Immer noch keine Spur von Rebecca (15) – Bei Staatsanwaltschaft und Polizei liegen Nerven blank

Von 8. März 2019 Aktualisiert: 8. März 2019 14:25
Eine mehrstündige Suchaktion der Polizei in einem Wald bei Storkow blieb erfolglos. Unterdessen macht diese der Staatsanwaltschaft Vorwürfe, weil diese den Einsatz der Kesy-Verkehrsüberwachung publik gemacht hatte. Rebeccas Vater macht auf RTL unterdessen kryptische Andeutungen.

Auch knapp drei Wochen nach dem Verschwinden der 15-jährigen Berliner Schülerin Rebecca aus dem gemeinsamen Haus ihres Schwagers und ihrer Schwester im Stadtteil Britz steigt die Nervosität bei den Ermittlungsbehörden.

Die fehlenden Erfolge bei der Suche nach dem Mädchen haben zunehmend öffentliche Schuldzuweisungen zur Folge. Während die Staatsanwaltschaft über eigenmächtiges Agieren der Familie der Verschwundenen klagt, übt Brandenburgs Polizei ihrerseits Kritik an der Staatsanwaltschaft.

Obwohl es einem Bericht des „Focus“ zufolge bereits 500 Hinweise gibt, die bei der Staatsanwalt eingingen – nach Ausstrahlung der jüngsten Sendung „Aktenzeichen XY“ sollen es schon 700 sein – hat sich noch keiner davon als stichhaltig genug erwiesen, um den lang ersehnten Durchbruch zu bringen.

„Die ganze Nummer hängt mit einer anderen Sache zusammen“

Nun hat die Staatsanwaltschaft der Familie des Mädchens vorgeworfen, durch nicht abgestimmte Aktionen in der Öffentlichkeit, insbesondere Interviews, die Ermittlungsarbeit zu erschweren.

„Es bringt immer eine gewisse Unruhe rein und es ist für die Ermittlungen immer ein bisschen störend, wenn zu viele Interviews von außen in die Ermittlungen reinwirken“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, Martin Steltner in der „Welt“. Das sei nicht unbedingt glücklich für die Ermittlungen, die sowieso schleppend verlaufen. Im Einzelnen bewerten wolle er den Gang an die Öffentlichkeit der Familienmitglieder aber nicht.

Die Interviews enthalten zudem kryptische Andeutungen. Rebeccas Familienangehörige, die den vor wenigen Tagen in Untersuchungshaft genommenen Schwager Florian R. nach wie vor in Schutz nehmen, hatten diesen am Mittwoch auf RTL dazu aufgerufen, zu reden. „Klär das, damit die ganze Suche in die andere Richtung geht, und zwar in die richtige. Wir müssen Becky finden“, erklärte Rebeccas Vater. Zudem äußerte er den Satz: „Die ganze Nummer hängt mit einer anderen Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf.“

Nachdem die Polizei den tatverdächtigen Schwager vor einer Woche nach zwei Tagen im Gewahrsam freigelassen hatte, wurde dieser Anfang der Woche erneut festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Er schweigt weiter zu allen Vorwürfen.

Eine erhebliche Bedeutung bei der Begründung des dringenden Tatverdachts könnten Aufzeichnungen des Kesy-Systems der Brandenburgischen Polizei von der Autobahn zwischen Berlin und Frankfurt/Oder gehabt haben.

Keine plausible Erklärung für Aufenthalt

Dieses seit 2010 betriebene System ermöglicht es den Sicherheitsbehörden, Nummernschilder von Kraftfahrzeugen zu erfassen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer bestimmten Route bewegt hatten. Das System, das der Gefahrenabwehr dient und vor allem helfen soll, zur Fahndung ausgeschriebene Kennzeichen zu erfassen, kann auf richterliche Anordnung auch genutzt werden, um den Behörden erfasste Daten im Zusammenhang mit Ermittlungen zu schweren Straftaten auch nachträglich zugänglich zu machen.

Am 18. Februar, dem Tag des Verschwindens der 15-Jährigen, und am darauffolgenden Tag soll das Kesy-System das Nummernschild des himbeerroten Pkws der Marke Renault Twingo auf der Autobahn Berlin-Frankfurt/Oder erfasst haben, den auch der Schwager Rebeccas regelmäßig nutzt.

Auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt/Oder ist das Kennzeichen laut „Tagesspiegel“ am Montag um 10.47 Uhr vom automatischen Kennzeichenerfassungssystem registriert worden. Am Dienstag dann wurde der Wagen um 22.39 Uhr erneut erfasst. „Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte zu diesen Zeiten ausschließlich Rebeccas Schwager Zugriff auf diesen Pkw“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Siebenstündige Suchaktion erfolglos

Gegenüber den Ermittlern hatte er bis dato nicht angegeben, den Pkw an den genannten Tagen in dieser Gegend genutzt zu haben. „Zu beiden Fahrten kann er keine Angaben machen“, erklärte Kriminalhauptkommissar Michael Hoffmann, Leiter der zuständigen 3. Mordkommission, nach Angaben der „Welt“.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch eine Suchmeldung mit Bildern des Schwagers und seines Autos veröffentlicht und die Bevölkerung um Hinweise gebeten, wo dieser sich zum Zeitpunkt der Tat aufgehalten haben könnte. Eine siebenstündige Suchaktion der Polizei in einem Wald nahe dem an der Strecke gelegenen Storkow blieb ergebnislos.

Das Polizeipräsidium Brandenburg kritisiert unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungsdetails bezüglich der Kesy-Aufzeichnungen an die Öffentlichkeit getragen habe. Von einem „Supergau“ spricht der Berliner Polizei-Berufsverband im „Tagesspiegel“. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums äußerte: „Wir sind stinksauer, dass die Berliner Behörden Details zu der Anlage und zum Standort einfach ausposaunt haben.“

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Das erschwere die Fahndung nach Autodieben und anderen Straftätern, da zukünftige Straftäter nun wüssten, wie sie sich zu verhalten hätten.