Miniatur des Kosmos

Von 15. Dezember 2007 Aktualisiert: 15. Dezember 2007 13:19
Harmonie zwischen Himmel und Mensch in der chinesischen Architektur

Im Laufe der Jahrtausende hat das chinesische Volk einen ganz eigenständigen Baustil entwickelt. Die Strukturprinzipien des Baustils basieren auf der taoistischen und buddhistischen Philosophie über die Gesetzmäßigkeit und Zusammenhänge zwischen Himmel, Erde und Menschen. Sie sind im Laufe der Jahrhunderte konstant geblieben und verbreiteten sich über weite Teile Ostasiens, besonders in Japan und Korea, wo die taoistische und buddhistische Philosophie die Menschen stark beeinflusst hat.

Harmonie zwischen Himmel und Mensch

Schon im ältesten chinesischen Text „I Ging“ (dem Buch der Wandlungen) wurde dokumentiert, dass die Urbevölkerung alle ihre Taten nach der Gesetzmäßigkeit des Himmels, der Erde, der Natur und der Jahreszeit ausrichtete. Später wurde in der taoistischen Philosophie über die drei zentralen Elemente der Welt geredet, aus denen alle Dinge entstehen, nämlich Himmel, Erde und Mensch. Auch im Konfuzianismus herrschte der Gedanke der Harmonie zwischen Himmel und Mensch. Es wird davon ausgegangen, dass die Natur der große Kosmos und der Mensch ein kleiner Kosmos ist und dass der Mensch als kleiner Kosmos dem großen Kosmos entsprechen soll, um besser zu leben. Diese traditionellen philosophischen Gedanken haben auf alle Lebensbereiche der Chinesen einen starken Einfluss ausgeübt, einschließlich der chinesischen Architektur. Unabhängig von Standort und Nutzungszweck eines Gebäudes, folgten die Architekten bei ihrer Arbeit dem traditionellen philosophischen Gedanken der „Harmonie zwischen Himmel und Mensch“, um die Grundstruktur der Gebäude, das Innen und Außen zu entwerfen und die Achse der Gebäude sowie die jeweiligen Bauteile festzulegen. Von den primitiven Höhlen über einfache Gebäude bis zu komplexen Anlagen sind immer mehr Elemente des Kosmos in der chinesischen Architektur wiederzufinden. Deshalb wird die chinesische Architektur als Miniatur des Kosmos bezeichnet.

Die vier Himmelsrichtungen

Die vier Himmelsrichtungen waren der Ausgangspunkt jeder architektonischen Konstruktion. Die Architekten verwendeten dabei Karten, die vorher eigens von Astrologen angefertigt wurden. Anders als die uns heute bekannten Karten war die Himmelsrichtung Süden oben, Norden unten, der Westen rechts und der Osten links aufgezeichnet. Der Grund lag in der Ausrichtung der Häuser gegen Süden, da wegen der Lage Chinas auf der nördlichen Halbkugel das angenehme Klima – also die Wärme im Winter und die frische Brise im Sommer – aus dem Süden kommen. Idealerweise schirmte der Architekt die anderen drei Himmelsrichtungen ab. Damit wurde verhindert, dass andere Wetterströmungen wie der kalte Nordwind das häusliche Klima und die Umwelt des Menschen verschlechtern. Zum Schutz vor Unwettern platzierte man an den Dächern der Häuser vier Fabeltiere, als Schutzgeister der vier Himmelsrichtungen: Im Norden war das der schwarze Wen (ein fiktives Tier), im Süden der zinnoberrote Kanarienvogel, im Westen der weiße Tiger und im Osten der grüne Drache.

Die Dachziegel

Die ersten Dachziegel aus Lehm gab es bereits vor 3.000 Jahren. Später wurden unterschiedliche Materialien wie Ylang-Ylang-Gras, Stein und Ton kombiniert. Schließlich gelang es den Chinesen mit Erfindung der Glasurtechnik verschiedenfarbige Dachziegel zu brennen. Die Dachziegel wurden dabei mit Nägeln zusammengeheftet. Oft enthielten sie Inschriften sowie Motive von Tieren und Pflanzen, die vor Naturkatastrophen schützen sollten. Besonders Feuer war gefürchtet, da die meisten Häuser aus Holz gebaut wurden und somit sehr brandanfällig waren. Bestimmte Gestaltungsmerkmale waren für kaiserliche Bauten reserviert. Hierzu gehören etwa die berühmten gelben Dachziegel, die man an den Gebäuden der Verbotenen Stadt noch heute sehen kann. Der Himmelstempel indes verwendet in Anspielung auf seinen Namen blaue Ziegel.

Holz – wichtigster Baustoff

Holz war der wichtigste Baustoff in der chinesischen Architektur, da Holz durch die vielen Wälder leicht zu beschaffen und auch wieder zu entsorgen war. Holz war vor allem als natürlicher Baustoff beliebt, da es in Innenräumen einen wohlriechenden, angenehmen Duft verströmte. Auch die Maserung und der Farbglanz in sanften erdenden Tönen trug zu einer natürlichen Wohnatmosphäre bei. Für die Architekten stellte Holz einen lebendigen Baustoff dar, der atmet und Feuchtigkeit aufnehmen und abstoßen kann.

Skelettbauweise

Chinesische Architekten nutzten schon früh die Vorzüge der Skelettbauweise. Anders als beim Massivbau wird hier ein tragendes Rahmengerüst aus Holzbalken und -säulen errichtet, das die auftretenden Kräfte ableitet. Diese Bauweise erlaubt es weite, offene Räume zu bauen. Mit der Weitläufigkeit in der Konstruktion wurde so ein fließender Übergang zur Außenwelt geschaffen, der dem Prinzip der Einheit des Menschen mit der Natur nachkommt.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Printausgabe Nr. 15

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