Bo Xilai ist der zweite Dominostein, der gefallen ist. Sein "Super-Bulle" Wang Lijun brachte mit seiner Flucht ins US-Konsulat Anfang 2012 den Stein ins Rollen. Die Nummer 3, der mächtige Stasi-Chef und Ölbaron Zhou Yongkang, wird als Nächster der Gegner des aktuellen KP-Chefs Xi Jinping vor Gericht stehen.

Chinas Bo Xilai: Nur noch wenige Stunden bis zum Urteil

Von 21. September 2013 Aktualisiert: 21. September 2013 18:16

Wenn dem gefallene KP-Politstar Bo Xilai am morgigen Sonntag um 10 Uhr Ortszeit in China sein Urteil verkündet wird, dürften die meisten Deutschen noch schlafen. Neben den Bundestagswahlen hier zu Lande dürfte das Urteil auch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient – denn hier nimmt ein Jahrhundertprozess sein Ende. In China fragt sich die Bevölkerung: Wird Bo zur Todesstrafe auf Bewährung verurteilt oder muss er wider Erwarten hängen?

Bos Stern begann zu sinken, als seine rechte Hand, der "Super-Bulle" Wang Lijung ins US-Konsulat von Chengdu flüchtete – ihm hinterher eine ganze Armee von Geheimdienstautos. Sogar Panzer umzingelten damals das US-Konsulat in der chinesischen Stadt. Wang dürfte damals "gesungen" haben, wie sein Chef sich eine eigene Privatarmee aufgebaut hat, vermuten Experten. In jedem Fall ging es kurz nach der spektakulären Flucht Bo an den Kragen – er wurde angeklagt und verlor seine KP-Mitgliedschaft. Die offizielle Anklage lautete auf Amtsmissbrauch und Korruption – hinter den Kulissen ist klar, dass sich der neue KP- und Staatschef Xi Jinping seiner Widersacher entledigt. Bo gehörte zur "Jiang-Fraktion" rund um den ehemaligen KP-Chef Jiang Zemin, die als Kontrahenten Xis gelten.

Staatlich kontrollierte Medien forderten Todesstrafe

Die staatlich kontrollierte Propagandaagentur Xinhua berichtete iim Vorfeld des Urteils, dass Bo „hart bestraft“ werden soll. Der Propagandasender CCTV forderte in einem Bericht über den Prozess ebenfalls eine „harte Strafe“ – und damit die Todesstrafe für Bo.

In der Xinhua-Berichterstattung wurden zwei ähnliche Fälle von Politbüro-Mitgliedern zitiert, die vor Gericht mussten. Chen Liangyu, der sich kooperativ gezeigt hatte und seine Schuld einbekannte, kam 2008 mit 18 Monaten Haft davon. Cheng Kejie, der wie Bo während der Verhandlung auch alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, bekam im Jahr 2000 die Todesstrafe. Chinesische Medienbeobachter sehen darin ein eindeutiges Zeichen, dass die chinesische Öffentlichkeit auf eine Todesstrafe für Bo vorbereitet wird

Was im Gerichtsverfahren verschwiegen wurde

Wie die EPOCH TIMES berichtete, dürften hinter den Kulissen ein möglicher Putschversuch Bos, der als „Thronfolger“ des ehemaligen Staats- und KP-Chefs Hu Jintao galt, sowie der schwunghafte Organschacher Bos mit Organen lebender Falun Gong-Praktizierender die wahren Fallstricke für den Hoffnungsträger der Hardliner-Fraktion innerhalb der KPCh gewesen sein. Der ehemalige Staatschef Jiang Zemin und der Sicherheitschef Zhou Yongkang, dem auch die Arbeitslager Chinas unterstehen, wollten ihn in den Ständigen Ausschuss des Politbüros holen. Bo war sogar als Nachfolger von Hu Jintao im Gespräch. Nachdem seine ehemalige rechte Hand, Wang Lijun, vor Bo ins US-Konsulat von Chengdu geflohen war, begann der Stern des ehemaligen Politstars jedoch rasch zu sinken.

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