Wenn der Micha wieder messert: Die Mär vom messerschwingenden Michael im Saarland

Von 5. April 2019 Aktualisiert: 5. April 2019 13:45
24 Mal wurde "Michael" im untersuchten Zeitraum mit Messer-Delikten im Saarland in Zusammenhang gebracht und stellte damit den am häufigsten benannten deutschen Namen in der Teilstatistik dar, denn gefragt wurde nach den deutschen Tätern. Ob es sich dabei um Taten mit Todesfolge, Körperverletzungen, Drohungen oder aber Verstößen gegen das Waffengesetz handelte, blieb unerörtert.

Sie sollen „Michael“ (24x), „Daniel“ (22x) und Andreas (20x) heißen, die Messerstecher vom Saarland, so die Antwort der Polizei auf eine Anfrage aus dem Landtag. Auch die nächstplatzierten zehn Namen waren durchaus gängige deutsche oder eingedeutschte Namen, wie Thomas, Christian, Justin, Sascha oder Manuel.

Dazu hatte die Polizei im Saarland auf den Daten von spezifischen Straftaten eine Datei „Stichwaffen- und Messervorfälle“ für den Zeitraum vom 01. Januar bis 30. April 2018, nach automatischer Vorsortierung dann teils in Handarbeit, herausgearbeitet.

 Die Zahl von insgesamt 3.803 einzeln ausgewerteten Datensätzen bzw. polizeilichen Vorgängen (in denen dann insgesamt 1.490 lagebildrelevante Vorfälle festgestellt werden konnten) zeigt, welche umfangreiche Arbeit mit der Erstellung des Lagebildes verbunden war.

Unter den 1.490 lagebildrelevanten Vorfällen/Vorgängen waren 842 Fälle, bei denen als Tatverdächtige bzw. Störer deutsche Staatsangehörige festgestellt wurden.“

(Landesregierung Saarland, 26.03.2019)

Auch „Tichys Einblick“ nahm sich der Messer-Täter an und fand heraus, was es mit den Michaels, Daniels und anderen deutschen Namen auf sich hat und warum harmlose Bürger in diesen Statistiken auftauchten: Das deutsche Waffengesetz. Ob in der obigen Erklärung der Landesregierung des Saarlandes „Messer-Vergehen“ nach dem Waffengesetz bereits herausgerechnet wurden, ist nicht bekannt.

Doch nicht der Deutsche mit dem Brotmesser mit Klingenlänge über 12 Zentimeter im Picknickkorb oder im Auto ist das eigentlich angesprochene Problem, sondern der Einsatz eines Messers gegen einen Menschen. Roland Tichy recherchierte deshalb in Statistiken um tödliche Messer-Taten seit 2015 und fand heraus, dass die häufigsten Namen der Täter bei tödlichen Angriffen nicht Michael, Daniel oder Andreas waren, sondern Mohamed, Ahmad und Mehmet.

Ausländische Täter

Neben den 842 deutschen Tätern in der Saarland-Statistik und den 289 unerkannt geflüchteten Tätern gibt es noch 359 Fälle von ausländischen Tätern, darunter u. a. 122 Syrer, 94 EU-Ausländer (offensichtlich ohne Erfassung eines möglichen Migrationshintergrundes), 36 Afghanen und 107 nicht näher benannte tatverdächtige Ausländer.

Die saarländische Messer-Statistik (1-4/2018) legte Innenminister Klaus Bouillon (CDU) bereits am 20. September 2018 und erstmals überhaupt vor. Die Blöcke „Drittstaatler“ (107 Fälle) und „EU-Ausländer“ (94 Fälle) wurden offenbar nicht näher definiert, aus welchem Grund auch immer.

Kaum Doppel-Staatsbürger tatverdächtig, aber …

Unter den 842 Tätern mit deutscher Staatszugehörigkeit konnten durch automatische Recherche lediglich 14 Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft ausgemacht werden: türkisch (4), kasachisch (3), syrisch (2), italienisch (2) und jeweils einmal französisch, georgisch und russisch.

Dazu schränkte die Landesregierung jedoch ein, dass es nicht ausgeschlossen werden könne, dass es weitere Tatverdächtige mit Doppelstaatsbürgerschaft gebe, die jedoch „im Rahmen der automatisierten Auswertung nicht angezeigt werden“, da sie nicht ordnungsgemäß angelegt wurden und die manuelle Auswertung zu aufwendig wäre.

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Mediale Anti-AfD-„Neutralität“?

Die Anfrage des AfD-Abgeordneten Rudolf Müller zu den 842 Tätern mit deutscher Staatsbürgerschaft sollte vermutlich Personen mit Migrationshintergrund unter den Pass-Deutschen aufdecken. Auf einen möglichen Migrationshintergrund der 842 Messer-Täter wurde jedoch von der Landesregierung nicht speziell eingegangen, da diese Daten derzeit wahrscheinlich gar nicht erfasst werden.

