Bis 24 Tage Quarantäne: „Listiger“ Coronavirus täuschte Ärzte und Patienten

Von 11. Februar 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 15:51
Der Coronavirus ist heimtückisch. Ärzte und Betroffene haben ihre Erfahrungen auf verschiedenen chinesischen Plattformen mitgeteilt. Ein Mediziner berichtete: die längste Inkubationszeit, die unter 1.099 bestätigten Infizierten beobachtet wurde, betrug 24 Tage.

Chinesische Ärzte, die Coronavirus-Patienten behandeln und Familien von infizierten Personen, haben über ihre Erfahrungen mit der Krankheit gesprochen. In chinesischen Staatsmedien und auf sozialen Medien erklärten sie, dass der Virus einige alarmierende Merkmale aufweist. Die Ärzte sprachen von einem „listigen“ Virus.

Achtung: 14-tägige Quarantäne nicht sicher

Viele Länder haben ihre Bürger aus Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie, evakuiert. In den Heimatländern der Evakuierten besteht die Standardroutine darin, die Betroffenen 14 Tage lang unter Quarantäne zu stellen und ihren Gesundheitszustand zu überwachen. Wenn innerhalb dieser Zeitspanne keine Symptome auftreten, werden sie als „nicht infiziert“ diagnostiziert.

Die Inkubationszeit des neuartigen Coronavirus kann jedoch mehr als 14 Tage dauern, heißt es in der jüngsten Studie von Zhong Nanshan, Atmungsexperte und Leiter des chinesischen Gesundheitskommissions-Teams zur Untersuchung des Coronavirus-Ausbruchs. In der am Sonntag (9.2) veröffentlichten Studie heißt es weiter, dass die längste Inkubationszeit, die man unter 1.099 bestätigten Infizierten beobachten konnte, 24 Tage betrug. Auch die chinesischen Staatsmedien haben über diese Fälle berichtet.

Bei einem Fall handelt es sich um einen Bewohner von Shenzhen. Bei ihm wurde festgestellt, dass er mit dem Coronavirus infiziert war, obwohl er während der 14-tägigen Quarantäne keine Symptome gezeigt hatte.

Dieser Patient reiste am 20. Januar nach Wuhan und kehrte am selben Abend nach Shenzhen zurück. An diesem Tag gaben die chinesischen Behörden bekannt, dass sich das neuartige Coronavirus von Mensch zu Mensch verbreiten kann. Aufgrund dessen checkte der Betroffene nach seiner Ankunft in Shenzhen direkt in ein Hotel ein und verordnete sich selbst eine 14-tägige Quarantäne. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte er keine Symptome. Am Ende der Quarantäne-Zeit ging er für eine Computertomografie in ein örtliches Krankenhäuser. Das Ergebnis lag bereits am nächsten Tag vor. In seiner Lunge gab es eine Infektion – ein typisches Merkmal des neuartigen Coronavirus. Die Ehefrau des Betroffenen erzählte seine Geschichte in den chinesischen sozialen Medien. Sie riet den Menschen, „besonders vorsichtig zu sein“.

Böse Überraschung

Die Frau betonte, dass ihr Mann nach der Quarantäne keinerlei wahrnehmbare Symptome gezeigt hatte. „Kein Fieber, kein Husten, kein Engegefühl in der Brust, nichts. Wir alle dachten, dass er sicher ist, wenn es ihm in den ersten 14 Tagen gut geht. Deshalb war die Diagnose für uns eine große Überraschung“, schrieb sie.

Dr. George Ku, Immunologie-Experte aus Hongkong, wies darauf hin: „Ein Patient hat im Anfangsstadium der Infektion mit dem Coronavirus in der Regel keine Symptome. Wenn ein Patient anfängt, Fieber und Atemnot zu bekommen, hat er bereits eine Lungenfibrose entwickelt.“

Einen ähnlichen Fall meldete ein örtliches Krankenhaus in der Provinz Guangxi und alarmierte die Öffentlichkeit. Bei Dr. Lan, Urologe im Krankenhaus der Medizinischen Universität Guangxi, konnte man demnach am Samstag (8.2) den Coronavirus diagnostizieren. Offenbar steckte sich der Arzt bei einem Patienten an, den er am 23. Januar behandelt hatte. Dieser Patienten wurde am 3. Februar mit dem Virus diagnostiziert.

Dr. Lan hatte in den 16 Tagen – zwischen dem 23. Januar und dem 8. Februar – keine Symptome. Die Diagnose wurde mittels eines Gensequenzierungs-Tests gestellt, der den Coronavirus in seinem Körper bestätigte.

„Stille Träger“

„Mediziner behandelten mehrere Patienten die keine Symptome gezeigt hatten, aber positiv auf den Coronavirus getestet wurden,“ sagte Li Xingwang, Experte der Nationalen Gesundheitskommission Chinas, auf einer Pressekonferenz am 28. Januar.

