Menschen & Meinungen – Zuhören und Erfahrungen teilen – Gregor Haake
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Zuhören und Erfahrungen teilen

Gregor Haake

19.07.2007

Hamburg – Der Dalai Lama blinzelt gegen die Sonne, als sich die Flugzeugtür seines Privatjets öffnet. Mit vorsichtigen Schritten steigt das Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag aus der kleinen weißen Privatmaschine auf dem Hamburger Flughafen. Der 72-Jährige strahlt den zahlreichen wartenden Repräsentanten Tibets mit seinem für ihn so typischen Lächeln entgegen und verbeugt sich gleich unzählige Male, während er über den roten Teppich schreitet.

„Ich bin froh, wieder in Deutschland zu sein“, plaudert der Friedensnobelpreisträger ohne große Umschweife los. Er wolle Menschen treffen, zuhören und Erfahrungen austauschen. Der Mann mit dem roten Umhang nimmt bei seinem zehntägigen Besuch in Hamburg an einem Nonnenkongress teil und will Vorträge vor 30.000 Besuchern und Gläubigen aus aller Welt im Tennisstadion der Hansestadt halten.

Der Dalai Lama beginnt seinen Aufenthalt gleich mit einem Appell für die Gleichberechtigung der Frauen: „Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Weiblichkeit ist ein Symbol von Mitgefühl“, stellte er noch am Flugzeug klar. Eine Zuschauerin sagt, sie sei tief beeindruckt vom Dalai Lama. „Er ist so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt – humorvoll und unglaublich sympathisch.“

Die Erwartungen an den 72-Jährigen sind riesig, denn er macht Hamburg für zehn Tage zum Zentrum des weltweiten Buddhismus. Es wird vor allem erwartet, dass er auf dem Nonnenkongress am (morgigen) Freitag offiziell bekannt gibt, dass fortan auch Frauen in die Führungsetage des tibetischen Buddhismus einziehen dürfen.

Zu diesem Zweck wird er nach Medieninformationen die volle Ordination buddhistischer Nonnen verkünden, die ungefähr der katholischen Priesterweihe entspricht. Als voll Ordinierte könnten dann auch Nonnen religiöse Lehrämter besetzen. Bislang ist diese Möglichkeit allein Mönchen vorbehalten. „Wir wissen natürlich nicht genau, was er sagen wird, hoffen aber auf eine wegweisende Rede“, betonte die Organisatorin des Kongresses, Carola Roloff.

Die Popularität des Dalai Lama in Deutschland ist ungebrochen: Er erfreut sich mittlerweile sogar größerer Beliebtheit als Papst Benedikt XVI. Laut einer Umfrage sehen ihn 44 Prozent der Bundesbürger als Vorbild – und nur 42 Prozent den deutschen Papst. Vor allem unter den Jüngeren und Gebildeteren liegt der Dalai Lama vorne.

Suche nach gewaltfreier Lösung von Tibet-Konflikt

Im Westen wurde der Dalai Lama 1989 weithin bekannt, als er für sein Bemühen um eine gewaltlose Lösung des Tibetproblems den Friedensnobelpreis bekam.

Im Alter von zwei Jahren wurde Tenzin Gyatso 1937 als Reinkarnation des 13. Dalai Lama anerkannt. Mit fünfzehn Jahren wurde er zum geistigen und weltlichen Oberhaupt Tibets ernannt. Kurz darauf marschierten chinesische Truppen in Tibet ein. 1959 flüchtete der Dalai Lama nach Indien, wohin ihm rund hunderttausend Tibeter folgten.

Aus dem Exil versuchte der Dalai Lama dann auf vielen Wegen, das Schicksal der Menschen in seiner Heimat zu verbessern. Sein Ziel ist, in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung Autonomie und Selbstverwaltung für Tibet zu erreichen. (AP)

 

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