Bonn – Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland gehen nach eigenen Angaben auch mal krank zur Arbeit. Die Hälfte habe im vergangenen Jahr überhaupt nicht gefehlt, teilte das Wissenschaftlichen Institut der AOK am Dienstag in Bonn mit. Der Krankenstand unter den AOK-Versicherten sank im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren.
Bagatellerkrankungen wie „eine leichte Erkältung oder Kopfschmerzen“ seien für 77 Prozent der Arbeitnehmer kein Grund mehr, sich krank zu melden, heißt es im AOK-Fehlzeiten-Report. Jeder dritte Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Beschwerden sei sogar am Arbeitsplatz erschienen, obwohl der Arzt davon abgeraten habe. Bei den Frauen war der Anteil deutlich höher als bei Männern.
Als häufigstes Motiv wurde viel Arbeit genannt, gefolgt von Angst um den Arbeitsplatz, Pflichtgefühl und Rücksicht auf die Kollegen. In Ostdeutschland war der Krankenstand niedriger als im Westen. Im Durchschnitt waren die AOK-Mitglieder 15,4 Tage krank geschrieben. Der Anteil derer, die keinen Tag fehlten, stieg auf 50,7 Prozent.
Große Unterschiede gab es nach Branchen: Die geringsten Fehlzeiten gab es in der Datenverarbeitung mit 2,2 Prozent und in Banken mit 2,7 Prozent, die längsten in der Müll- und Abwasserbeseitigung mit 6,1 Prozent und in der Metallindustrie mit 5,2 Prozent. Insgesamt sank der Krankenstand unter den neun Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern auf 4,2 Prozent, den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Als Gründe nannte der Wissenschaftliche Dienst mehr gesunde Beschäftigte und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge, aber auch eine größere Zurückhaltung bei Krankmeldungen. (AP)
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