China: 8-jährige Haftzeit von Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng endet am 7. August

Von 5. August 2014 Aktualisiert: 5. August 2014 8:07

Die Familie des chinesischen Menschenrechtsanwalts Gao Zhisheng wartet zusammen mit seinen viele Bewunderern und Unterstützern auf der ganzen Welt gespannt auf den 7. August. Gaos Haftzeit geht an diesem Tag zuende.

In einem Interview mit der Epoch Times hat Gaos Frau Geng He die Freilassung ihres Mannes am 7. August gefordert. „An diesem Tag muss er freigelassen und mit seiner Familie vereint werden. Dann wird er entscheiden, wohin er als nächstes gehen wird“, sagte Geng He.

Gao, der sich als Autodidakt bis zum Anwalt ausgebildet hatte, wurde in China erstmals bekannt, als er die Verteidigung behinderter Kinder übernahm, ohne eine Gebühr zu nehmen – ein pro bono-Rechtsbeistand ist nicht üblich in China.

Er selbst war in großer Armut aufgewachsen, und so hatte Gao eine Affinität zu denen, die in der Gesellschaft zu kurz kommen. Er verteidigte, erfolglos, diejenigen, deren Häuser oder Farmen von Beamten in Verbindung mit den Immobilien-Entwicklern weggenommen worden waren. Er verteidigte auch Christen, die Verfolgung erlitten.

„Chinas Gewissen“

Im Jahr 2001 wurde Gao vom Justizministerium als einer von Chinas 10 besten Anwälten benannt. Im Volksmund wurde Gao später der Name „Chinas Gewissen“ gegeben.

Im Dezember 2004 ging Gaos Engagement einen Schritt über das hinaus, was die Kommunistische Partei Chinas ertragen konnte. Er schrieb einen Brief an den Nationalen Volkskongress und forderte die Befreiung für den Falun Gong-Praktizierenden namens Huang Wei, der zu Arbeitslagerhaft wegen seiner Überzeugungen verurteilt worden war.

Im Oktober und Dezember 2005 veröffentlichte Gao andere offene Briefe an die Führung der Partei und forderte ein Ende der Verfolgung der spirituellen Praxis Falun Gong.

Gaos offene Herausforderung wurde sofort beantwortet. Im Herbst 2005 setzten Sicherheitsbeamte Gao und seine Familie unter 24-Stunden-Überwachung. Im November 2005 wurde seine Kanzlei geschlossen. Es gab Entführungen, Drohungen, und  vermutlich auch ein Attentat auf sein Leben.

Am 15. August 2006 wurde Gao von der Polizei entführt und festgehalten, und im Dezember wurde er offiziell für schuldig befunden der „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“. Zu fünf Jahren Haft auf Bewährung und Hausarrest verurteilt, wurde Gao in der Folgezeit häufig entführt und festgehalten.

In der Haft wurde Gao gefoltert. Als er die Chance bekam, hat Gao das auch veröffentlicht. Ein offener Brief von ihm, der im Jahr 2009 öffentlich gemacht wurde, beschrieb 50 Tage Folter, die er im Jahr 2007 erlitten hatte. Er war tagelang mit Elektrostäben geschockt worden, auch auf seinen Genitalien, ihm wurde Zigarettenrauch in die Augen geblasen, bis sie zugeschwollen waren und kleine Spieße wurden in seine Genitalien eingestochen.

Als Strafe für seine offenen Aussagen wurde Gao erneut in einer Sitzung so gefoltert, dass er später sagte, es wäre schlimmer als das gewesen, was er im Jahr 2007 erlitten hatte. Sein Leben erschien ihm als „am seidenen Faden“ hängend.

Im August 2011 war Gaos Fünf-Jahres-Strafmaß zu beenden. Das Regime erklärte jedoch, Gao hätte seine Bewährungsauflagen verletzt und verurteilte ihn zu drei Jahren im Gefängnis Shaya in der weit entfernten westlichen Provinz Xinjiang.

Die Zerreißprobe für eine Familie

Während Gaos Leidensweg hat auch seine Familie gelitten. In ihrem Interview mit der Epoch Times, wies Gaos Frau Geng He auf den Druck hin, unter dem die Familie stand.

Sie versuchte mit einem Anruf  bei Gaos jüngerem Bruder, etwas über Gaos bevorstehende Entlassung zu erfragen, konnte ihn aber nicht erreichen. Beim Anruf von Gaos älterem Bruder wurde ihr gesagt, es wäre riesiger Druck auf die Familie des jüngeren Bruders ausgeübt worden, und so konnte er den Anruf von Geng He nicht beantworten.

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Geng He weiß genau, welchen Druck das Regime auszuüben vermag. Sie und ihre zwei Kinder entgingen diesem Druck durch die Flucht aus China, und indem es ihnen gelang einen Weg nach New York im März 2009 zu finden.

