(AP Photo/Robert F. Bukaty)

Chinas Sprachrohr Xinhua stellt ARD an den Pranger

Von 28. Juli 2008 Aktualisiert: 28. Juli 2008 23:52
„Die unverschämte ARD soll angeklagt werden“, das war die Schlagzeile am 24. Juli von Chinas wichtigstem Staatsmedium Xinhua-Net.

In einem langen Kommentar warf Xinhua wegen des von ARD am 21. Juli gesendeten Dokumentarfilms „Olympia im Reich der Mittel. Doping in China“ dem deutschen Sender und den Autoren vor, China kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele absichtlich anzuschwärzen. Die ARD sei immer Anti-China und die Glaubwürdigkeit ihrer China-Berichterstattung sei zweifelhaft.

„Das einzige passende Wort, um diesen Film zu beschreiben, denke ich, ist das Wort ‚unverschämt’“, schrieb der Xinhua-Kommentator Dou Hanzhang. Abgesehen von der Authentizität des Filmmaterials sei der Film in der Logik völlig unhaltbar. „Um den Film zu machen, fehlten ihnen die Tatsachen. Sie erfanden deshalb manche Szenen, schrieben ein Drehbuch und ließen es schauspielern. Leider war die Methode so plump, dass überall mangelhafte Lücken entstehen. Der Film war eine Verleumdung gegen China und ein Angriff auf Chinas Image, der Sender sollte verklagt werden“, so Xinhua.

Ein TV Kameramann bei Aufnahmen in Peking. Niemand vor den Bildschirmen ahnt, wieviele Verhandlungen seit Monaten von den Aufnahmeteams mit den chinesischen Zensoren um Filmerlaubnisse geführt werden. (AP Photo/Robert F. Bukaty)
Ein TV Kameramann bei Aufnahmen in Peking. Niemand vor den Bildschirmen ahnt, wieviele Verhandlungen seit Monaten von den Aufnahmeteams mit den chinesischen Zensoren um Filmerlaubnisse geführt werden. (AP Photo/Robert F. Bukaty)

Was die Aussage des ARD-Films, „China ist ein reiches Land der Dopingmittel“ betrifft, warf Xinhua dem deutschen Sender vor, China pauschal als Dopingsünder abzustempeln. „Selbst wenn sie (die ARD-Journalisten) tatsächlich einen chinesischen Arzt erwischten, der gerade Dopingmittel verkauft, hat das nichts zu bedeuten. […] Vielleicht gibt es chinesische Ärzte, die gegen das Gesetz verstoßen und Dopingmitteln verkaufen, aber das belegt immer noch nicht, dass die chinesischen Sportler Dopingmitteln nehmen. Die Logik ist doch sehr einfach. Dürfen wir denn behaupten, Deutschland ist ein Naziland, nur weil es dort Skinheads gibt? Dürfen wir deswegen sagen, dass Angela Merkel ein zweiter Hitler ist? Nein, natürlich dürfen wir das nicht“, so argumentierte Xinhua.

Nach dem Xinhua-Kommentar kusierten diese schweren Vorwürfe gegen die ARD überall in den chinesischen staatlichen Medien. In den chinesischen Blogs wie „Anti-CNN-Forum“ wurde die ARD nun als einer der schlimmsten Anti-China-Sender neben CNN beschimpft. Das „Anti-CNN-Forum“ wurde während der Kampagne gegen die westlichen Medien nach den Unruhen in Tibet eingerichtet.

