeister von guten Geschäften im Ausland abhängig.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet selber hatte am Montag keinen Hinweis darauf gegeben, wie die Entscheidung der Währungshüter, die an diesem Donnerstag in Madrid tagen, ausfallen könnte. Bei einer Rede in Washington sagte er lediglich, die Konjunktur im Euroraum erhole sich zusehends, er bleibe aber weiter vorsichtig, was die wirtschaftlichen Perspektiven anbelange.
Im Dezember 2005 hatte die EZB die Zinsen zum ersten Mal seit fünf Jahren erhöht und zwar um 0,25 Prozentpunkte. Im März folgte der nächste Zinsschritt um weitere 25 Basispunkte.
(AP)
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