„Der Esel hat seine Tricks ausgeschöpft“: Chinas Redewendung 黔驴技穷

Von 16. Januar 2014 Aktualisiert: 16. Januar 2014 1:16

Die Redewendung “黔驴技穷” (qián lǘ jì qióng) aus dem alten China meint buchstäblich, „Der Esel hat seine Tricks ausgeschöpft“. Und hier folgt die passende Geschichte dazu:

Es war einmal ein Esel, der von einer beamteten Person in die Provinz Guizhou verschifft wurde, da es in diesem Gebiet kein solches Tier gab. Der Esel wurde in einem Wald nahe einem Berg zurückgelassen.

Ein hungriger Tiger lief vom Berg aus heran. Als er das große Tier sah, fürchtete er sich, denn er hatte noch nie zuvor einen Esel gesehen. Schnell versteckte er sich im Wald und belauerte den Esel. Manchmal wagte sich der Tiger auch etwas näher heran, doch hielt er stets einen respektvollen Abstand.

Eines Tages fasste der Tiger all seinen Mut und kam noch näher an den Esel heran. Genau in diesem Moment gab der Esel ein lautes Gebrüll von sich. Der Tiger dachte, der Esel wolle ihn verspeisen und lief schnellstens weg. Während er sich wieder im Wald versteckte und den Esel sorgfältig beobachtete, stellte er fest, dass der Esel weiter nichts machte.

Nach langer Beobachtung gewöhnte sich der Tiger allmählich an das Brüllen des Esels und fürchtete sich nicht mehr so sehr. Der Esel schien keine weiteren, besonderen Fähigkeiten zu haben. Also wagte er sich wieder näher an den Esel heran und ging sogar eine Runde um ihn herum.

Der Tiger wurde wagemutiger, als er erkannte, dass der Esel gar nicht so fürchterlich war. Um herauszufinden, was der Esel macht, wenn er zornig ist, spazierte er vor dem Esel vorbei und rempelte ihn absichtlich an. Der Esel wurde wütend und schlug mit seinen Hinterbeinen wild aus.

Zuerst war der Tiger überrascht, doch bald darauf schadenfroh, denn er erkannte, dass  der Esel nur dazu imstande war. Mit Gebrüll sprang der Tiger auf den Esel und freute sich über ein gutes Mahl.

Die Redewendung „Der Esel hat seine Tricks ausgeschöpft“, “黔驴技穷” (qián lǘ jì qióng),  kommt von einer Fabel aus dem Buch San Jie von Liu Zongyuan (1). Heute wird diese Phrase verwendet, um jemanden zu beschreiben, der mit seiner Weisheit am Ende ist, oder eine Situation, in der jemand seine Fähigkeiten ausgeschöpft hat.

Anmerkung:

(1) Liu Zongyuan (773 – 819 n. Chr.) ist als einer der beiden einzigen großartigen Schriftsteller der Tang Dynastie (618 – 907 n. Chr.) anerkannt und er  gehört auch zu den acht großen Meistern der Prosa in der Tang- und Song-Dynastie. Besonders bekannt ist er für seine gleichnishaften Schriften und für seine Fabeln.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion