Todesraser von München: Lichter-Gedenken am Freitag – OB Reiter besucht Opfer-Familie – Mordvorwurf

Von 22. November 2019 Aktualisiert: 22. November 2019 11:18
Nach der Todesraser-Fahrt von München-Laim veranstaltet die lokale Pfarrgemeinde ein Lichter-Gedenken am Unfallort am Freitag, 22. November, ab 18 Uhr. Die Polizei gab in einer Pressekonferenz weitere Details zum Hergang der Tragödie bekannt. Eine Frage bleibt offen: Fuhr der Täter mit geöffneten Airbags in die Jugendlichen?

Mit bis zu 120 km/h soll er durch München-Laim gerast sein. An einer Ampel krachte der Mann mit dem BMW – Victor B., 34 Jahre alt, Deutscher, Lagerist und Jugendtrainer in einem Verein – in eine Gruppe von vier Jugendlichen. Ein 14-Jähriger starb, eine 16-Jährige wurde schwer verletzt. Doch der Todesraser fährt einfach weiter … Letztlich wurde er gefasst. Er roch nach Alkohol und man fand geringe Mengen an Marihuana in seinem Fahrzeug.

Am Tatort wurden mittlerweile Blumen, Kerzen und Kuscheltiere abgelegt. Unter anderem steht laut „TZ“ auf einem Blatt von Freunden des Jungen: „Lieber Max, es ist unfassbar, was passiert ist, wir können und wollen es nicht glauben. Der Verlust, den deine Familie erleidet, ist unerträglich!!! Ruhe in Frieden, lieber Max.“

Pfarrverband: Gedenk-Lichter am Freitag

Am heutigen Freitag, 22. November, veranstaltet der Pfarrverband Laim um 18.00 Uhr am Unfallort in der Fürstenriederstraße / Ecke Aindorferstraße eine Gedenkveranstaltung mit Lichtern.

Wir wollen damit ein Zeichen der Anteilnahme, aber auch der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe setzen, aber auch unserer Bestürzung Ausdruck verleihen.“

(Pfarrverband Laim)

Der Pfarrverband bittet um rege Beteiligung.

Münchens OB spricht mit der Opfer-Familie

Nach Angaben der „Münchner Abendzeitung“ sprach Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstag im Presseclub: „Das ist kein Unfall gewesen, sondern eine Straftat.“

Weiter heißt es, dass er sich bei den Eltern des Jungen und den Mitschülern gemeldet habe: „Niemand kann ermessen, wie es den Eltern geht, aber ich kann sagen, dass es schrecklich ist und das habe ich getan.“

Max rettete Mädchen wohl das Leben

Gegenüber „RTL“ schilderte ein an dem Vorfall beteiligter Jugendlicher im Interview, dass Max die 16-Jährige aus ihrer Vierergruppe noch nach hinten schubste, als der BMW angerast kam.

Er hat dem Mädchen das Leben gerettet.“

(Augenzeuge, 14)

Trotzdem wurde sie schwer verletzt, überlebte aber. Die Polizei wollte die Darstellung auf Anfrage des Senders weder bestätigen noch dementieren.

Wann öffneten sich die Airbags?

Zudem zitierte die „TZ“ den Jugendlichen laut „RTL“-Interview:

‚Ich glaube, der Autofahrer hat uns nicht gesehen. Denn die Airbags waren schon geöffnet von dem Unfall davor‘, erklärt der 14-Jährige in dem Interview.“

(„TZ“)

Diese Passage des Interviews verschwand offenbar später bei „RTL“ wieder. Sie ist jedoch außer bei der „TZ“ noch bei der „Frankfurter Rundschau“ und der „Münchner Abendzeitung“ zu finden. Auch Google liefert den Suchbegriff bei „RTL“ noch. Warum die Aussage des Jungen zu den Airbags auf „RTL“ verschwand, ist nicht bekannt.

Stattdessen heißt es: „Wir waren in der Nacht zu viert und haben das Auto nicht kommen sehen. Und dann war alles zu spät.“

Ob diese Aussage noch von Relevanz sein wird, bleibt abzuwarten, zumal die Polizei nichts von einem Unfall davor bekannt gab. Auf der Pressekonferenz vom 18. November (siehe weiter unten) wurden von Fahren gegen die Fahrtrichtung und Ausweichmanövern anderer Fahrzeuge gesprochen, von überfahrenen roten Ampeln und schließlich dem Zusammenstoß mit den Jugendlichen. Es wurde nicht von einem Unfall davor gesprochen und auch nicht von vorher geöffneten Airbags.

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Auf „Focus“ heißt es, nachdem der Raser in die Jugendlichen gefahren war: „Im Wagen des Unfallfahrers hätten sich bei dem Zusammenstoß die Airbags geöffnet, berichtete der Polizeisprecher.“

Laut Polizei verließ der Mann nach dem Unfall sein Auto, „hierbei hatten sich auch diverse Airbags ausgelöst“, er flüchtete zu Fuß weiter. Bei seiner Festnahme leistete er Widerstand. Zudem roch er nach Alkohol. Über die Werte der gemachten Proben wurde bisher nichts bekannt. Im Auto fand man noch geringe Mengen Marihuana – auch dazu keine näheren Angaben.

