Menschen & Meinungen – Zum 50. Todestag von William Faulkner – Janine Wergin
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen

Ein Bauer der gerne Geschichten erzählt Zum 50. Todestag von William Faulkner

Janine Wergin

03.07.2012

Nachdem Faulkner in den 1920er Jahren mit dem Schreiben angefangen hatte, entstanden in den 1930er Jahren die bedeutsamsten Erzaehlungen seiner "Suedstaaten"-Saga. Foto: dapd/AP Photo
Nachdem Faulkner in den 1920er Jahren mit dem Schreiben angefangen hatte, entstanden in den 1930er Jahren die bedeutsamsten Erzaehlungen seiner "Suedstaaten"-Saga.

Foto: dapd/AP Photo

Berlin – Friedrich Dürrenmatt nannte William Faulkner den "größten Schriftsteller der Welt" und Ernest Hemingway sagte über William Faulkner, "er hat von allen das meiste Talent". Faulkner selbst hingegen bezeichnete sich als "Bauern, der gerne Geschichten erzählt". Zum Literaturnobelpreis hat es trotzdem gereicht. Der US-amerikanische Autor bekam ihn 1950 rückwirkend für 1949 überreicht, zwölf Jahre vor seinem Tod, der sich am 6. Juli zum 50. Mal jährt.

Von der Nachricht, dass er die renommierte Auszeichnung bekommt, soll Faulkner beim Düngen auf dem Feld erfahren haben. Der Autor entstammt einer verarmten Pflanzerfamilie aus den Südstaaten. Neben seinem kurzen Literaturstudium arbeitete er unter anderem als Anstreicher, Tischler und Buchhändler. Nach ersten literarischen Erfolgen kaufte er sich eine Farm von Hundert Hektar Größe in Oxford (Mississippi) und bewirtschaftete sie.

Faulkner lebte fast Zeit seines Lebens in den Südstaaten, seit 1926 im Universitätsstädtchen Oxford, deren Einwohner zur Hälfte Schwarze waren. Von dieser Erlebniswelt waren auch seine Romane und Erzählungen geprägt. Der Schriftsteller habe "den amerikanischen Süden zu einer Landschaft der Weltliteratur gemacht", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" über Faulkner.

Nachdem Faulkner in den 1920er Jahren mit dem Schreiben angefangen hatte, entstanden in den 1930er Jahren die bedeutsamsten Erzählungen seiner "Südstaaten"-Saga. Faulkner erfand für seine Werke die Grafschaft Yoknapatawpha, die sich mit seinem Lebensraum Oxford deckt.

Herrenkultur und Rassenproblem zählten zu zentralen Themen

Seine Themen waren die während des Bürgerkriegs vernichtete Herrenkultur in den Südstaaten mit ihren Auswirkungen, der geistig-kulturelle Niedergang und das Rassenproblem. Insgesamt verfasste Faulkner 19 Romane, rund hundert Erzählungen, zwei Gedichtbände sowie zahlreiche Drehbücher zu Literatur-Verfilmungen. Zu den bekanntesten Romanen zählen "Die Freistatt" (1931), "Licht im August" (1932), "Absalom, Absalom!" (1936).

Gegenüber Studenten bezeichnete William Faulkner seine Bücher bei einer Befragung in den 1950er Jahren als "vollständig misslungen", und dies sei für ihn "der einzige Grund, Neues zu schreiben, denn das Schreiben selber ist wahrhaftig kein Vergnügen".

Seine Erzählkunst gilt als eigenwillig, seine Bücher als schwer lesbar aufgrund von formalen und sprachlichen Besonderheiten. Als Vorbild galten Faulkner der mit ihm bekannte US-Autor Sherwood Anderson sowie James Joyce.

Für sein Werk erhielt der Epiker neben den Literaturnobelpreis auch zwei Mal den renommierten Pulitzer-Preis (1955 für "Eine Legende" und postum 1963 für "Die Spitzbuben") und den National Book Award (1951 für "Collected Stories" und 1955 für "Eine Legende").

Nobelpreis-Jury war zunächst uneins über Faulkner

Trotz dieser Ehrungen war Faulkner aufgrund seiner Positionen ein umstrittener Autor. Den Literaturnobelpreis bekam er erst rückwirkend 1950 überreicht, nachdem sich in der Jury 1949 aus unbekanntem Grund eine Sperrminorität gegen ihn ausgesprochen hatte. Sein liberales Engagement, etwa für die Gleichberechtigung von Schwarzen, brachte ihm die Missbilligung zahlreicher Mitbürger in den Südstaaten ein.

Mit seiner Heimat verband den Südstaaten-Chronist folglich eine Hassliebe. Faulkner bezog widersprüchliche Positionen. Auch wenn er der Meinung war, die amerikanische Gesellschaft habe sich an den Schwarzen schuldig gemacht, erklärte er in einem später revidierten Interview der "Sunday Times", wenn es in der Farbigen-Frage darauf ankäme, würde er im Bürgerkrieg auf der Seite der Südstaaten kämpfen.

Gestorben ist Faulkner im Alter von 64 Jahren an einem Herzinfarkt infolge eines Reitunfalls, nach dem er exzessiv trank. Faulkner wurde in Oxford beigesetzt, wo zum 50. Todestag die William Faulkner Society zusammenkommt und ihm mit einer Konferenz und einer Zeremonie am Grab gedenkt. Das Wohnhaus von William Faulkner ist bereits seit den 1970er Jahren ein Museum.

(dapd)

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige