Amok oder Terror? SEK sprengt Wohnungstür des Limburger Lkw-Kidnappers – Haftbefehl wegen Mordversuchs

Epoch Times7. Oktober 2019 Aktualisiert: 8. Oktober 2019 21:52
Augenblicke des Schreckens im hessischen Limburg: An einer Ampel fährt ein Lastwagenfahrer auf andere Autos auf. Der Fahrer wird festgenommen. Die Hintergründe sind zunächst unklar.

19:50 Uhr: Haftbefehl erlassen

Gegen den Mann, der am frühen Montagabend, 7. Oktober, gegen 17.20 Uhr in Limburg mit einem kurz zuvor gekidnappten Lastwagen auf acht Autos aufgefahren war, ist Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe lauten auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit. Gegen den 32-jährigen Syrer wurde Untersuchungshaft verhängt.

Wie die „Bild“ berichtet, hatte der Mann die Tat offensichtlich geplant. Er hatte auch versucht, zuvor andere Lkws in seine Gewalt zu bringen. Ein von der Lkw-Attacke direkt betroffener Autofahrer schilderte der Zeitung, dass es ein Gerangel an der roten Ampel gab und der eigentliche Fahrer des Lkws von dem Syrer aus der Fahrerkabine gezerrt wurde. Dann gab der Laster Gas und knallte dem 71-Jährigen in den Wagen, schob ihn beiseite und krachte in die anderen Fahrzeuge. Insgesamt sieben Autos und ein Kleintransporter waren betroffen, neun Personen wurden verletzt.

15:00 Uhr: SEK stürmt Wohnung

Gegen 1 Uhr nachts zum Dienstag fand laut „Bild“-Zeitungen bei dem syrischen Lkw-Kidnapper eine Wohnungsdurchsuchung mit rund 60 Beamten statt. Dabei wurde auch ein Spürhund eingesetzt. Der Einsatz fand im rund 75 Kilometer südöstlich des Tatorts gelegenen Langen statt, wo der Syrer in einem Naturfreundehaus im 1. Geschoss eine Einzimmerwohnung bezogen hatte. Die Wohnungstür wurde von den Einsatzkräften mit Plastiksprengstoff geöffnet.

Die Ergebnisse des Einsatzes wurden noch nicht bekanntgegeben. Allerdings sind nun mehr Informationen zu dem Syrer bekannt. Er soll sich seit 2015 in Deutschland aufhalten und 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus erhalten haben.

Laut „Spiegel“ wurde der Asylantrag des verdächtigen Syrers im Oktober 2019 abgelehnt. Einen neuen Aufenthaltstitel bekam er seither nicht mehr. Der Tatverdächtige soll laut dem „Spiegel“ der Polizei bereits wegen Körperverletzung, Drogendelikten sowie Ladendiebstahls bekannt gewesen sein.

Nach aktuellem stand der Ermittlungen soll, laut den Behörden, der Tatverdächtige keinen Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten gepflegt haben. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben.

Momentan gebe es für ein terroristisches Motiv noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, heißt es weiter. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die Ermittlungen aufgenommen. Weitere Informationen wird es voraussichtlich im Verlauf des Tages geben.

12:00 Uhr: Bewertung als Terror-Anschlag

Nach Angaben des „ZDF“ wird der Lkw-Zwischenfall im hessischen Limburg als Terror-Anschlag bewertet. Das habe das ZDF am Dienstagmorgen von den Sicherheitsbehörden erfahren. Demnach sei der Täter Anfang 30 und stamme aus Syrien. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat die Ermittlungen übernommen. Die österreichische „Kronenzeitung“ berichtet, dass es sich bei dem seit 2015 in Deutschland lebenden Syrer um einen Asylbewerber handelt, der 2016 einen subsidiären Schutzstatus erhielt. Allerdings wurde sein Asylantrag vor wenigen Tagen letztlich abgelehnt.

Wir reden von 17 Betroffenen, von denen elf vor Ort entlassen werden konnten. Die anderen mussten mit teilweise schweren Verletzungen in Krankenhäusern behandelt werden, unter anderem auch der Fahrer des Lkws.“

(Markus Hoffmann, Polizeisprecher)

Der LKW-Kidnapper soll sich bei der Festnahme heftig gewehrt haben und bei der Festnahme bzw. Erstversorgung durch Rettungskräfte mehrfach „Allah“ gerufen haben. Polizeilich war er bisher wegen Körperverletzung, Drogendelikten sowie Ladendiebstahl bekannt.

Mann fährt mit Lkw auf vor einer Ampel stehende Fahrzeuge auf

Ein Mann ist im hessischen Limburg mit einem fremden Lkw auf mehrere Autos aufgefahren und hat dabei neun Menschen verletzt. Der Fahrer habe sich des Lastwagens „bemächtigt“ und sei dann an einer Ampel mit den dort wartenden Fahrzeugen kollidiert, teilte die Polizei am Montagabend mit. Der Mann wurde festgenommen. Die Hintergründe des Vorfalls blieben zunächst unklar. Die Polizei warnte vor Spekulationen.

„Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt“

Die „Frankfurter Neue Presse“ zitierte den eigentlichen Fahrer des Lasters: „Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt.“ Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lkw aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. „Was willst Du von mir?“, habe er den Mann gefragt. „Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt“, heißt es weiter in dem Bericht.

Nach kurzer Fahrt sei er dann an der Ampel mit den Autos kollidiert, die durch den Aufprall zusammengeschoben worden seien, so die Polizei.

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Mehrere Menschen mussten nach Polizeiangaben in Krankenhäusern behandelt werden. Auch der Lkw-Fahrer habe sich leicht verletzt. Er sei vorläufig festgenommen worden. Zur Identität des Mannes machte die Polizei zunächst keine Angaben. Auch die genaue Zahl der Verletzten blieb unklar. Zunächst hatte die Polizei mitgeteilt, rund ein Dutzend Menschen sei leicht und ein Mensch schwer verletzt worden.

Zeugenaufruf der Polizei

Es liefen „umfangreiche Ermittlungen“ zu den Hintergründen des Vorfalls, teilte die Polizei im Online-Dienst Twitter mit. Zahlreiche Beamte seien vor Ort, um Zeugen zu befragen und Spuren zu sichern. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Das Polizeipräsidium Westhessen veröffentlichte einen Zeugenaufruf auf Twitter mit der Bitte, den Ermittlern mögliche Fotos oder Videoaufnahmen des Vorfalls zu schicken. Die Polizei rief dazu auf, „wilde Spekulationen“ zu unterlassen. „Auch knapp sechs Stunden nach der Tat sind viele Details noch unklar“, hieß es. (afp/nmc)