Kultur – Zwei Hollywoodstars rocken die Bühne – Claudia Ziemer
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Kevin Bacon Zwei Hollywoodstars rocken die Bühne

Claudia Ziemer

16.05.2010

Schauspieler und Musiker Kevin Bacon, links, und sein Bruder Michael. Mit "New Year's Day" ist jetzt erstmals ein Longplayer der Bacon Brothers in Europa erschienen. Foto: apn Photo/Philipp Guelland
Schauspieler und Musiker Kevin Bacon, links, und sein Bruder Michael. Mit "New Year's Day" ist jetzt erstmals ein Longplayer der Bacon Brothers in Europa erschienen.

Foto: apn Photo/Philipp Guelland

Frankfurt/Main (apn) Was ich von Hollywoodstar Kevin Bacon wusste, bevor ich ihn traf: dass er ein Mann mit vielen Gesichtern ist und meistens den verführerisch-diabolischen Filmbösewicht spielt, wie in „Sleepers“, „Hollow Man“, „24 Stunden Angst“ oder „Am wilden Fluss“. Dass er groß, dunkelhaarig und schlaksig ist und zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern zählt.

Doch als ich ihn und seinen Bruder Michael an einem sonnigen Spätnachmittag in einer Hotelsuite in Frankfurt interviewe, sitzt mir ein lockerer, sympathischer Mann gegenüber, der mir mit seiner umwerfenden Ausstrahlung fast die Sprache verschlägt. Mit markanten Stimmen sprechen die beiden über ihr Musikprojekt, das sie erstmals in Deutschland präsentieren.

Nur den wenigstens ist bekannt, dass der Filmstar schon seit rund 15 Jahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder Michael als Bacon Brothers Rockmusik macht. Fünf Studioalben hat das Duo mit seiner Band bereits in den USA veröffentlicht und zahlreiche Tourneen quer durchs Land bestritten. Jetzt ist mit „New Year's Day“ erstmals ein Longplayer der Bacon Brothers in Europa erschienen. In den USA wurde die Platte bereits 2008 veröffentlicht.

Aufgewachsen in einer Großfamilie mit vier Schwestern in Philadelphia machten Kevin und Michael schon als Kinder Musik. „Meine Schwester Hilda nahm Gitarrenunterricht und brachte mir das Spielen bei. Ich hatte noch nie professionellen Gitarrenunterricht“, erzählt Michael, der als Filmkomponist für US-Serien und Dokumentationen bekannt ist. Als Teenager spielte Michael in einer Highschool-Band, bevor er mit Kevin die Bacon Brothers ins Leben rief. „Meine früheste Erinnerung an Musik sind die Sachen, die mein Bruder spielte oder die Musik, die er mit nach Hause brachte“, berichtet Kevin.

Bereits der Titel auf dem ersten Album „Forosoco“ gibt die musikalische Richtung der Brüder vor: „'Foroscoco' steht für Folk (F), Rock (R), Soul (S) und Country (C)“, schreibt mir Kevin auf ein Zettel. Und tatsächlich bewegen sich die Bacon Brothers auf ihrem neuen Longplayer im rockigen Gefilde. „New Year's Day“ verspricht elf handgemachte, ungeschliffene Rocksongs mit Soul-Folk-Einflüssen, akustischen Gitarrensounds und den rauchigen Stimmen von Kevin und Michael Bacon.

Songs über Gefühle, Krieg und Gott

Die Brüder teilen sich die Rolle des Songschreibens. „Wir beide schreiben und komponieren die Songs“, so Kevin. „Ich singe nur zwei Songs auf dem Album“, sagt Michael. „Das eine Lied ist 'Almost Got Rich' und das andere heißt 'Tell Me What I Have To Do'.“ Musikalisch ließen sich die Bacon Brothers von zahlreichen Rockgrößen inspirieren: „Joni Mitchell, James Taylor, Rolling Stones... die Liste ist unzählig lang“, sagt Michael. Auf die Frage, ob ihnen eine deutsche Band einfällt, antwort Kevin: „Scorpions!“

„New Year's Day“ sei ein sehr persönliches Album, sagt Kevin. Es handelt von eigenen Erfahrungen, spiegelt aber auch Gedanken, Gefühle und Sichtweisen der Bacon-Brüder wieder. Der Song „Children“ beispielsweise dreht sich um Glauben und Krieg und „vor allen Dingen um Kinder, die die Leidtragenden sind“, kommentiert Kevin. „'Children' handelt von meiner Einstellung zu Gott. Es geht darum, Gott als Vorwand für einen Krieg zu benutzen und damit Menschen zu verletzen, insbesondere Kinder“, sagt Kevin. Trotzdem sei „New Year's Day“ kein politisches Album. „Wir schreiben hauptsächlich über das, was wir fühlen.“

Tourabsage wegen Filmprojekts

Immer mehr Hollywoodstars finden sich als Rocker auf der Bühne wieder. Erst kürzlich stellte Oscar-Preisträger Kevin Costner sein Country-Rock-Album „Turn It On“ dem deutschen Publikum vor. Auch Filmstars wie Bruce Willis, Keanu Reeves, Juliette Lewis und Johnny Depp versuchen sich als Musiker. Die Bands, in denen sie spielen, erlangen ihre Bekanntheit hauptsächlich aber nicht durch herausragende musikalische Leistung, sondern durch ihre rockenden Filmstars.

Warum die Bacon Brothers erst nach 15 Jahren den deutschen Musikmarkt erobern wollen, erklärt Kevin schlicht und ergreifend: „Wir hatten bislang einfach kein Angebot aus Europa bekommen“. Die Songs auf den Vorgängeralben waren alle gute Rocksongs, doch fehlte es ihnen an radiotauglichem Hitpotenzial. „Unsere Songs wurden noch nie im Radio gespielt. Wir hatten noch nie einen Hit“, erklärt Kevin. „Vor einem Jahr kam dann eine Anfrage aus Europa“, ergänzt Michael.

Die für Mitte Mai geplante Deutschlandtour wurde abgesagt. „Ein Filmprojekt kam Kevin dazwischen“, erklärt Michael. „Ja, ich werde demnächst eine Familienkomödie mit Steve Carrell und Julianne Moore drehen“, sagt Kevin. Die Tour werde aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr nachgeholt, fügt Michael hinzu. „Frankfurt ist eine tolle, lebendige Stadt“, sagt Kevin zum Abschied. „Der Name Frankfurt ist uns sehr bekannt, denn er ist auch ein Stadtteil von Philadelphia, er wird nur etwas anders geschrieben – nämlich Frankford.“ Plötzlich geht die Tür auf. Die 20 Minuten sind vorbei. Der nächste Journalist wartet schon vor der Tür. (AP)

 

 

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