Zhang Liang: Ein Held der Frühen Han-Dynastie in China

Von 11. September 2013 Aktualisiert: 11. September 2013 13:31
Eigentlich war Zhang Liang nicht gerade der Archetyp eines tapferen Helden beim Militär – er soll von der Statur her eher schmächtig gewesen sein und hatte noch dazu ein ungewöhnlich …

Eigentlich war Zhang Liang nicht gerade der Archetyp eines tapferen Helden beim Militär – er soll von der Statur her eher schmächtig gewesen sein und hatte noch dazu ein ungewöhnlich hübsches Gesicht.

Er war strategisches Oberhaupt beim Militär, sowie Minister und Berater von Liu Bang. Dieser Liu wurde später als Kaiser Gaozu bekannt, der Gründer der Han-Dynastie, die sich in China von 206 v. Chr. – 220 n. Chr. etablierte.

Zhang Liang war vor allem für seine einzigartigen strategischen Fähigkeit bekannt. Er war berühmt dafür, „Schlachten, die 1.000 Meilen entfernt lagen, zu gewinnen, ohne dabei einen Schritt aus dem Zelt zu tun“, wie man über ihn munkelte. Außerdem soll der Militärmann eine sehr respektvolle Haltung gegenüber älteren Personen und einen sehr bescheidenen Lebensstil geführt haben.

Zhang Liang (張良) (262-189 v.Ch.) zählt neben Han Xin und Xiao He zu den „Drei Helden der Frühen Han Dynastie“ (漢朝三傑).

Eine „zufällige“ Begegnung im Exil

Zhang Liang war als Sohn einer aristokratischen Familie in der Periode der Streitenden Reiche (475 v. Chr. und 221 v. Chr.) im Staate Han (韓國) geboren. Seit bereits fünf Generationen dienten seine Vorfahren dem jeweiligen Herrscher.

Als der Staat im Jahr 230 v. Ch. durch die Eroberungszüge von Qin Shi Huang, dem Gründer der Qin Dynastie, auseinanderfiel, spendete Zhang das gesamte Familienvermögen, um einen Mordanschlag an dem Eroberer zu verüben. Das Attentat missglückte und so war Zhang zur Flucht in einen anderen Staat gezwungen. Die Zeit der Qin-Dynastie währte jedoch nur 15 Jahre.

Während dieser Zeit als Flüchtling reiste Zhang viel umher. Eines windigen und verschneiten Tages, als der junge Mann in der Nähe der Yishui Brücke spazierte, sah er einen älteren Herrn auf der Brücke sitzen.

Als der alte Mann Zhang sah, ließ er absichtlich einen seiner Schuhe fallen und bat anschließend den jungen Wanderer, diesen für ihn zurückzubringen.

Trotz des gefährlichen Glatteises ging Zhang und holte den Schuh zurück. Doch nicht nur das, er kniete sich auch noch vor dem Alten nieder und half diesem in den verlorenen Schuh.

Zhang Liangs Respekt für ältere Leute wahrnehmend, lächelte der Alte und empfand den Jungen seiner Lehre wert. Also befahl er Zhang, am nächsten Morgen zu ihm zu kommen, um seinen ersten Unterricht zu erhalten.

Der weise Lehrer – der Urgeist vom Gelben Felsen

Am nächsten Tag ging Zhang Liang noch vor Sonnenaufgang zur Brücke, doch der Alte war bereits da und wartete auf ihn. Er schimpfte, dass ein so junger Mann einen weitaus älteren Menschen warten ließe und befahl Zhang Liang, erst am nächsten Tage wiederzukommen.

Obwohl Zhang Liang am darauffolgenden Tag noch früher aufbrach als zuvor, geschah genau dasselbe: Der Alte wartete bereits auf ihn und so schickte er Zhang Liang wieder fort. Am dritten Tag jedoch ging Zhang bereits um Mitternacht zur Brücke und wartete dort, bis der Alte kam.

Endlich zufrieden, gab dieser dem jungen Mann ein Buch und sagte: „Wenn du dieses Buch voll und ganz verstanden hast, wirst du bereit sein, einem Kaiser als Lehrer zu dienen. Solltest du mehr Hilfe von mir benötigen, so findest du mich am Fuße des Gucheng Berges. Ich bin der Gelbe Felsen.“

Nach einer klassischen chinesischen Sage war der Alte Huang Shigong (黃石公), der Urgeist vom Gelben Felsen, außerdem bekannt als einer der vier Weisen, der „Vier Haos vom Berg Shang (商山四皓)“.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Das besagte Buch ist als „Die Strategien des Huang Shigong“ oder „Tai Gongs Kunst des Krieges“ bekannt. Man sagt, Zhang Liang wurde aufgrund des eingehenden Studiums des Buches bekannt für seine strategischen Feldzüge und seinen meisterhaften Umgang mit sich rasch ändernden Begebenheiten und Situationen.