Chinafreundliche Medien sollen besondere Beachtung bekommen

China will nicht alle ausländischen Medien als Anti-China abstempeln. „Es gibt nur einige wenige Medien, die das Anti-China-Wesen besitzen“, schrieb Xinhua am 26. Juli in einem weiteren Kommentar in Bezug auf die ARD-Dokumentation. „Es ist vorherzusehen, dass einige wenige Anti-China-Medien noch viel mehr Lügen produzieren, denn sie haben während der Olympischen Spiele günstigere Interview-Bedingungen, die sie auf jeden Fall ausnutzen werden.“

Aufgrund des bisherigen ungenügenden Effekts der Klarstellung der von „Anti-China-Medien“ verbreiteten Lügen durch die chinesischen staatlichen Medien, warnte Xinhua vor, dass man andere Methoden finden werde, um die Lügen zu widerlegen. Xinhua zufolge sollen China-freundliche ausländische Medien eingeladen werden, um die Lügen zu widerlegen. Dieser Effekt solle dann viel besser sein, sagt Xinhua. Daher sei es wertvoll, den objektiven China-freundlichen Medien besondere Beachtung zu schenken. „Nur die objektiven Medien wollen in China die wahre Geschichte hinter den Lügen recherchieren, daher sollen die zuständigen Behörden diesen Medien Bedingungen für freie Interviews besorgen und ihnen Annehmlichkeiten anbieten“, schlägt Xinhua vor.

Welche deutschen Medien gehören zu den China-feindlichen Medien und welche zu den China-freundlichen? Mindesten galt bisher der Spiegel und jetzt auch die ARD in den chinesischen Medien und Foren als Anti-China.

ARD: Kein Anlass, an der Richtigkeit der Fakten zu zweifeln

NDR Programmdirektor Volker Herres sagte zu den Vorwürfen von Xinhua und der außenpolitischen Parteizeitung „Global Times“: „Für uns gibt es keinerlei Anlass, an der Richtigkeit der in der Dokumentation präsentierten Fakten zu zweifeln. Den Vorwurf der Generalisierung weisen wir zurück. Die Autoren berichten in ihrem Film über konkrete Fälle, an keiner Stelle behaupten sie, dass alle chinesischen Sportler Dopingsünder seien. Dass man mit solchen Dokumentationen aneckt, überrascht wenig. Aber wir werden auch künftig über alle Aspekte der Olympischen Spiele in Peking berichten – über die kritischen ebenso wie über die positiven.“

Fackelträgerin Ines Geipel (rechts), bekannt durch ihr erfolgreiches Engagement für Dopingopfer der ehemaligen DDR, beim Menschenrechtsfackellauf am 18. August 2007 in Berlin mit der siebenjährigen Fadu Chen, die ihren Vater schon in ihrem ersten Lebensjahr verloren hat durch die Verfolgung von Falun Gong in China. (Yude Chao/DJY)
Fackelträgerin Ines Geipel (rechts), bekannt durch ihr erfolgreiches Engagement für Dopingopfer der ehemaligen DDR, beim Menschenrechtsfackellauf am 18. August 2007 in Berlin mit der siebenjährigen Fadu Chen, die ihren Vater schon in ihrem ersten Lebensjahr verloren hat durch die Verfolgung von Falun Gong in China. (Yude Chao/DJY)

Ines Geipel: Miese Spiele einer Diktatur

Ines Geipel, Schriftstellerin, Professorin in Berlin und ehemalige Sprintweltrekordlerin. Im Herbst 2007 war sie zur Recherchereise in China für ihr aktuelles Buch „No Limit – Wieviel Doping verträgt die Gesellschaft“. Sie sagte zur Epoch Times:

„Der Film ist sehr verdienstvoll und besticht durch mutige und seriöse Recherche. Er ist ein echter Schritt in der globalen Doping-Debatte, hinter den nun niemand mehr zurück kann. Denn dass US-amerikanische Profis nach China reisen, um sich dort einer Stammzelltherapie zu unterziehen, ist bisher nirgends gezeigt worden. Dabei ist es völlig uninteressant, ob diese Therapien im Sport tatsächlich Sinn machen. Der Dammbruch besteht darin, dass es überhaupt versucht wird und zwar nicht in einem einzelnen Krankenhaus, sondern wie ein kanadischer Sportarzt im Film aussagt, in diversen chinesischen Universitätskrankenhäusern, Krankenhäusern und Privatkliniken.

