In diesem Lkw fand die Polizei am 23. Oktober 2019 in Thurrock, England, 39 Tote.Foto: Leon Neal/Getty Images

Vier Verdächtige festgenommen – Nordirischer Lkw-Fahrer soll sich wegen Totschlags in 39 Fällen verantworten

Epoch Times26. Oktober 2019 Aktualisiert: 27. Oktober 2019 9:22
Die letzte SMS einer Vietnamesin: "Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann." Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass alle Opfer aus China stammten.

Nach dem Fund von 39 Toten in einem Kühllastwagen in der Nähe von London soll sich der nordirische Fahrer wegen Totschlags, Menschenhandels und Geldwäsche verantworten. Wie die britische Polizei am Samstag mitteilte, wird dem 25-Jährigen Totschlag in 39 Fällen zur Last gelegt. Drei weitere Verdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Die britische Polizei hatte am Freitagabend die vierte Festnahme in dem Fall gemeldet. Es handelt sich um einen 48-jährigen Mann aus Nordirland. Ein bereits wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Verschwörung zum Menschenhandel in Gewahrsam genommenes Paar stritt jegliche Beteiligung an der Tat ab.

Der Lkw soll der 38-jährigen Frau gehört haben, die ihn nach Medienberichten jedoch vor mehr als einem Jahr an eine irische Firma verkauft haben will.

Die 39 Leichen waren am Mittwochmorgen in einem Industriegebiet östlich von London in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt worden. Kurz nach dem Leichenfund wurde der Fahrer festgenommen.

Zahlreiche Vietnamesen unter den Toten

Unter den in einem Lastwagen in Großbritannien gefundenen 39 Leichen könnten bis zu 20 Vietnamesen sein. Nachdem bereits zwei vietnamesische Familien die Befürchtung geäußert hatten, dass Angehörige von ihnen unter den Opfern sein könnten, meldeten am Samstag weitere Familien ihre Angehörigen als vermisst, teilte eine in Großbritannien ansässige Gruppe für Vietnamesen mit. Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass alle Opfer aus China stammten. Vier Verdächtige wurden bislang von der Polizei festgenommen.

Wie der britische Fernsehsender BBC am Samstag berichtete, soll die Gruppe VietHome Fotos von etwa zwanzig Vietnamesen im Alter von 15 bis 45 Jahren erhalten haben, die seit dem grausigen Fund der Leichen nahe London vermisst würden. Die Opfer könnten bei der Reise nach Großbritannien gefälschte chinesische Pässe bei sich getragen haben. In einer Erklärung vom Samstag teilte das vietnamesische Außenministerium mit, seine Botschaft in London arbeite daran, „den Prozess der Identifizierung der Opfer zu beschleunigen“.

Vietnamesische Behörden einbezogen

Nguyen Dinh Gia sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag, er habe vor einigen Tagen einen Anruf von einem Vietnamesen erhalten, der ihn über den Tod seines Sohnes auf dem Weg nach Großbritannien informiert habe. Der Mann habe ihn um „Verständnis“ gebeten und gesagt, dass etwas „Unerwartetes passiert“ sei. Nguyen erzählte, sein 20-jähriger Sohn habe sich seit 2018 illegal in Frankreich aufgehalten und wollte für rund 12.600 Euro nach Großbritannien weiterreisen, um dort in einem Nagelstudio zu arbeiten.

Nguyen bat die vietnamesischen Behörden um Hilfe bei der Identifizierung seines Sohns. Von Kontaktpersonen in Großbritannien erfuhr er, dass der 20-Jährige Paris am Nachmittag des 21. Oktobers verlassen habe – zwei Tage vor der Entdeckung der Leichen in einem Lkw-Kühlcontainer.

Am Freitag hatte bereits der Vietnamese Pham Manh Cuong berichtet, dass seine Schwester unter den Toten sein könnte. Nach seinen Angaben war die 26-Jährige Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen. Am Dienstagabend habe sie dann ihrer Mutter eine verzweifelte SMS geschickt.

Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann.“

Pham sagte AFP, die SMS sei echt und wenige Stunden vor dem Leichenfund am Mittwochmorgen abgeschickt worden. Auch aus vietnamesischen Sicherheitskreisen hieß es, unter den 39 Toten könnten vietnamesische Staatsangehörige sein.

Zehntausende Euro für gefälschte Pässe

Die beiden mutmaßlichen Opfer stammen aus der verarmten Provinz Ha Tinh im Zentrum des Landes, aus der viele Migranten kommen. Viele zahlten für ihre Reise mit gefälschten Dokumenten zehntausende Euro – in der Hoffnung, vor allem in Großbritannien arbeiten zu können.

Die britische Polizei meldete am Freitagabend die vierte Festnahme in dem Fall. Es handelt sich um einen 48-jährigen Mann aus Nordirland. Ein bereits wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Verschwörung zum Menschenhandel in Gewahrsam genommenes Paar stritt jegliche Beteiligung an der Tat ab.

Der Lkw soll der 38-jährigen Frau gehört haben, die ihn nach Medienberichten jedoch vor mehr als einem Jahr an eine irische Firma verkauft haben will. „Er hat jetzt nichts mehr mit uns zu tun“, zitierte die britische Zeitung „The Times“ die Frau.

Die 39 Leichen waren am Mittwochmorgen in einem Industriegebiet östlich von London in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt worden. Kurz nach dem Leichenfund war bereits der 25-jährige, aus Nordirland stammende Lkw-Fahrer festgenommen worden. (afp)


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