China: Staatsfernsehen erntet Spott für „Anti-Starbucks“-Report

Von 22. Oktober 2013 Aktualisiert: 22. Oktober 2013 21:25

Chinas Staatsfernsehen CCTV inszenierte dieser Tage eine Attacke gegen die US-amerikanische Kette Starbucks – und verbrühte sich am heißen Kaffee.

Der chinesische Staatssender jagte innerhalb 24 Stunden insgesamt 42 Artikel ins Internet, die mit den „Wucherpreisen“ der Caféhaus-Kette in China abrechneten. Nur fiel das Echo etwas anders aus, als erwartet: Die kommunistischen Macher der Sendung hatten sich vorgestellt, dass das Volk seine Empörung über den arroganten Westen in Form eines Starbucks-Boykotts zum Ausdruck bringen würde. Stattdessen traf die Empörung CCTV ob dessen plumper Propaganda.

CCTV machte den „Caffé latte“-Preistest

Angefangen hatte alles am 20. Oktober. CCTV rief seine Reporter dazu auf, wo immer sie sich befänden, zu Starbucks zu gehen und sich einen „Caffé latte medium“ zu holen. Der internationale Preisvergleich ergab: In Peking war das Getränk am teuersten. Es kostete 27 Yuan (fast 3,50 Euro), während es in Mumbai für nur 130 Rupien (1,70 Euro) zu haben war. „Der Preis ist unverschämt hoch für die meisten Pekinger“, so der CCTV-Sprecher.

In Chicago kostete der Caffé latte umgerechnet 2,50 Euro, was einem Tausendstel des monatlichen Durchschnittseinkommens der Stadt entspricht. „Kein Luxus, wenn man sich da jeden Tag eine Tasse Starbucks Kaffee genehmigt“, sagte der Reporter. Auch in London müsse man nur ein Tausendstel seines Lohns ausgeben, das sei „sogar billiger als manche britischen Traditionsmarken.“

„In China ist Starbucks unverschämt teuer“

CCTV folgerte: „In Großbritannien und den USA verdienen die Leute viel mehr, trotzdem ist der gleiche Kaffee von Starbucks dort viel billiger als in China.“ Als Sahnehäubchen gab es noch den Preisvergleich der original Starbucks-Kaffeetasse: Diese kostet, obwohl „made in China“ im Reich der Mitte mehr als das Doppelte als in ihrem Heimatland USA.

Auf die Milchmädchenrechnung folgten eindeutige Reaktionen: „Jeder Mensch weiß doch, dass Starbucks im Kaffegeschäft kein Monopol besitzt. Und wenn der Kaffe 300 Yuan kosten würde (…) Freiheit ist ein Grundprinzip der Marktwirtschaft und CCTV scheint nicht mal das kapiert zu haben. Der Sender könnte ruhig mehr Zeit investieren, um die Monopole von Chinas staatseigenen Öl-, Telekommunikations- und Finanzfirmen zu kritisieren“, schrieb die Wirtschaftswissenschaftlerin Liu Shengjun Weibo.

„Habt ihr eigentlich nichts besseres zu tun?“, regte sich ein anderer Blogger auf. „Warum spricht CCTV nicht darüber, wie schlecht unsere medizinische Versorgung ist, wie teuer das Gas oder wie hoch die Steuern sind?”

Chinesen sitzen stundenlang bei Starbucks

Chen Guo, der Geschäftsführer von IBM in China, glättete die Wogen: „Preisbildung und Gewinn hängen von Angebot, Nachfrage und Lagerumschlag ab. Meine Beobachtung ist, dass Chinesen stundenlang bei Starbucks sitzen, wenn sie einmal drin sind – das könnte ein Grund für die höheren Preise sein.“

CCTV verglich Eiswürfel mit Toilettenspülwasser

Starbucks ist nicht das einzige ausländische Unternehmen, gegen das Propaganda gemacht wurde. Auch McDonalds, Kentucky Fried Chicken und die japanische Kette „Kungfu Catering“ bekamen schon ihr Fett weg.

Kungfu Catering geriet im Juli in die Schlagzeilen, nachdem Reporter die Eiswürfel des Anbieters getestet hatten. „Stimmt es, dass sie mehr schädliche Bakterien beinhalten, als Toilettenspülwasser?“ , fragte dazu CCTV. Chinas Online-Community fragte sich anschließend, ob nicht die Behälter der Reporter verschmutzt waren und das Eis nachträglich kontaminiert wurde.

Blogger: „Diese Reportage weckt Vertrauen“

Die Getränke bei Starbucks finden manche Chinesen in der Tat etwas teuer – aber noch lang keinen Grund zur Aufregung. “Diese Starbucks-Reportage beruhigt mich voll und ganz”, schrieb Weibo-User Zhutiti. “Wenn CCTV nur auf den Preisen herumhacken kann, heißt das doch, dass in puncto Lebensmittelsicherheit, Servicequalität, Steuern und Arbeitnehmerrechten alles stimmt! Also ist Starbucks ein verantwortungsvolles Unternehmen. Da geh´ ich mir doch gleich ´nen Kaffee holen.”

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN