"Ehrlichkeit war eine der hohen Tugenden, die Chinas Weise lehrten und an denen die Herrscher in der Vergangenheit in China gemessen wurden." Chinesische Malerei von Charlotte Kühnert. (Repro - Nils Kühnert)

Von Großmut und Ehrlichkeit

Von 23. April 2006 Aktualisiert: 23. April 2006 16:23

Etwa hundert Jahre vor Konfuzius lebte in dem selben Kleinstaat wie Konfuzius ein anderer tugendhafter Mensch, er hieß Liuxia Hui (693  – 609 v. Chr.). Liuxia Hui war, wie man es heute in Deutschland wohl nennen würde, Gemeinderat, und zwar in dem Kleinstaat Lu. Konfuzius sprach sehr lobend über ihn: „Seine Worte entsprechen der Ethik, sein Handeln ist wohl bedacht.“ Damals hatte der Gemeinderat auch die Rolle des Richters inne und diese Haltung war für das Richteramt sehr wichtig.

Für Liuxia Hui war die Ehrlichkeit oberstes Gebot  und er schreckte auch nicht davor zurück, Menschen zu betrafen, die mächtige Positionen inne hatten oder großen Einfluss unter dem Volk ausübten. Zugleich hatte er aber auch ein großzügiges Herz gegenüber anderen. Obwohl er nur ein kleiner Beamte war, hatte er weit und breit einen guten Ruf.

Einmal griff der Staat Qi den Staat Lu an, um in den Besitz eines wertvollen rituellen Bronze-Gefäßes zu  gelangen. Zu der Zeit hatten diese Gefäße eine große Bedeutung, ihr Besitz war gleichbedeutend mit dem Wohlergehen des Staates. Der König des Staates Lu übergab daher in seiner Not den Angreifern nicht das echte, sondern ein falsches Gefäß.  

Der König von Qi erkannte den Betrug. Er schickte das falsche Gefäß zurück und ließ dem Herrscher des Landes Lu ausrichten: „Nur wenn Liuxia Hui selbst zu mir kommt und mir erklärt, dass dieses Gefäß echt ist, werde ich das glauben.“

Nachdem er das gesagt hatte, ging der König von Lu zu Liuxia Hui und bat ihn, seine Worte dem König von Qi  auszurichten. Liuxia Hui antwortete: „Ihre Majestät wollte dem König von Qi das falsche Gefäß übergeben, um eine Katastrophe für sein eigenes Land zu vermeiden. Aber es fällt mir auch sehr schwer, mich von dem Prinzip der Ehrlichkeit abzuwenden, um eine Katastrophe für dein Land zu verhindern.“

Zum Schluss übergab der König von Lu dem König von Qi doch das echte Gefäß.

In einem alten chinesischen Sprichwort heißt es: „Wenn ein Mensch nicht ehrlich und vertrauenswürdig ist, kann er in dieser Welt nicht Fuß fassen.“ Für Liuxia Hui war die Ehrlichkeit wertvoller als alles andere. Denn sie ist die Grundlage für das Dasein eines Menschen in dieser Welt und gehört zu den grundlegendsten moralischen Anforderungen in der menschlichen Gesellschaft.  

Mengzi (385 – 204 v. Chr.), der zweite wichtige Philosoph nach Konfuzius im Konfuzianismus, beschrieb Liuxia Hui so: „Wenn die Engstirnigen von Liuxia Hui hörten, wurden sie großherzig, wenn die Umbarmherzigen von ihm hörten, wurden sie gutmütig.“

"Ehrlichkeit war eine der hohen Tugenden, die Chinas Weise lehrten und an denen die Herrscher in der Vergangenheit in China gemessen wurden." Chinesische Malerei von Charlotte Kühnert. (Repro - Nils Kühnert)"Ehrlichkeit war eine der hohen Tugenden, die Chinas Weise lehrten und an denen die Herrscher in der Vergangenheit in China gemessen wurden." Chinesische Malerei von Charlotte Kühnert. (Repro – Nils Kühnert)

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