China: Prozessauftakt gegen Funktionärsehefrau

Von 10. August 2012 Aktualisiert: 10. August 2012 0:47

 

Gu Kailai, die mittlerweile von deutschen Medien als „Chinas Lady Macbeth“ bezeichnet wird, stand am 9. August in der Stadt Hefei wegen Mordes am britischen Geschäftsmann Neil Heywood vor Gericht. Wie die Frankfurter Rundschau schreibt, stehe das Drehbuch für ihren Prozess bereits fest, die 53-jährige Ehefrau des entmachteten Spitzenpolitikers Bo Xilai soll Heywood nach Angaben chinesischer Medien wegen eines Streits um Geld vergiftet haben. Ihre wahre Schuld wird jedoch von vielen angezweifelt. Die chinesischsprachige Epoch Times, Dajiyuan erklärte, dass sowohl Gu, als auch Heywood in den Organ- und Leichenhandel verwickelt seien.

Der Prozess begann in den frühen Morgenstunden und war gegen 14:30 Uhr bereits beendet. Keiner der Familienangehörigen von Gu Kailai war währen des Prozesses anwesend. Der Termin für die Urteilsverkündung wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Die Internetseite kanzhonguo.com zitierte Radio France Internationale (RFI). Den Berichten zufolge sollen Gu und die mitangeklagte Hausangestellte Zhang Xiaojun ihre Schuld gestanden haben und sich für die faire Prozessführung bedankt haben. Laut Aussagen von Prozessbeobachtern sollen Zhang und Gu während der Verhandlung sehr ruhig gewesen sein. Der Pressesprecher des Gerichts von Hefei habe über Gus Verteidiger gesprochen. Ihm zufolge soll Gu während der Tat vorübergehend unzurechnungsfähig gewesen sein. Des weiteren beantragte er zu berücksichtigen, dass Gu Hinweise über die Verbrechen anderer gegeben habe. Im chinesischen Internet sei später diskutiert worden, wer damit gemeint sein könne.

Obwohl Gu des Mordes und damit des schwersten Kapitalverbrechens angeklagt wurde, verlief der Prozess eher unauffällig. Die anderen Verbrechen, an denen Gu und vor allem ihr Ehemann, der abgesetzte Spitzenpolitiker Bo Xilai beteiligt waren, kamen bei diesem Prozess nicht zur Sprache. Nach Berichten von Dajiyuan hat die Familie von Bo Xilai im Rahmen der Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden Unsummen im Organ- und Leichenhandel gescheffelt. Bo habe geplant, dieses Geld einzusetzen, um sich an die Macht zu putschen. Neil Heywood soll der Familie geholfen haben, das Geld ins Ausland zu transferieren.

Das ungewöhnliche Vermögen von Bo Xilai und seiner Familie erregte laut Berichten von Dajiyuan bereits 2010 die Aufmerksamkeit der Parteiführung. Daraufhin sei Bo einer parteiinternen Untersuchung wegen Korruption unterzogen worden. Seine Ehefrau Gu Kailai soll wegen dieser Untersuchung sehr beunruhigt gewesen sein und paranoide Verdächtigungen gegen ihre Gewährsleute entwickelt haben. Sie habe Heywood aus Furcht vor Verrat vergiftet. Diesen Teil der Hintergründe will die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Dajiyuan stellt die These auf, dass der Prozess gegen Gu deshalb so schnell stattfinde, weil die KPCh den Fall um Bo Xilai vor der 18. Nationalversammlung abschließen wolle, auf der der nächste Regierungswechsel stattfinden soll. Damit sollen massive politische Unsicherheiten verhindert werden.

 

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