Bo Xilai-Prozess: Was die Chinesen nicht lesen sollen

Von 22. August 2013 Aktualisiert: 22. August 2013 12:57
Als am Donnerstagmorgen der Prozess gegen den geschassten KP-Politiker Bo Xilai in Peking beginnt, sieht alles recht geordnet aus. Die Behörden veröffentlichen sogar ein Foto von Bo vor Gericht auf …

Als am Donnerstagmorgen der Prozess gegen den geschassten KP-Politiker Bo Xilai in Peking beginnt, sieht alles recht geordnet aus. Die Behörden veröffentlichen sogar ein Foto von Bo vor Gericht auf dem Microblog „Sina Weibo“, der extra für den Prozess eingerichtet wurde. Die Follower-Zahlen vervierfachen sich von Prozessbeginn am Morgen bis zur Mittagspause auf über 240.000. Tendenz weiter rapide steigend.

Während sich die „offiziellen“ Nachrichtenkanäle großer Beliebtheit erfreuen, läuft im Hintergrund ein brutaler Kampf um die Pressefreiheit ab. Das größte unzensierte Medium in chinesischer Sprache – die chinesische Ausgabe dieser Zeitung mit Namen Da Ji Yuan – sowie weitere nicht vom kommunistischen Regime kontrollierte Medien stehen seit Tagen unter Beschuss von Hackern.

Was die Chinesen nicht über Bo Xilai lesen sollen: Putsch und Organraub

Warum sich das kommunistische Regime in China eine solche Mühe macht, einen Anti-Korruptions-Prozess zu zensieren – also einen Prozess, der eigentlich der offiziellen neuen Linie der Kommunistischen Partei unter Staatschef Xi Jinping entspricht? Hinter den Kulissen läuft ein ganz anderer Film ab, als den Chinesen nun mit dem von Kommentatoren oft als Schauprozess bezeichneten Bo Xilai-Gerichtsverfahren gezeigt wird.

Bo ist als ehemaliger Bürgermeister der Hafenstadt Dalian durch sein besonders hartes Durchgreifen bei der Verfolgung der Meditationsbewegung Falun Gong die Karriereleiter hochgestiegen. Dabei hat er es bis zum Parteivorsitzenden von Liaoning gebracht – jener Provinz, in der die grausamsten Konzentrationslager Chinas unter seiner Führung neu gebaut wurden. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und amnesty international gehen von einer Zahl von zwei bis vier Millionen Insassen in diesen Arbeitslagern aus. Zwei Drittel der dortigen Folteropfer sind dem ehemaligen UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, zufolge Falun Gong-Praktizierende.

Hunderte Millionen Euro mit Organschacher verdient?

In Masanjia und anderen Arbeitslagern von Liaoning dürfte laut mehreren internationalen Experten wie dem US-Enthüllungsjournalisten Ethan Gutmann und dem kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas das Zentrum für ein blutiges Geschäft gewesen sein: der Organschacher, bei dem lebenden Menschen – wegen ihrer gesunden Lebensführung waren vor allem Falun Gong-Praktizierende beliebte Opfer – ihre Organe geraubt und verkauft wurden.

Ein einträgliches Geschäft, bei dem Bo Xilai und seine rechte Hand, der Mediziner und als „Super-Bulle“ bekannt gewordene Wang Lijun, Hunderte Millionen Yuan verdient haben sollen. Wang selbst brüstete sich 2007 im chinesischen Internet, Tausende Organtransplantationen durchgeführt zu haben. Eine Niere kostet nicht unter 15.000 Euro, ein Herz nicht unter 60.000 Euro – und das waren zum damaligen Zeitpunkt die chinesischen „Freundschaftspreise“. Für Ausländer wurde für gewöhnlich das Doppelte verlangt. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Bo Xilai und sein Handlanger Wang Lijun allein durch diese unfassbare Praxis Dutzende Millionen Euro verdient haben.

Durch seinen Aufstieg zum Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros hatte er zudem die politische Macht und mit dem Chef der Stasi, Zhou Yongkang, sowie seinem „Mentor“, dem ehemaligen Staats- und Parteichef Jiang Zemin, zwei mächtige Befürworter in den Reihen der Hardliner innerhalb der Kommunistischen Partei. Bo baute sich in Chongqing, wo er zuletzt Bürgermeister war, eine eigene Armee auf. Mit dieser wäre ihm ein Putsch möglich gewesen, heißt es von politischen Kommentatoren aus China.

Virtuelles Sperrfeuer gegen unzensierte Medien seit Montagnacht

Der IT-Leiter dieser Zeitung, der in New York ansässigen Da Ji Yuan, berichtet von intensiven Attacken seit Anfang dieser Woche. Um 22 Uhr New Yorker Zeit begann Montagnacht das Cyber-Sperrfeuer. Die Webseiten von DaJiYuan, des unzensierten TV-Sender NTDTV und der Anti-Zensur-Webseite Dongtaiwang sehen sich den stärksten Angriffen seit ihrem Bestehen gegenüber.

Die Cyber-Attacken seien bisher erfolgreich abgewehrt worden, so Duan. „Obwohl die Angriffe weiter laufen, haben sie keine Wirkung mehr“, so der IT-Leiter der Da Ji Yuan. Er vermutet stark, dass hinter den Hacker-Angriffen die Internetpolizei des chinesischen Regimes steht. „Wir sind noch bei der genaueren Analyse, doch es deutet alles darauf hin“, so Duan.

 

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