Aktuelle Nachrichten – Kultur
31.08.2009
Hamburg – Die Herausforderung hätte kaum schwieriger sein können. Als sich die US-Amerikanerin Julia Child Anfang der 1960er Jahre mit einem Kochbuch vornahm, die Fast Food gewohnten Gaumen ihrer Landsleute zur französischen Küche zu bekehren, hätte sie nicht mit einem derartigen Erfolg gerechnet. Ihr Buch wurde zum Bestseller, sie zur Fernsehkoch-Legende und die wahre Lebensgeschichte nun ein Kinofilm. Am 3. September läuft „Julie & Julia“ in Deutschland an.
Doch damit ist nur die halbe Geschichte der heiteren Leinwand-Hommage auf das Kochen erzählt. Denn der Film spielt zum Teil in der Vergangenheit, im Leben der Julia Child. Zeigt aber auf einer zweiten Ebene, wie sich im New York der Gegenwart eine junge Frau und große Verehrerin der Kochlegende einer ähnlich schweren Herausforderung stellt wie ihr Vorbild.
Julie Powell aus der Bronx will in 365 Tagen alle 524 Rezepte aus dem Erfolgs-Kochbuch von Child nachkochen und darüber auch noch täglich in einem Internet-Blog berichten. Alles kommt, wie es kommen muss: Der Koch-Blog wird in den USA ebenfalls zum Riesenerfolg, Powell zum Star der Web-Community, und ihre wahre Geschichte kann nun im Kino besichtigt werden.
Seine besondere Würze gewinnt der Film aber nicht allein aus den außergewöhnlichen Lebenswegen der Figuren. Vor allem Meryl Streep glänzt in ihrer Hauptrolle als Julia Child, die in den USA für ihr ganz pragmatisches und dabei dennoch irgendwie unbeholfenes Auftreten so geliebt wurde. Vielleicht ist dies auch die einzige Art und Weise für Amerikaner, sich der französischen Küche zu nähern: Ohne Talent und große Show. Streep muss sich einige Sendungen der Fernsehköchin angesehen haben, um diese unnachahmliche Art so gekonnt nachzuahmen.
Im ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart bietet der Film dann Zeit zum Durchatmen, wenn die Bloggerin Julie Powell im Mittelpunkt steht. Gespielt von Amy Adams verkörpert sie die stereotype junge US-Amerikanerin, die unentschlossen zwischen der Frage steht: Karriere oder Familie?
Doch gerade diese Mischung aus den rasanten und oft urkomischen Passagen mit der quirligen Child und der eher zurückgenommenen und realitätsnahen Geschichte der jungen New Yorkerin Powell geben dem Film eine angenehme Ausgewogenheit – so wie bei einem gelungenen Cordon Bleu das Verhältnis zwischen Schinken und Käse stimmen muss. (AP)
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