4. Juni 1989 auf Chinas „Platz des Himmlischen Friedens“

Von 4. Juni 2011 Aktualisiert: 4. Juni 2011 10:22
22 Jahre nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz in Peking gibt es noch kein öffentliches Bekenntnis zu den Geschehnissen um den 4. Juni 1989 in China.

22 Jahren nachdem im Herzen Pekings auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“, Soldaten auf friedliche Demonstranten geschossen haben oder sie mit Panzern überfahren haben, ist die Erinnerung an „Tiananmen“ noch immer ein Tabuthema in China.

Das Tiananmen-Massaker vom 4. Juni 1989 in Peking war das blutige Ende einer friedlichen Bewegung für größere Freiheiten. Was zunächst als Trauerkundgebung für Hu Yaobang, den als Reformer bekannten und dann 1987 abgesetzten Generalsekretärs KP Chinas begann, führte rund sechs Wochen lang zu Kundgebungen für mehr Demokratie und Reformen auf Chinas geschichtsträchtigem Platz.

4. Juni Tiananmen: Eine friedliche Bewegung wird niedergeschlagen

Am 22. April 1989 marschierten 50.000 bis 100.000 Studenten auf dem Tiananmen-Platz auf, um an Hu Yaobangs Beerdigung teilzunehmen und um gleichzeitig eine Petition an Premierminister Li Peng einzureichen. Die Forderungen der Studenten waren eher bescheiden: mehr Redefreiheit, größere wirtschaftliche Freiheiten, und die Zügelung der Korruption. Die Begeisterung der jungen Menschen steckte alle an, Arbeiter schlossen sich den Demonstranten an, Anwohner versorgten sie mit Lebensmitteln. Die Demonstrationen zogen bis zum Ende mehr als eine Million Menschen aus allen Gesellschaftsschichten an. Nach sechs Wochen ließ die KPCh-Führung 200.000 Soldaten rund um Peking stationieren, in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni gab sie den Befehl, Panzer auf den Tiananmen-Platz zu schicken. Die Soldaten begannen, auf die friedlichen Demonstranten zu schießen.

Kein öffentliches Bekenntnis

Die offizielle Zahl der Todesopfer auf dem Tiananmen wurde von der KPCh mit 200 – 300 gesetzt, davon sollen 23 Studenten gewesen sein. Inoffiziellen Berichten zufolge liegt die Schätzung jedoch bei 800 bis 3000 Toten.

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Die „Mütter vom Tiananmen“, eine Gruppe von 127 Müttern und anderen Verwandten der Opfer des Massakers, fordern seit Jahren eine öffentliche Untersuchung des Geschehens sowie eine Entschuldigung der Regierung. In einem kürzlich erschienenen Brief berichtet die Gruppe, dass ein Mitarbeiter des staatlichen Sicherheitsorgans eins ihrer Mitglieder mehrmals in diesem Jahr aufgesucht hätte. Eine finanzielle Abfindung sei angeboten worden als „Entschädigung für den 4. Juni auf dem Tiananmen“. Die Familie habe dies jedoch abgelehnt.

Die chinesische Regierung hat sich bis jetzt geweigert, für diese Morde auf dem Tiananmen Rechenschaft abzulegen oder die Befehlshaber oder Täter vor Gericht zu bringen. Das kommunistische Regime begründete zunächst das blutige Durchgreifen als eine berechtigte Antwort auf einem „konterrevolutionären Vorfall“, der später jedoch als „politische Unruhen“ herabgestuft wurde.

Ein chinesischer Regierungssprecher bekräftigte, dass die Geschehnisse um den 4. Juni 1989 bereits abgeschlossen wären. „Was die politischen Turbulenzen betrifft, die im letzten Jahrhundert in den späten 1980er Jahren passiert sind, hat die Kommunistische Partei und Regierung bereits einen Abschluss gemacht“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, gegenüber Reportern am Donnerstag.

Stattdessen sollte die Regierung nach ihrem Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnten beurteilt werden, sagte Hong Lei. Damit sei das Leben von Chinas 1,3 Milliarden Menschen verbessert worden. „Das kann nie von Menschen oder Worten ins Wanken gebracht werden“, sagte Hong Lei. Er fügte noch hinzu, dass das „chinesische Volk (heute) die besten Menschenrechtsbedingungen genießt, die es jemals in China gegeben hat.“

Gedenken in China zum Tiananmen

Einige wenige Berichte von geplanten Veranstaltungen zum Gedenken an den 4. Juni und seine Opfer waren aus China zu hören. Laut „Radio Free Asia“ wollte eine Gruppe von rund 200 Antragstellern in Shanghai eine Gedenkveranstaltung in einem der Stadtparks halten, wurde aber unverzüglich von der Polizei aufgelöst. Teilnehmer sagten, dass die Polizei auf die Gruppe schon gewartet hätte und alle Tore des Parks abgesperrt hatte. „Die Polizei wusste schon davon im Voraus“, sagte eine Teilnehmerin.

Eine weitere Gruppe von Antragstellern aus Shanghai reiste Ende Mai nach Peking, in der Hoffnung sich einer größeren Gruppe anzuschließen, die bereits in der Hauptstadt sei. Zusammen wollen sie eine „4. Juni Gedenkfeier“ organisieren, berichtet Radio Free Asia.

Mehrere hundert Aktivisten sind in Tianjin und Shijiazhuang festgenommen, als sie versuchten, nach Peking zu reisen, berichtet Radio Free Asia. Sicherheitskräfte haben Wachposten an wichtigen Strecken, die in die Hauptstadt führen, aufgestellt.

Während des Massakers wurden Hunderte von Menschen festgenommen. Mindestens fünf davon sitzen, 22 Jahre später, noch immer in Haft. Jiang Yaqun, Miao Deshun, Yang Pu, Chang Jingqiang, und Li Yujun werden in Gefängnissen in Peking festgehalten.

Internationale Reaktionen

Angesichts des 22. Jahrestags des Tiananmen-Massakers forderte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Mark Toner, „die Freilassung aller, die in den letzten Monaten verhaftet, gewaltsam verschwunden oder unter Hausarrest gestellt worden sind.“ Diese Handlungen Chinas seien unvereinbar mit universellen anerkannten Rechte, fuhr er fort.

Er forderte China auch auf, diejenigen zu befreien, die noch Haftstrafen für die friedliche Teilnahme an den Protesten vom 4. Juni 1989 auf dem Tiananmen absitzen.

„Wir fordern die chinesische Regierung auf, die vollständigste öffentliche Rechenschaft über die Getöteten, Inhaftierten oder Verschwundenen abzugeben und mit der fortlaufenden Belästigung von Personen, die an den Demonstrationen teilnahmen, sowie der Familien der Opfer aufzuhören“, sagte Toner in einer Erklärung.

Er appellierte an China „die universellen Menschenrechte aller Staatsbürger zu schützen, einschließlich derjenigen, die ihre politischen Ansichten friedlich zum Ausdruck bringen.“

In Hongkong werden am Samstag 150.000 Menschen erwartet, um mit einer Kerzenmahnwache des 22. Jahrestages des Tiananmen-Massakers zu gedenken.

 

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