Nachrichten Deutschland – Zukunftsforscher erwartet für 2010 massive Verteilungskämpfe – Claus-Peter Tiemann
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BAT-Stiftung für Zukunftsfragen Zukunftsforscher erwartet für 2010 massive Verteilungskämpfe

Claus-Peter Tiemann

23.12.2009

Hamburg (APD) Auf die deutsche Gesellschaft kommen im neuen Jahr nach Überzeugung des Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski schwere Verteilungskämpfe zu. Verlierer werden Geringverdiener und arme Menschen sein, sagte der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen der Nachrichtenagentur DAPD. „Mit dem Beginn des neuen Jahrzehnts zeichnet sich eine Wohlstandswende in Deutschland ab“, kündigte er an. Der seit mehr als 50 Jahren bekannte Dreiklang aus Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand sei in Gefahr.

Aber der Zukunftsforscher macht auch Hoffnung: Wer seine persönlichen Werte an die härteren Zeiten anpasse, habe auch ab 2010 gute Jahre vor sich.

„Eine Steuer- und Ausgabenpolitik, die über ihre Verhältnisse lebt, ist nicht länger tragbar“, sagte Opaschowski. Die Frage „Wer zahlt die Zeche?“ warte auf politische Antworten, forderte er und kündigte an: „Konflikte sind unvermeidbar, wenn bei der Einschränkung öffentlicher Ausgaben Schwimmbäder, Jugendfreizeit- oder Altentagesstätten zu den Opfern zählen.“ Jede Kürzung in diesem Bereich schließe Geringverdiener und sozial schwache Bevölkerungsgruppen weitgehend aus. Das sei aber mit dem Anspruch auf Grundversorgung unvereinbar.

Bildung bleibt von Kürzungen verschont

Als Grund für den pessimistischen Blick in die Zukunft nennt Opaschowski die massive Staatsverschuldung. „Trotz aktueller positiver Konjunktursignale wächst auch 2010 die Staatsverschuldung weiter. Als wirksame Problemlösung kommen vor allem drei Ausgabenkürzungen infrage: Verteidigung, Entwicklungshilfe und Kultur“, sagte Opaschowski.

Bildung werde als „wichtigste Quelle künftigen Wohlstands“ von Ausgabenkürzungen verschont bleiben. „Auch Renten-, Arbeitslosen- und Sozialhilfekürzungen stehen nicht zur Diskussion“, sagte der Experte. Verlierer der Wirtschaftskrise werde daher die Kultur sein, weil sie im Unterschied zu anderen Pflichtausgaben zu den sogenannten freiwilligen Ausgaben zähle, die sich in den Kommunen auch einfacher kürzen und einsparen ließen.

Kultur in Gefahr

Nach Überzeugung Opaschowskis werden Kürzungen im Kulturetat als besonders schmerzhaft empfunden: Theater und Opernhäuser, Bibliotheken und Museen seien davon betroffen. „Droht ein Kahlschlag in der deutschen Kulturlandschaft?“, fragte der Zukunftsforscher. Er rief die Wirtschaft auf, ihre gesellschaftliche Verantwortung als Sponsor und Mäzen der Kultur verstärkt wahrzunehmen: „Wenn der Staat notleidenden Banken und Wirtschaftsunternehmen in der Krise hilft, dann sollte sich auch die Wirtschaft als Gegenleistung durch Kultursponsoring mehr in die Pflicht nehmen lassen.“

Opaschowski erinnerte an sein Buch „Deutschland 2010. Wie wir morgen leben“ aus dem Jahr 1997. Damals hatte er angekündigt, die Bundesbürger müssten sich mit stagnierenden oder sinkenden Realeinkommen abfinden. Selbst bei Besserverdienenden werde die Angst vor dem Absturz wachsen, schrieb er schon damals.

Der Zukunftsforscher rief dazu auf, die eigenen Werte zu überprüfen und vor allem Wohlstand nicht mehr als viel Besitz oder viel Geld zu betrachten. „Statt Wohlleben sollte das Wohlergehen in den Mittelpunkt rücken“, sagte er. Gesundheit und Glück in Familie und mit Freunden werde wichtiger als viel Eigentum. „Wer das erkennt, kann auch in Zukunft gut leben“, sagte Opaschowski. Vor allem die junge Generation hat das nach seiner Überzeugung schon angenommen. (AP)

 

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