Auf einer Pressekonferenz nach ihrer Ankunft in New York beschrieb sie das Leid ihrer Familie: „Die eine Etage, die wir in dem Haus bewohnten, wurde von der Polizei rund um die Uhr bewacht. Es gab auch Polizisten in unserer Wohnung. Jede einzelne Bewegung von uns stand unter ihrer Überwachung, einschließlich der Benutzung der Toilette und des Badezimmers.

„Wenn wir ins Bett gingen, saßen die Polizisten neben uns, und es war uns nicht erlaubt, das Licht auszuschalten. Die Kinder waren nicht in der Lage zu schlafen, auch wenn sie schläfrig waren.“

„Sie verboten meiner Tochter in die Schule zu gehen, und sie versuchte deshalb Selbstmord zu begehen“, sagte Geng. „Als ich das herausfand, bin ich völlig zusammengebrochen. Ich entschied mich für das Wohl der Kinder mit ihnen wegzulaufen.“

In den Vereinigten Staaten überwand Gaos Tochter ihre Verzweiflung, wurde eine richtige  „A“ Studentin, und ging aufs College.

„Die Angst überwinden“

Wenjing Ma ist die Regisseurin eines Films über Gao mit dem Titel „Transcending Fear: Die Gao Zhisheng Story“. Ma erzählte in einem Interview mit der Epoch Times, wie sie einmal Geng He fragte, ob sie je den Kurs, den Gao nahm, bereut hätte? Denn immerhin, wenn Gao  sich nicht den Menschenrechten gewidmet hätte, würden sie und ihre Familie ein bequemes, Leben der Oberklasse in Peking genießen.

„Geng He sagte sofort: Ich bereue nichts, weil jeder auf diese Weise gehandelt haben würde!“  sagte Ma. „Das zeigt, wie gut ihr Herz ist. Sie spürte, dass, was Gao tat, etwas war, das getan werden musste.“

„Nur mit dieser Art von Familie konnte Gao ein so großer Mensch sein“, sagte Ma. „Seine Frau ist auch ein großer Mensch.“

„Als einzelner Mann gegenüber einer Verfolgungs- Maschinerie wurde er wieder und wieder zerbrochen, aber immer wenn er eine Chance hat, würde er wieder aufstehen und wieder das Richtige tun“, sagte Ma. „Das ist für mich sehr, sehr bewegend.“

„Er wurde von der KPCh angegriffen, denn er war der Erste, der so laut für Falun Gong sprach“, sagte Ma. „Zu dieser Zeit wagte fast niemand, das zu tun. Er wurde als Beispiel verwendet bei dem Versuch, jeden weiteren davon abzuschrecken.

„Viele Menschen wurden jedoch anstatt abgeschreckt zu sein, von Gaos Beispiel ermutigt und sprachen sich für Falun Gong aus. Dutzende von Anwälten begannen mit der Verteidigung von Praktizierenden. Das war zuvor unvorstellbar.“

Entlassung aus der Haft

Seit seiner Verhaftung hat Gao Zhisheng die Unterstützung von US-Kongressabgeordneten, Parlamentariern aus der EU, Kanada und anderen Nationen erhalten, von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen, von Falun Gong-Praktizierenden und von verschiedenen christlichen Gruppen.

Gao wurde drei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert, und er erhielt von der American Bar Association – Anwalts-Vereinigung – eine Auszeichnung für internationale Menschenrechte. Mindestens 150.000 Menschen haben eine Petition für seine Freilassung unterzeichnet.

Nun, da seine Entlassung bevorsteht, erhebt sich die Frage für seine Familie und Unterstützer, was als nächstes kommt.

In ihrem Interview mit der Epoch Times, betonte Geng He mehr als einmal ihre Hoffnung, dass Gao „wählen sollte, wohin er gehen sollte, und nicht die Behörden und die Polizei sollten bestimmen, wohin er gehen soll.“

Heng He, eine Expertin für Chinas Politik, die regelmäßig für die Epoch Times schreibt, verweist auf den Fall des Aids-Aktivisten Hu Jia. Hu wurde zwar umgehend aus der Haft entlassen als seine Haftzeit zu Ende war, aber dann sofort unter Hausarrest gestellt.

Heng He wäre nicht überrascht, wenn das gleiche Schicksal auch Gao erwartet.

„Es war falsch, Gao Zhisheng ins Gefängnis zu stecken“, sagte Heng. „Er wies einfach darauf hin, dass die Verfolgung von Falun Gong falsch war.“

„Im vergangenen Jahr wurde ein Parteichef nach dem anderen, der verantwortlich für die Verfolgung war, entmachtet, aber die Partei hat nichts an ihrer Politik geändert. Solange die Partei das nicht tut, wird Gaos Fall nicht wirklich abgeschlossen sein.“

Original-Artikel: Gao Zhisheng’s 8-Year Ordeal Expected to End