Der 52-jährige Hua Lianyou saß unschuldig in China im Gefängnis: Auf Grund von öffentlichem Druck wurde er freigelassen.Foto: Minghui.org

China: 9000 Unterschriften befreien politischen Häftling

Von und 4. Februar 2014 Aktualisiert: 4. Februar 2014 19:03

Nichts ist unmöglich – auch im heutigen China: In der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin mussten die Behörden einen politischen Häftling freilassen, weil sie durch öffentlichen Druck dazu gezwungen wurden.

Der 52-jährige Hua Lianyou ist Besitzer eines Modegeschäfts und war seit April 2012 inhaftiert, weil er die buddhistische Qigong-Methode Falun Gong praktiziert. Seit rund 600 Tagen hatte er sich im Hungerstreik befunden, um gegen die Haft und seine Misshandlung zu protestieren. Am 28. Januar wurde er – abgemagert und in kritischem Zustand – auf einer Bahre aus dem Gefängnis getragen. Seine Familie und Freunde hatten innerhalb von sechs Monaten knapp 9000 Unterschriften gesammelt, die zu seiner Freilassung führten.

Dass Huas Familie so viel Unterstützung mobilisieren konnte, zeigt laut Beobachtern, wie schwierig es für Chinas Regime geworden ist, die seit 14 Jahren andauernde Verfolgung der Falun Gong-Praktizierenden  aufrecht zu erhalten. Die unpolitische Bewegung wurde 1999 vom kommunistischen Regime zum Staatsfeind erklärt, nachdem ihre Anhänger-Zahl die der registrierten KP-Mitglieder überstieg. Die Praktizierenden protestieren seitdem mit gewaltlosen Mitteln für ihr Recht, öffentlich ihre fünf Übungen machen zu dürfen und nach ihrer Philosophie von „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ zu leben.

Schicksal eines Menschen mit Überzeugungen

Die Geschichte von „Herrn Hua“ wurde detailliert auf Minghui.org berichtet, einer Website, die von Falun Gong-Praktizierenden betrieben wird, um die Verfolgung zu dokumentieren.
Hua war Inhaber eines Modegeschäfts, als er die Qigong-Methode 1997 kennengelernte und dadurch die Spontan-Heilung eines Bandscheibenvorfalls erlebte. Nach dem Beginn der Verfolgung im Jahr 1999 wurde er festgenommen und für fünf Jahre inhaftiert.

Alle Versuche, ihn im kommunistischen Sinne „umzuerziehen“ scheiterten – selbst als ihm in der Haft psychoaktive Substanzen verabreicht wurden, die ihn vorübergehend verwirrten. Nach seiner Freilassung im Jahr 2006 brauchte er ein halbes Jahr, um sich zu erholen.

„Ich protestiere gegen die Verfolgung“

Im April 2012 wurde Hua erneut verhaftet, weil er öffentlich die Falun Gong-Übungen gemacht und Flugblätter verteilt hatte. Einen Monat später begann er aus Protest einen Hungerstreik, den er rund 600 Tage lang durchziehen sollte. Währenddessen wurde er durch einen Schlauch zwangsernährt und weigerte sich weiterhin, mit seinen Peinigern zu kooperieren und seiner Überzeugung „abzuschwören“.

Ein Schauprozess gegen den bettlägerigen Hua fand im  September 2013 im Gefängniskrankenhaus statt. In Abwesenheit seiner Familie und seines Verteidigers wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Huas Familie erfuhr von dem Urteil erst nach Wochen, als die gesetzliche Einspruchsfrist schon abgelaufen war.

Später erzählte Hua seiner Familie, dass er sowohl im Gefängnis als auch im Gefängnis-Krankenhaus verprügelt worden sei. Und dass die Wärter ab einem bestimmten Zeitpunkt den Schlauch, den sie ihm zur Zwangsernährung in den Magen rammten, extra angespitzt hätten. „Ich protestiere gegen die Verfolgung“, erklärte er seiner Frau mit schwacher Stimme, als diese den Abgemagerten zum ersten Mal nach seiner Verhaftung im Gefängnis-Krankenhaus wiedersah.

„Wir entlassen ihn erst, wenn er fast tot ist“

Die wiederholten Anträge seiner Frau, ihn aus gesundheitlichen Gründen freizulassen, wurde routinemäßig ignoriert: „Wir werden damit warten, bis er fast tot ist“, war die Antwort, die sie vom Gefängnispersonal bekam – und das, obwohl ein Arzt ihr gegenüber den Zustand Huas bereits als „sehr kritisch“ bezeichnete.

Im August 2013 gelang es der Familie, in Freundeskreis und Nachbarschaft 3.622 Unterschriften zu sammeln, die Huas Freilassung forderten. Im November kamen noch 5.233 Unterstützer aus der Stadt Tianjin und der benachbarten Provinz Shandong dazu, wodurch die Liste der Namen und Fingerabdrücke auf 8.855 Personen anwuchs.

Der große öffentliche Druck, der durch die Unterschriftensammlung, Berichterstattung und internationale Aufmerksamkeit auf Huas Fall entstanden war, hat laut Beobachtern zur Freilassung geführt.

Das übliche Schema

Das Binhai Gefängnis ist für seine Folter berüchtigt: Minghui sind noch mehr Fälle bekannt, in denen Falun Gong-Praktizierende dort zu Tode gefoltert wurden oder als Schwerbeschädigte überlebten. Geschichten von mehrfachen Festnahmen und jahrelangen Gefängnisaufenthalten, wie im Fall von Herrn Hua, sind kein Einzelfall. Auch Außenstehende gehen hohe Risiken ein, wenn sie es wagen, die Verfolgten zu unterstützen.



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