Manchmal sieht die Realität anders aus, als man sie sich vorstellt. Besonders wenn Zahlen ins Spiel kommen, die die eigene Vorstellung von der Wirklichkeit geradezu erschüttern.“

(„Stern“, Zeitschrift)

Auch „Spiegel online“ transportierte die Nachricht vom messerschwingenden Michael weiter: „Die meisten Messerangreifer heißen Michael“ und freut sich mutmaßlich im Leadtext: „Kriminalstatistiken sind ein beliebtes Thema der AfD. Im Saarland wollten die Rechtspopulisten es genau wissen und stellten eine Parlamentsanfrage zu Gewalttaten. Die Antwort dürfte sie ernüchtern.“

Täglich 12,4 Messer-Vorfälle im Saarland

Es blieben 1.490 polizeiliche Vorgänge für diese vier Monate oder 120 Tage übrig, im Schnitt also 12,4 Vorfälle pro Tag und das im kleinen Saarland, was die Dimension des Problems „Stichwaffen“ verdeutlichen mag.

Doch wer verübte dies Straftaten?

Bekannt wurde demnach, dass 842 von 1.490 Vorfällen oder 56,5 Prozent der Gesamtfälle von Tätern mit deutscher Nationalität verübt wurden. Wie die „Saarbrücker Zeitung“ dazu berichtet, sollen in 289 Fällen die Täter unbekannt geblieben sein. Um diese Zahl bereinigt, ergibt sich bei den ermittelten Fällen eine Gesamtzahl von 1.201, wovon 842 deutsche Tatverdächtige somit 70,1 Prozent ausmachen würden. Die ausländischen Täter nahmen 359 Fälle oder 29,9 Prozent in Anspruch.

Im Saarland leben 994.187 Menschen (Stichtag 31.12.2017), davon 888.303 mit deutscher Staatsangehörigkeit und 105.884 mit ausländischer Staatsangehörigkeit, so die Angaben des Statistischen Landesamtes Saarland. Durch die oben bereits aufgeführten Zahlen ergibt sich damit eine Kriminalitätsquote – ohne Einbeziehung der unerkannt geflüchteten Täter – im Bereich Stichwaffen für deutsche Staatsbürger (inkl. Doppel-Pass und Migrationshintergrund) von 0,095 Prozent und von ausländischen Staatsbürgern von 0,339 Prozent, rechnerisch gesehen das Dreieinhalbfache gegenüber der deutschen Population.

Antrag und Interpretation

Zu ergänzen sei, dass in der Diskussion im Landtag am 13. Februar 2019 die SPD-Abgeordnete Christina Baltes anmerkte, dass in diesen 1.490 Vorfällen auch Ladendiebstähle (nicht näher beziffert) beinhaltet wären, die unter Mitführung eines Messers verübt wurden (mit oder ohne aktivem Einsatz desselben).

Die Sozialdemokratin versucht den Antrag der AfD zu demontieren: „In 289 Vorfällen gibt es keine Tatverdächtigen. Also
ist die Nationalität von 289 ermittelten Tätern unbekannt. Liest man nun den Antrag und setzt die 289 Tatverdächtigen unbekannter Nationalität ins Verhältnis zu den 1.490 Vorfällen, könnte man meinen, dass Pi mal Daumen bei einem Fünftel der Vorfälle die Nationalität der Täter unbekannt ist. Das ist genau das, was die AfD will: Die Bürgerinnen und
Bürger glauben machen, in 20 Prozent der Vorfälle sei die Nationalität unbekannt, was suggeriert, dass ein Ausländer der Täter ist.“

Ob diese Überrlegung schlüssig ist oder nicht, da mag es wohl unterschiedliche Ansichten geben. Hier der Antragswortlaut des AfD-Antrags:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die Identität von Migranten im Saarland
lückenlos festzustellen.

Begründung:

Über die ungenügend gesicherten Außengrenzen Europas bzw. des Schengen-Raums und die nicht gesicherten und nicht kontrollierten Grenzen unseres Landes kommen weiterhin Migranten in unser Land, deren Identität nicht geklärt ist.

Zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 30. April 2018 gab es im Saarland gemäß einem sogenannten ‚Lagebild Messerangriffe‘ 1.490 Vorfälle dieser Art. Von den ermittelten Tätern waren 289 unbekannter Nationalität. Dieser Zustand muss beendet werden.“

(AfD-Antrag im Landtag, Saarland, Drucksache 16/732, vom 07.02.2019)

Weitere Begründungen würden mündlich erfolgen, hieß es noch.