Foto: ddp images / dapd/dapd
Berlin – Zwei unfassbare Familientragödien schockieren Deutschland: In einem Berliner Mehrfamilienhaus sind in der Nacht zum Mittwoch vier Tote gefunden worden - Mutter, Vater und zwei kleine Jungen. Nachdem der Vater seine Familie umgebracht hatte, nahm er sich selbst das Leben. Im nordrhein-westfälischen Neuss ist der dringend tatverdächtige Mann, der am Montag seine 26 Jahre alte Frau, seine acht Jahre alte Tochter und seinen vier Jahre alten Sohn erschossen haben soll, weiter auf der Flucht.
Im Berliner Fall geht die Polizei davon aus, dass der 69-jährige Familienvater zunächst seine 28-jährige Ehefrau und seine beiden Söhne im Alter von 3 und 6 Jahren getötet hat, bevor er sich selbst das Leben nahm. Ein weiteres Kind des Paares hatte der Mann zuvor in einem Krankenhaus abgeben.
Ein knapp ein Jahr alter Säugling sei am frühen Montagmorgen in der Babyklappe des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau abgelegt worden, sagte eine Kliniksprecherin auf Anfrage. "Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem Kind um die Tochter der getöteten Frau handelt." Das Mädchen sei in einem guten gesundheitlichen Zustand gewesen.
Obduktionsergebnis bislang nicht eindeutig
Die Obduktion der Leichen hat noch kein eindeutiges Ergebnis erbracht. Die Mutter und die beiden Kinder seien wahrscheinlich erstickt oder vergiftet worden, sagte am Nachmittag ein Polizeisprecher auf dapd-Anfrage. Möglich wäre auch eine Verbindung von beidem. Für eine präzise Aussage würden weitere Blutuntersuchungen vorgenommen.
Die Ermittler fanden am Tatort einen Abschiedsbrief, dessen Authentizität aber noch überprüft wird. Der Polizei zufolge soll die Familie hohe Schulden gehabt haben.
Unterdessen sind nach den tödlichen Schüssen in Neuss mehr als 50 Hinweise auf den flüchtigen Vater eingegangen. Zeugen machten unter anderem Angaben dazu, wo der dringend tatverdächtige Mann Zuflucht suchen könnte, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der 35-Jährige Mann soll seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn erschossen haben.
Tatverdächtiger wird auch im Ausland gesucht
Den Hinweisen gehen die Ermittler nun nach. Nach dem Mann werde auch außerhalb Deutschlands gesucht, sagte ein Polizeisprecher. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Tatverdächtige mit einer Faustfeuerwaffe bewaffnet sei. Die Frau und die Kinder seien mit einer solchen Waffe getötet worden, sagte der Sprecher.
Die Leichen der Frau und der beiden Kinder waren am Montagabend in der Wohnung der Familie entdeckt worden. Angehörige hatten die Familie dort treffen wollen. Weil die als zuverlässig bekannte Mutter nicht öffnete, alarmierten sie die Polizei. Der gesuchte Mann war wegen Körperverletzungen und häuslicher Gewalt gegen seine Frau polizeibekannt. Das Jugendamt war eingeschaltet.
Die Deutsche Kinderhilfe bezeichnete die Vernetzung deutscher Behörden als mangelhaft. "Um solche Fälle zu vermeiden, müssen Polizei, psychosoziale Beratungsstellen und die Jugendhilfe effektiver zusammenarbeiten", sagte der Vorstandsvorsitzende Georg Ehrmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Zugleich müsse die Hemmschwelle sinken, das Jugendamt "als Helfer der Familien bei Problemen" zu informieren.
dapd
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