Chinesische Militärs hetzen per Video gegen „Erzfeind USA“

Von 2. November 2013 Aktualisiert: 2. November 2013 14:53

Mit einem amerika-feindlichem Propagandafilm verstören hochrangige chinesische Militärs derzeit Chinas Internet.

Der Film „Lautlose Schlacht“ wurde allem Anschein nach von Chinas Universität für Nationale Verteidigung produziert. Ende Oktober begann er durch chinesische Video-Plattformen zu geistern. Der Film propagiert 90 Minuten lang die Botschaft, Amerika versuche seit Jahrzehnten durch „wirtschaftliche Infiltration“ das kommunistische Regime zu stürzen und arbeite gezielt an der „ideologischen Schwächung“ Chinas.

Militärs pflegen westliches Feindbild

Säbelrasseln in Richtung USA ist in chinesischen Militärkreisen nichts Seltenes. Vor nicht allzulanger Zeit äußerte gar ein hochrangiger General, dass er sich einen atomaren Erstschlag gegen „den Erzfeind“ vorstellen könne. Was der aktuelle Film zu bedeuten hat und welches Ziel mit ihm erreicht werden soll, beschäftigt nun chinesische Internetnutzer und Intellektuelle.

Dabei verwundert keineswegs die krude Präsentation der kommunistischen Hardliner – soetwas ist man gewöhnt. Merkwürdig ist jedoch der Umstand, dass die unverblümten Botschaften in eine so breite Öffentlichkeit gelangten. Ähnliche „Lehrfilme“ gab es bereits, doch zirkulierten diese nur innerhalb der militärischen Kreise, für die sie gedacht waren.

Innenpolitik als Außenpolitik getarnt

Analysten vermuten, dass der linksradikale Flügel des Militärs auf diesem Weg versucht, öffentlich Druck auf die Parteiführung um Staatspräsident Xi Jinping auszuüben: Man wünscht, dass die neue Parteispitze den Weg einer härteren Politik einschlagen werde. Auch dürfte das Video ein Warnsignal an prominente liberale Kräfte innerhalb der chinesischen Gesellschaft sein, die sich eine Öffnung des Systems zu mehr demokratischer und wirtschaftlicher Freiheit wünschen. Alle Erwägungen sprechen dafür, dass das Video absichtlich in Umlauf gebracht wurde und mehr innenpolitische als außenpolitische Absichten verfolgt.

Video schmäht einzelne Medien und Intellektuelle

Das Thema Meinungsfreiheit ist in China aktuell ein besonders heißes Eisen: In den vergangenen Monaten bekamen demokratisch gesinnte Intellektuelle, Bürgerrechtler, Regimekritiker und einflussreiche Blogger auf verschiedene Weise Gegenwind, zum Teil in Form von Verhaftungswellen. In diesen „ideologischen Überlebenskampf“ des Regimes reiht sich das Video nahtlos ein.

Der Film beschimpft unter anderem verschiedene Medien, wie zum Beispiel die Southern Metropolis Daily, oder Intellektuelle wie He Weifang als „Werkzeuge der feindlichen Westmächte“. He Weifang antwortete darauf mit einem Online-Post: “Lautlose Schlacht bedient sich einer Hetzsprache und pflegt Neurosen des Kalten Krieges. Das Streben nach Freiheit und Demokratie in anderen Ländern wird darin dämonisiert. Das [China] so sehr an Korruption leidet und es [uns] so sehr an Demokratie, Recht und Ordnung mangelt, ist angeblich allein Schuld der „USA-Verschwörung“. Absolut lächerlich.”

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