Diese Tatsache sagt etwas darüber, wie rigoros die Athleten weltweit vorgehen, aber auch welcher immensen Gefahr sie sich aussetzen, in einem Land wie China, wo es unregulierte Forschung und unregulierte Chemiemärkte gibt. Jetzt müssten IOC und WADA sofort handeln. Denn immerhin geschieht das in dem Land, wo in einer Woche die Olympischen Spiele beginnen. Dass China selbst von all dem nichts gewusst haben will, ist das übliche Lügenspiel und sagt auch etwas darüber, wie extrem gefährdet die chinesischen Athleten soeben sind.

So wie ich es sehe, gibt es jetzt eine Art Doppelstrategie: massive Beschimpfungen von Seiten der staatlichen Nachrichtenagentur und zugleich die Bitte um die ARD-Recherchen von Seiten China Daily. Das sind die üblichen miesen Spiele einer Diktatur, aus DDR-Zeiten zur Genüge bekannt. Nein, worum es geht, ist der möglichst weitreichende Schutz der chinesischen Athleten und nicht irgendwelche Abwehrstrategien. Doch hier ist klar: Alles, was in den vergangenen Wochen zum chinesischen Dopingsystem zu hören war, ist höchst alarmierend gewesen, und dass der ARD-Film dabei nur die Spitze des Chemie-Eisbergs zeigen konnte, dürfte auf der Hand liegen.“

Wu Baozhang war bis 1989 Korrespondent der Xinhua-Agentur in Frankreich. Nachdem er die Bilder des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 im französischen Fernsehen gesehen hatte, verließ er auf der Stelle seinen Arbeitsplatz bei der Xinhua-Agentur. (DJY)Wu Baozhang war bis 1989 Korrespondent der Xinhua-Agentur in Frankreich. Nachdem er die Bilder des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 im französischen Fernsehen gesehen hatte, verließ er auf der Stelle seinen Arbeitsplatz bei der Xinhua-Agentur. (DJY)

Chinesischer Journalist: Diese Reaktion hat mich nicht überrascht

„Doping ist immer ein Zentralthema bei allen sportlichen Wettbewerben, egal wo sie stattfinden. Transparenz der Dopingbekämpfung ist ein allgemeiner Anspruch, zum Beispiel auch in der Tour de France“, sagte dazu Wu Baozhang in Paris, der ehemalige leitende Redakteur der China Redaktion von Radio France International, zur Epoch Times.

„Dass deutsche Journalisten im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Peking über Doping in China berichten, entspricht doch dem allgemeinen Interesse, für Journalisten ist das auch sehr selbstverständlich. Bei den zehnten chinesischen Nationalspielen wurden sehr viele Doping-Skandale aufgedeckt. Dem amerikanischen Radio zufolgen stammen die Dopingmittel, die 90 Prozent der amerikanischen Sportler genommen haben, aus China. Mindesten 90 Prozent der importierten Dopingmittel in den USA kommen aus China. In China treibt das Regime mit Geld, jede gewonnene Medaille bringt dem Sportler eine riesige Menge Geld. Die dahinter stehende politische Absicht ist, durch die hohe Anzahl der Medaillen das Image des Regimes zu fördern.

Die nicht unbedingt so saubere Geschichte der Doping-Fälle im chinesischen Sportbereich, die Geschichte der Herstellung von Dopingmitteln und das politische Ziel des Regimes bieten den deutschen Journalisten genügend Anlässe, einen Film über Doping in China zu drehen. Sollten manche Aussagen oder Recherchen nicht vollständig sein, kann China ruhig mit Tatsachen die Unkorrektheit widerlegen. Die typische und gewohnte Reaktion des kommunistischen Regimes gegenüber solcher ‚Kritik’ ist eben, dem Kritiker einen ‚politischen Hut’ zu geben. Man sei China-feindlich. Diese Reaktion hat mich nicht überrascht.“

(AP Photo/Robert F. Bukaty)
(AP Photo/Robert F. Bukaty)


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