Mord, dreifacher versuchter Mord

Der Haftbefehl lautet unter anderem auf Mord an dem 14-Jährigen und dreifachen versuchten Mord an dem Mädchen (16) und den beiden Insassen eines Fahrzeugs, dass nach dem Aufprall auf die Jugendlichen dem weiter flüchtenden BMW auswich und gegen eine Litfaßsäule stieß. Zudem wird dem Raser unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen.  Ob eine frühere Verurteilung wegen Drogenhandels (2016) – der Mann war auf Bewährung frei – als Hintergrund für die wilde Flucht infrage kommt, ist noch nicht bekannt. Der Fahrer hat bisher noch keine Aussage gemacht und einen Rechtsanwalt eingeschaltet: „Meinem Mandanten geht es psychisch sehr schlecht. Er macht sich große Vorwürfe“, so Tom Heindl, der Anwalt.

Pressekonferenz der Polizei

Am Anfang der Todesfahrt stand ein kleineres Verkehrsdelikt: Weil ein BMW-Fahrer am Freitag, 15. November, 23.10 Uhr, auf der Landsberger Straße in München-Laim, verbotswidrig über eine durchgezogene Mittellinie wendete, geriet er ins Visier einer Polizeistreife. Die Beamten wollten den Wagen anhalten, doch der Fahrer gab Gas und raste davon, verfolgt von der Polizei. Doch bereits nach kurzer Zeit verloren die Beamten den Raser aus den Augen, weil sie nicht mit gleich hoher Geschwindigkeit durch die Stadt zu fahren wagten.

So eine Verfolgung innerhalb der Stadt ist viel zu gefährlich.“

(Polizei München, Pressekonferenz)

Stattdessen forderte die Streifenwagenbesatzung Verstärkung an. Mit diesen Angaben wehrt sich die Polizei auch gegen Vorwürfe, es habe eine Hetzjagd gegeben und der Mann sei deswegen so gerast. Kriminaloberrat Josef Wimmer sagte in der Pressekonferenz, dass die Beamten die Verfolgung aufnahmen, weil weitere Straftaten möglich waren: „Die Kollegen wollten die Sache aufklären, sie verfolgten ihn, nahmen in Kauf, dass er aus dem Blickfeld gerät. Ich glaube, es geht um eine schlimme Tat und man sieht auch, wie rücksichtsvoll sich die Kollegen verhalten haben.“

Todesraser fährt durch die Stadt

Der später als 34-Jähriger aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen identifizierte Fahrer raste die Fürstenrieder Straße in Richtung Süden entlang, passierte mehrere rote Ampeln und fuhr auf der entgegengesetzten Fahrspur.

Als dann an der Kreuzung Aindorferstraße mehrere Jugendliche an einer grünen Fußgängerampel über die Straße liefen, fuhr der BMW-Fahrer von der rechts kommend mitten in die Personengruppe. Dabei erfasste er einen 14-jährigen Jugendlichen aus München, der laut „Focus“ gut 20 Meter durch die Luft geschleudert wurde. Auch ein 16-jähriges Mädchen aus München wurde von dem Wagen verletzt. Es erlitt Knochenbrüche. Die anderen beiden Jugendlichen (15, 16) erlitten einen Schock. Der Unfall wurde von einem Verkehrsteilnehmer mit der Dash-Cam aufgenommen und dokumentiert.

Doch der Fahrer raste trotz ausgelöster Airbags einfach weiter, ohne sich um die Jugendlichen zu kümmern. Während der BMW seine Fahrt fortsetzte, stoppte eine alarmierte Streifenwagenbesatzung bei den Opfern und leistete intensiv Erste Hilfe.

Da die sie bei dem 14-Jährigen keine Vitalfunktionen feststellen konnten, starteten sie eine Reanimation, die vom Rettungsdienst fortgesetzt wurde. Beide Verletzten wurden in Münchner Krankenhäuser gebracht, wo der 14-Jährige gegen 00.40 Uhr verstarb.“

(Polizei München)

Im weiteren Verlauf verursachte der BMW-Fahrer noch einen Verkehrsunfall, bei dem ein Autofahrer leicht verletzt wurde, als er dem Raser auswich und gegen eine Litfaßsäule stieß.

Polizei stoppte fahrerloses Auto

Im Bereich der Kreuzung Inderstorfer Straße und Fürstenrieder Straße rollte der BMW langsam die Straße entlang. Dort fiel er einer Streifenwagenbesatzung auf. Doch in dem rollenden Wagen saß bereits kein Fahrer mehr. Die Beamten stoppten den Wagen und nahmen die Verfolgung des zu Fuß geflüchteten Rasers auf. An der eingeleiteten Großfahndung beteiligten sich mehr als 15 Polizeiautos.

Gegen 0.30 Uhr konnten dann Einsatzkräfte den vor sich hin humpelnden Fahrer des BMWs im Bereich des Westparks festnehmen, wobei der 34-Jährige noch Widerstand leistete. Zunächst wurde er zur Behandlung seiner Verletzung in ein Krankenhaus gebracht. Aufgrund von möglicher Suizidgefahr wurde der Mann anschließend in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Später wurde er in die U-Haft verlegt. Er befindet sich derzeit in der Krankenstation der JVA Stadelheim.