Lifestyle und Trends – Zu Gast bei Wanderfreunden in Brandenburg – Luise Poschmann
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Deutscher Wandertag Zu Gast bei Wanderfreunden in Brandenburg

Luise Poschmann

19.06.2012

Eine  Tour führt auch an der Klinkenmühle bei Fäming in Brandenburg  vorbei. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd Photo
Eine Tour führt auch an der Klinkenmühle bei Fäming in Brandenburg vorbei.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd Photo

Gottsdorf – Die Gottsdorfer Klinkenmühle ist am besten zu Fuß zu erreichen, da nur ein Sandweg auf den Bauernhof in Fläming in Brandenburg führt. Hinter den Stallungen liegt ein See, der einst der Mittelpunkt der alten Wassermühle war. "Wir sind hier schon ein wenig ab vom Schuss", sagt Kathrin Lütteken, die den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Mann führt. "Zufällig kommen hier selten Menschen vorbei."

Ab Mittwoch (20. Juni) muss sich die gelernte Hotelfachfrau auf mehr Trubel einstellen. Dann beginnt der 112. Deutsche Wandertag, der in diesem Jahr im Fläming in Brandenburg stattfindet. Unter dem Motto "Zu Gast bei Wanderfreunden" lädt er bis Montag (25. Juni) Besucher in die Region ein. In der Geschichte des Deutschen Wandertags ist das ein Novum – noch nie war er in Brandenburg.

Wandern in Brandenburg ist noch immer ungewöhnlich

Das Land werde nicht auf den ersten Blick mit Wandern in Verbindung gebracht, räumte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) kürzlich ein, der auch für die touristische Vermarktung der Region zuständig ist. Dennoch ist er optimistisch. Wandern habe in den vergangenen Jahren einen starken "Imagewandel" erlebt. Die Menschen seien gesundheitsbewusster geworden und wollten Nachhaltigkeit auch in ihrem Urlaub. "Gäste erkunden die märkische Natur- und Kulturlandschaft mit dem Rad, auf dem Wasser – und immer öfter auch auf Wanderungen."

"Die Leute tun der Flach- und Küstenregion Unrecht, wenn sie behaupten, da kann man nicht wandern", meint auch die Geschäftsführerin des Deutschen Wanderverbandes, Ute Dieck. Dabei habe eine neue Studie gezeigt, dass 29 Prozent aller Wanderer in Deutschland das flache Land bevorzugten. "Die Region Fläming hat von allem etwas zu bieten", meint Dieck. Durch die lockere Besiedlung sei Brandenburg in seiner Naturlandschaft sehr reizvoll. "Es gibt dort eine Weite, die auch mal Stille zulässt", erklärt Dieck.

Wer sich das volle Programm des Wandertages anschaut, kommt nicht auf den Gedanken, dass es in den Tagen besonders still im Fläming sein wird. Mehr als 1.000 Touren, Kulturangebote und geführte Besichtigungen hat der Märkische Wanderbund Fläming-Havelland als Ausrichter organisiert. Dazu gehören unter anderem der Kunst-Wanderweg in der Nähe von Bad Belzig und der insgesamt 147 Kilometer lange Burgen-Wanderweg im Naturpark Hoher Fläming. Allein geführte Wanderungen wird es mehr als 200 geben.

"Lebensläufe" in der Brandenburger Naturlandschaft

Eine solche Tour führt auch an der Klinkenmühle von Kathrin Lütteken vorbei. Sie heißt "Lebensläufe" und zeigt, dass Besucher auf Brandenburgs Pfaden auch immer auf einem Stück deutscher Geschichte laufen.

Bei einer Rast erzählt Kathrin Lütteken den Wander-Gästen von der Geschichte des Hofs. Seit 1648 habe es die Mühle in der Nähe von Gottsdorf gegeben, erklärt die 38-Jährige. Sogar Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) soll einer Legende nach einmal vorbei geritten sein und dem damaligen Müller das Staurecht für den See eingeräumt haben. "Ein paar Jahre später kam er wieder und erkundigte sich, wie es läuft", erzählt Lütteken. "Da hat der Müller gesagt: Jetzt klingt's besser – im Geldbeutel wie beim Mahlen." So sei es zu dem Namen Klinkenmühle gekommen.

Den Besuchern der "Lebensläufe"-Wanderung wird Lütteken auch erzählen, wie die alte Wassermühle in DDR-Zeiten kollektiviert und letztlich stillgelegt wurde. Die Gebäude zerfielen, Leute aus dem Dorf holten sich Baumaterial für die eigenen Häuser. Nach der Wende kam der Hof wieder in Familienbesitz. "Seit mehr als 20 Jahren läuft hier der Prozess der Wiederherstellung", sagt Lütteken. Deswegen, so gibt sie zu, habe sie am Wandertag in Fläming in Brandenburg kein besonderes Interesse am Laufen. "Wir sind hier eh den ganzen Tag auf den Beinen."

(dapd)

 

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