Der Farn – ein lebendes Fossil

Von 30. Juli 2013 Aktualisiert: 30. Juli 2013 14:30

 

Farne gedeihen besonders gut an feuchten, halbschattigen Standorten und auf humosen Böden. Da sie in unseren Breiten fast immer Waldpflanzen sind, mögen sie keine trockenen, sonnigen Plätze. Fast in jedem Garten gibt ein schattiges Eckchen, wo die an Wuchs-, Farben- und Blattformen reiche Pflanze wachsen kann. Kombiniert mit anderen schattenliebenden Gewächsen setzen Farne dort hübsche Akzente und an einem heißen Sommertag werden sie  das Schattenplätzchen in ihrem Garten zu schätzen wissen.

Lebende Fossilien

Forscher entdeckten Fossilien von Farnarten, die bereits vor etwa 400 Millionen Jahren auf der Erde existierten. Die Pflanzen wuchsen damals noch bis zu dreißig Meter hoch. Zusammen mit dem Riesenschachtellhalm und den Bärlappgewächsen waren sie in der Urzeit die vorherrschenden Pflanzen auf unserem Planeten. Farne und Blütenpflanzen sind sogenannte höhere Pflanzen. Sie unterscheiden sich von den niederen Pflanzen, wie z.B. Bakterien, Moosen und Pilzen, durch ihren Aufbau. Sie sind älter als die Blütenpflanzen und im Gegensatz zu den Blütenpflanzen, die sich über Samen vermehren, erfolgt die Fortpflanzung der Farne über Sporen. Die Sporen befinden sich auf der Unterseite der Farnwedel und entwickeln sich in Sporenbehältern, den sogenannten Sporangien. Diese Sporen reifen zwischen Juli und November und verbreiten sich durch den Wind.

Auf der Welt gibt es noch über zehntausend verschiedene Farn-Arten, von denen etwa 40 in Deutschland heimisch sind. Die größten und ältesten Farne auf der Welt sind die etwa 15 bis 20 Meter hohen Baumfarne (Cyatheales). Diese baumartigen Farne dienten vor 200 Millionen Jahren den Dinosauriern als Nahrungsquelle und noch heute wachsen einige davon in den tropischen Regenwäldern von Australien, Malaysia, Neuseeland und Tasmanien.

Blattschmuckpflanze für schattige Plätze

Farne sind für halbschattige und schattige Bereiche eine ideale Bepflanzung, sie sind schneckenresistent und pflegeleicht. Zu Beginn der Vegetationszeit im Frühjahr entrollen sich die Farnwedel langsam. Dabei erinnert das Aussehen an einen Bischofsstab oder Geigenkopf.

Die Wuchshöhe der Pflanze kann variieren. Viele Sorten erreichen Höhen zwischen dreißig und fünfzig Zentimetern. Der Adlerfarn, Königsfarn und Straußenfarn sind mit ein bis zwei Metern Wuchshöhe die größten Farne in unseren Breiten. Für unsere Gärten wählen wir die eher kleineren Farnarten oder die bodendeckenden Arten, wie Blechnum, Polystichum oder Dryopteris, der mit seinen wunderschönen, rötlich austreibenden Wedeln einen freundlichen Anblick bietet. Der Farn unter Bäumen in kleinen Gruppen gepflanzt, kombiniert mit Astilben, Funkien oder schattenliebenden Gräsern, rundet das Gesamtbild eines Schattenplatzes ab. Obwohl Farne sehr genügsame Pflanzen sind und bis heute überleben konnten, findet man sie bei uns leider sehr selten in den schattigen Breichen unserer Gärten, jedoch aufgrund ihrer schmückenden und natürlich anmutenden Wedel sollten sie auf keinen Fall dort fehlen.

Farne heilen, doch nur wohl dosiert

Da der Farn zu den  giftigen Pflanzen zählt, sind die medizinischen Anwendungsgebiete reduziert. Seinen Platz in der Medizin hat der Farn jedoch seit dem Mittelalter und zwar als Mittel gegen Darmparasiten. Auch als Husten- und schleimlösendes Mittel wurde er von der Heilerin Hildegard von Bingen verwandt und empfohlen. Äußerlich angewandt ist er ungiftig und wirkt gegen Arthritis, Gicht und rheumathische Beschwerden. Aufgrund seiner Giftigkeit sollte man jedoch auf die Herstellung eigener Präperate verzichten. Auch die Farn-Sporen dürfen nicht eingeatmet werden, da sich in den Sporen das hochgiftige Enzym „Thiaminase“ befindet. Das Enzym steht unter dem Verdacht, das Knochenmark zu schädigen und krebserregend zu sein.

Vom Nützlichen, Blumigen bis zum Aberglauben

In der Kosmetik finden wir allerlei Farnprodukte, vom Duschgel über Düfte, Seifen bis zur Hautcreme. Auch in der Floristik hat der Farn seinen festen Platz, er wird als schmückendes Beiwerk in manch schönen Blumenstrauß gebunden.

Das Vermehrungs-Rätsel der Farne wurde Mitte des 19. Jahrhunderts endlich von dem Botaniker Wilhelm Hofmeister (1824 – 1877 gelüftet und der Mythos der „blühenden Farne“ gehörte nun endgültig der Vergangenheit an. Bis dahin konnten sich die Menschen die Fortpflanzung der Farne nicht erklären, da ja Blüten und Früchte fehlten und sie glaubten, dass beim Farn etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könne.

Viele Mythen und Legenden beschäftigten sich mit dem Farn und den „Farnsamen“, den Sporen. Der Farnsamen soll demnach übernatürliche Zauberkräfte verleihen, Farn macht unverwundbar wurde gesagt, Farn schützt vor Unwetter wie Blitz und Hagelschlag und schützt vor Dämonen, bösen Geistern und Hexen. Mit Hilfe von Farnsamen, sagen die Mythen, soll man auch die Sprache der Tiere verstehen, verborgene Schätze finden und sich unsichtbar machen können. EIn Zitat von William Shakespeare aus seinem Drama „Heinrich IV“ belegt diesen damaligen Glauben an die Zauberkräfte des Farns: „Wir gehen unsichtbar, denn wir haben Farnsamen genommen.“

Mythen und Aberglauben zum Trotz geben wir dem Farn einen Raum, denn ein Schattenplatz im Garten muss nicht langweilig sein, sondern er bietet an heissen, schwülen Sommertagen ein Plätzchen zum Verweilen und Träumen.

 

 

 

 

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