China: Der Konflikt mit Japan wegen der Senkaku-Inseln spitzt sich zu

Von 16. September 2012 Aktualisiert: 16. September 2012 15:41

 

Der Konflikt zwischen China und Japan um die Inselgruppe Senkaku (oder auf Chinesisch Diaoyu) hat sich weiter verschärft. Nach Berichten der taiwanesischen Zeitung „Lianhewanbao“ haben sich am 15. September schätzungsweise 3.000 Demonstranten vor der japanischen Botschaft in Peking versammelt. Die Situation sei nahezu „außer Kontrolle“ geraten. Ein Teil der Demonstranten habe Flaschen und Steine geworfen. In China habe es an diesem Tag in etwa 30 Städten Anti-Japan Demonstrationen gegeben.

Diese Anti-Japan-Welle in China erhebt sich in einer empfindlichen Zeit. Am 18. September ist der Gedenktag für den Einmarsch der japanischen Truppen in Nordchina im Jahr 1931. Der Nationalismus und der Rassismus gegen Japaner wegen der Besatzung im zweiten Weltkrieg heizen die Stimmung weiter an. Dazu kommt möglicherweise die gezielte Provokation durch chinesische Regierungskräfte zur Ablenkung von aktuellen Problemen. Dies alles macht die Lage sehr ernst. Zwischenzeitlich wird sogar von Krieg geredet.

Der Territorialkonflikt um die unbewohnten Felseninseln

Die Proteste richten sich gegen den Kauf, mit dem Japan die drei größeren der fünf Senkaku-Inseln von japanischen Privatbesitzern für etwa 20 Millionen Euro erwarb. China begründet seine Ansprüche auf diese Inseln aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644). Seit China den Krieg gegen Japan im Jahr 1895 verloren hat, befinden sich die Inseln im Besitz der Japaner. Neben China und Japan erhebt Taiwan ebenfalls Anspruch auf diese Inseln. In den Gewässern vor diesen Inseln befinden sich reiche Fischbestände und vermutlich gibt es in dieser Region Öl-und Gasvorkommen.

Am Dienstag verkündete Japan die Verstaatlichung der gekauften Inseln. Am Freitag schickte China sechs Patrouillenschiffe zu der Inselgruppe. Daraufhin bestellte die japanische Regierung den chinesischen Botschafter ein und protestierte gegen das Eindringen. Laut „Focus“ habe der japanische Regierungschef Yoshihiko Noda geäußert, dass Tokio „alle möglichen Maßnahmen“ ergreifen werde, um die Sicherheit der Senkaku zu gewährleisten. Inzwischen sollen alle chinesischen Patrouillenschiffe Japans Hoheitsgewässer wieder verlassen haben.

Gereizte Stimmung in China

Nach Berichten von „Lianhewanbao“ haben die Proteste vor der japanischen Botschaft in Peking bis Samstag bereits fünf Tage gedauert. Am Samstag seien so viele Menschen gekommen, dass die Situation beinahe außer Kontrolle geraten sei. Wütende Demonstranten sollen gefordert haben, dass die japanische Botschaft die nationale Flagge abhängt und „abholt“. Die Anzahl der Demonstranten vor der japanischen Botschaft in Peking variiert in Berichten chinesischer Medien von einigen hundert bis zu 6.000.

Im chinesischen Internat lassen sich die Aufregung der Chinesen und ihre Abneigung gegen Japaner herauslesen. Im Mikroblog Tengxun, einem der vier größten Mikroblogs in China, sind zahlreiche nationalistische und rassistische Beiträge zum Thema „Diaoyu-Inseln“ zu finden. „Meizi“ beispielsweise postete ein Beitrag, in dem er sagte, dass er als erster in die Schlacht ziehen werde, wenn ein Krieg zwischen China und Japan ausbreche. „Leizi“ erklärte, dass seiner Meinung nach ein Krieg nötig sei. Ein Benutzer äußerte sogar den Wunsch, alle Japaner zu töten.

Boykott japanischer Waren und Vandalismus

In dieser angespannten Lage ist der Boykott japanischer Waren zum Trend in China geworden. In Tengxun wurde ein Beitrag gepostet, der japanische Marken sammelt und dazu aufruft, diese nicht zu kaufen. Noch weiter ging ein Benutzer namens „Xuhe“, der aufforderte, bereits gekaufte japanische Produkte selbst zu zerstören. Laut Tagesschau.de äußerte der Vize-Handelsminister Jiang Zengwei Verständnis für diesen Boykott und meinte, dass Japan wegen des Kaufs der Inseln mit negativen Konsequenzen rechnen sollte.

Vandalismus scheint während dieser Anti-Japan-Welle keine Seltenheit zu sein. Berichte und Fotos über zerschlagene japanische Autos sind im Internet zu finden und die Vandalen scheinen überall zu sein. Auf der Webseite autono1.com ist auf einem Foto zu sehen, dass ein Toyota-Besitzer aus der Provinz Sichuan unter seine Kennzeichen eine Fahne gehängt hat, auf der steht: „Das Auto habe ich vor dem Konflikt mit Japan gekauft und ab jetzt werde ich keine japanischen Waren mehr kaufen“. Außerdem hat er das Toyota Symbol verklebt. Vielleicht möchte der Besitzer damit vermeiden, dass sein Auto Opfer der wütenden Demonstranten wird.

Nach Berichten der chinesischsprachigen Epoch Times, Dajiyuan, seien japanische Läden am Samstag ausgeraubt worden. Beispielsweise sei ein chinesisch-japanischer Gemischtwarenladen in der Provinz Hunan am Samstag von Demonstranten gestürmt worden. Dabei seien Uhren und Schmuck geraubt worden.

Laut Berichten von diepresse.com habe die japanische Botschaft in Peking auf ihrer Webseite ihre Landsleute davor gewarnt, in der Öffentlichkeit ihre Muttersprache laut zu sprechen oder alleine ein Taxi zu benutzen.

Ablenkungsmanöver der Regierung?

Dajiyuan stellte die These auf, dass die chinesische Regierung möglicherweise den Hass der Chinesen gegen Japan absichtlich geschürt habe, um die Aufmerksamkeit des Volks von aktuellen politischen Problemen abzulenken.

Mit dem Näherrücken des 18. Parteitages, auf dem ein Regierungswechsel staatfinden soll, hat die Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) schwer mit dem Skandal um den entmachteten Spitzenpolitikers Bo Xilai zu kämpfen. Die Verhandlung seiner Gattin Gu Kailai wegen Mordes am britischen Geschäftsmann Neil Heywood erregte in letzter Zeit weltweit Aufmerksamkeit. Dajiyuan erklärte, dass der Skandal um Bo Xilai noch viel weiter gehe. Bo und seine Gefolgsleute seien in massive Menschenrechtsverletzungen wie Organraub und Leichenhandel verwickelt. Mit der Offenbarung des ganzen Skandals könnte die KPCh zusammenbrechen.

Um die Aufmerksamkeit der Chinesen davon abzulenken, fokussiere die KPCh den Volkszorn auf den Konflikt um die Diaoyu-Inseln. Dajiyuan zitierte einen Analysten, dem zufolge die Stabilität der chinesischen Regierung durch den Aufbau eines Feinbildes in Gestalt von Japan erhöht werden könne. Einen solchen Feind vor Augen scharen sich alle um die Flagge des Patriotismus, egal wie schlecht die Regierung sei.

 

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