„Die Betroffenen hatten keinerlei Symptome gezeigt, wurden aber dennoch von Ärzten untersucht, da sie engen Kontakt zu Infizierten hatten,“ so Li. „Diese Gruppe Virenträger schien völlig gesund zu sein, war aber infiziert.“ In der Medizin würden diese Menschen als „stille Träger“ oder „stille Verbreiter“ bezeichnet.

Li sprach auf der Pressekonferenz auch über den Fall von Frau Lu: „Sie reiste am 10. Januar von Wuhan in ihre Heimatstadt in der Provinz Henan. 19 Tage lang zeigte Lu keine Symptome, genau wie die Patienten in Shenzhen und Guangxi. Fünf ihrer Familienmitglieder jedoch hatten Fieber, Husten und Halsschmerzen. Bei den fünf Personen wurde das neuartige Coronavirus schließlich in einem örtlichen Krankenhaus diagnostiziert. In Guangxi traf es Dr. Lan. Er zeigte keinerlei Symptome übertrug den Virus aber an seine Frau. Schließlich wurden beide mit der Krankheit diagnostiziert,“ so Li.

Bis zum Sonntag (8.2) berichteten Mediziner aus acht chinesischen Provinzen über Patienten, die keine Symptome zeigten aber positiv auf den Virus getestet wurden. Die nationale Gesundheitskommission Chinas gab nach diesen Fällen bekannt: „Es gibt einige symptomlose Virusträger, die die Krankheit auch verbreiten können“.

Weitere Symptome durch Coronavirus

Darüber hinaus berichteten Forscher in Wuhan: Infizierte könnten – außer Lungenprobleme – auch Durchfall, Brust- und Kopfschmerzen aufweisen.

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Zhong Nanshans neueste Forschungsarbeit wies ausdrücklich darauf hin, dass mehr als 50 Prozent der bestätigten Patienten „kein Fieber hatten“. „Nur 43,8 Prozent der Coronavirus-Patienten hatten im Frühstadium der Krankheitsentstehung Fieber“, so der Bericht.

Das Fiebermessen von Reisenden an Verkehrsknotenpunkten reicht demnach möglicherweise nicht aus, um den Virus zu erkennen. Es könnte zahlreiche unerkannte Virenträger geben, die sich im öffentlichen Raum aufhalten und weitere Menschen unwissentlich infizieren.

Vom Coronavirus geheilt – und wieder erkrankt

Ein Professor mit dem Familiennamen Zhao erzählte auf der Pressekonferenz: Einer seiner Freunde, seine Tochter und seine Schwiegermutter erholten sich Ende Januar vom Coronavirus. Als Zhao seinen Freund jedoch am 3. Februar anrief, sei dieser nicht ans Telefon gegangen. Kurz darauf habe Zhao eine Textnachricht von seinem Freund erhalten, in der stand: „Ich fühle mich sehr müde und ich bin kurzatmig. Ich kann nicht viel reden“.

Dr. Tsang Kay Yan Joseph, Spezialist für Infektionskrankheiten aus Hongkong, sprach über das Risiko einer Reinfektion. Er erklärte: Es könne vorkommen, dass der Körper bei der erfolgreichen Abwehr von bestimmten Viren keine Antikörper gegen die Krankheit produziert und sich der Betroffene wieder ansteckt. „SARS-Patienten gehören in diese Kategorie. Betroffene können sich nach ihrer Heilung wieder infizieren, wenn sie dem SARS-Virus ausgesetzt sind.“ Tsang vermutet, dass auch das neuartige Coronavirus in diese Kategorie fällt.

Es gab auch einen Fall, bei dem bei einem Patienten eine sehr schwere Virusinfektion der Lunge festgestellt, jedoch zweimal eine negativen Gensequenzierung diagnostiziert wurde. Erst der dritte Test bestätigte ein positives Ergebnis. Das berichtete das chinesische Staatsmedium Caijing am 5. Februar.

Leben oder Tod – entscheiden sich innerhalb von drei Wochen

Dr. Peng Zhiyong, Direktor der Akutmedizin am South Central Hospital der Universität Wuhan, ist einer der Ärzte die Coronavirus-Patienten an vorderster Front behandeln. Peng teilte dem chinesischen Medium Caixin seine jüngsten Erfahrungen mit. „Nach dem Einsetzten der Symptome, entscheidet sich das Schicksal eines Patienten binnen drei Wochen“, so Zhiyong.

In der ersten Woche würden sich die Symptome eines Patienten von leicht zu schwer entwickeln. In der zweiten Woche – wenn das Immunsystem des Patienten nicht mehr so stark ist – könne sich der Betroffene noch erholen; wenn sein Immunsystem jedoch schon sehr schwach ist, könne der Patient leicht Komplikationen entwickeln, die Atem- und Organversagen verursachen würden.

„Wenn das Immunsystem des Patienten in der dritten Woche durch den Virusangriff zerstört worden ist, wird er schließlich an multiplem Organversagen sterben“, so der Mediziner. Einige Patienten könnten sich noch erholen, wenn das Immunsystem seine Funktion wiedererlangt.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von so)
Originalfassung: Doctors and Patients Describe the Characteristics of the Coronavirus

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