Außerdem soll Zhang zum Fuße des Berges Gucheng gegangen sein und tatsächlich einen gelben Felsen vorgefunden haben. Laut Überlieferung baute er dort einen Schrein zur Ehrerbietung für den Felsen. Als Zhang Liang starb, wurde der Gelbe Felsen mit ihm begraben.

Die Hilfe zur Gründung einer Dynastie

Dank Zhang Liangs Beratung in Sachen Politik und Militärstrategie konnte Liu Bang viele wichtige Schlachten gegen den Herrscher der Qin-Dynastie gewinnen. Er wurde so im Jahr 202 v. Chr. zum ersten Kaiser der Han Dynastie, genannt Kaiser Han Gaozu.

Vor allem ein Ratschlag Zhang Liangs stellte sich als eine nennenswerte Gunst für Liu Bang heraus.

Als Liu Bang nämlich die Hauptstadt der Qin Dynastie eroberte war er so sehr von den kaiserlichen Schätzen und den dortigen Damen angetan, dass er am liebsten an Ort und Stelle geblieben wäre, um seine Herrschaft zu etablieren.

Zhang Liang warnte Liu Bang jedoch vor dem Risiko, so bloß als eine vulgäre Person, die nur ihren eigenen lasterhaften Lebensstil im Auge hätte, wahrgenommen zu werden. Damit würde er andere noch motivieren, ähnliche Schandtaten zu begehen.

Widerwillig, doch verstehend, folgte Liu Bang dem wohlgemeinten Ratschlag Zhang Liangs und verließ den Palast. Liu Bang bekam die vollste Unterstützung vom Volk von Qin und konnte so erst zum Kaiser eines neuen, vereinten China werden.

Als die neue Dynastie mehr oder weniger stabil zu sein schien, trat Zhang von seinem Amt zurück und widmete sich seiner Kultivierung im Rahmen des Daoismus. Zu dieser Zeit begann der Kaiser diejenigen zu honorieren, die ihm bei der Gründung der neuen Dynastie geholfen hatten. Und so wurde Zhang Liang zum Marquis von Liu.

Bloß ein einziges Mal kam Zhang Liang von seiner Pensionierung zurück, um dem Kaiser in beratender Weise zur Seite zu stehen. Dies geschah, als Liu Bang plante, den rechtmäßigen Kronprinzen durch seinen jüngeren Bruder zu ersetzen.

Nachdem Zhang Liang für den Kronprinzen eingetreten war und so die prekäre Situation geklärt hatte, verließ er endgültig das Metier der Staatsangelegenheiten. Er widmete den Rest seines Lebens der Praxis des Daoismus.

Ein echtes Vorbild

Als in seinen jungen Jahren der Staat Han durch den Aufstieg von Qin Shi Huang und der damit einhergehenden Etablierung der Qin-Dynastie zerstört wurde verblasste Zhang Liangs Ruhm und sein Reichtum schwand dahin.

Zhang erlitt dabei nicht nur den Sturz vom Reichtum in die Armut, er erlebte auch den Fall vom Herzog zum Flüchtling, vom einflussreichen Beamten zum einfachen Bürger.

Aber auch nach einem verfehlten Attentatsversuch auf Qin Shi Huang ließ sich Zhang Liang nicht entmutigen. Nach Einschätzung der politischen Lage folgte er Liu Bang und assistierte diesem in seinen Feldzügen gegen Qin. Dadurch konnte er seinen geliebten Staat Han rächen. Liu Bang regierte als Han Gaozu, erster Kaiser der frühen Han-Dynastie, von 202 – 195 v. Chr.

Als dieses Ziel einmal erreicht war, interessierten Zhang Liang weder Macht, noch Geld oder Ruhm. Stattdessen begab er sich auf den Pfad der Spiritualität und den Weg der Erleuchtung.

Nach seinem Tod wurde Zhang Liang in China zum Vorbild eines jeden ehrenvollen kaiserlichen Beraters.

 

Themen
Newsticker