In China stehen Kinder schon früh in ihrem Leben unter großem Leistungsdruck.Foto: Arsenal FC via Getty Images

„Die Erziehung in China ruiniert mein Kind“

Von 26. September 2012 Aktualisiert: 26. September 2012 23:01

 

In China stehen Kinder schon früh in ihrem Leben unter großem Leistungsdruck. Eine der Folgen ist, dass viele Eltern keine andere Chance sehen, als ihr Kind ins Ausland zu schicken. Eine erfahrene Journalistin aus China, die Mutter einer fünfjährigen Tochter ist, gab laut der chinesischsprachigen Epoch Times, Dajiyuan, dazu einen Bericht ab. Ihre Geschichte ermöglicht einen Einblick in die Herausforderung, in China ein Kind zu erziehen.

„Mutter, warum stirbst du nicht?“

Die in Peking lebende Journalistin berichtet, dass es infolge des aktuellen Babybooms sehr schwierig sei, einen Kindergartenplatz zu bekommen. Ihre Tochter habe beispielsweise eine gewisse Zeit auf einen Platz warten müssen, obwohl sie als Mutter ihre Beziehungen habe spielen lassen.  Nachdem ihre Tochter endlich einen Platz in einem staatlichen Kindergarten bekommen habe, seien Dingen geschehen, die sie veranlasst haben, den Kindergarten zu wechseln.

Sie sei eines Tages nach Hause gekommen und ihre Tochter habe mit der Hand die Geste einer Pistole gemacht, „Peng, Peng“ gesagt und dann erstaunt gefragt: „Mutter, warum stirbst du nicht?“ Sie habe nachgefragt und erfahren, dass die Erzieherinnen im Kindergarten die Kinder Krieg spielen lassen. Dabei seien sie in zwei Gruppen eingeteilt worden, die aufeinander schießen sollten. Dadurch habe ihre Tochter dieses Spiel gelernt. Die Journalistin sei geschockt von solcher Art Spiel im Kindergarten gewesen und sei der Meinung, dass solche Spiele im Kindergarten nicht angebracht seien.

In diesem Kindergarten habe es mehrere Altersgruppen gegeben. Beim Aufrücken von der Gruppe der jüngsten in die mittlere Gruppe sei bereits eine Prüfung erforderlich gewesen, mit der entschieden wurde, ob das Kind in die „normale“ oder in die „begabte“ Folgegruppe kommen würde. Ihr Kind sei bei dieser Prüfung erst vier Jahre alt gewesen und habe die niederschmetternde Erfahrung gemacht, nicht zu den „Begabten“ zu gehören. Sie habe sich gefragt, warum Kinder bereits in diesem Alter in Klassen eingeteilt und als minderwertig eingestuft werden sollen. Die Tränen in den Augen ihrer Tochter veranlassten sie, den Kindergarten zu wechseln.

Eine weitere Merkwürdigkeit sei ein spezieller Lehrertag, an dem die Eltern den Lehrern Geschenke überreichen. Tun sie das nicht, bestehe die Gefahr, dass ihre Kinder benachteiligt werden. Ihre Tochter habe sie gefragt, warum es einen Lehrertag gebe. Sie habe geantwortet, dass man den Lehrern danken wolle, weil sie so viel für die Kinder getan haben. Ihr Kind habe weiter gefragt, warum man den Lehrern an diesem Tag Geschenke machen müsse. Darauf habe sie jedoch keine Antwort gehabt. Ihre Tochter habe gesehen, dass alle anderen Kinder das ebenfalls tun und habe daher auch mitgemacht.

Sie erklärte, dass auch viele andere Eltern unzufrieden mit den Erziehungsmethoden in China seien. Sie überlegte, warum viele Eltern inzwischen Wert darauf legen, die Freiheit und das Selbstbewusstsein ihrer Kinder zu fördern, aber die Lehrerinnen und Erzieherinnen, die darin eine Ausbildung haben sollten, das anscheinend nicht verstehen. Die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Eltern, die selbst immer mehr Wissen über Kindererziehung erworben haben und den veralteten Methoden, die sich durch das ganze chinesische Bildungssystem bis hin zu den Universitäten fortsetzen, veranlasse viele Eltern, ihre Kinder ins Ausland schicken zu wollen.

„Nicht bereits am Start verlieren“

Die Journalistin erklärte, dass sie nicht wisse, wer den Ausdruck „Nicht bereits am Start verlieren“ geprägt habe. Er drücke jedoch den Wunsch der meisten Eltern aus, ihren Kindern mit allen Mitteln eine möglichst gute Ausgangsposition zu sichern. Früher sei diese Ausgangsposition der erste Arbeitsplatz gewesen. Diese Startlinie sei jedoch über die Universitäten durch die Schulen bis in die Kindergärten gewandert und inzwischen werde auch über eine „Erziehung im Mutterleib“ und einen „Vatervergleich“ philosophiert.

Ihre Tochter nehme im Alter von fünf Jahren bereits Geigenunterricht und lerne Englisch. Sie frage sich, warum so kleine Kinder, die noch nicht einmal ihre Muttersprache beherrschen, Fremdsprachen lernen sollen. Ihre Tochter sei jedoch zu ihr gekommen und habe gesagt, dass alle anderen Kinder Englisch lernen würden und dass sie das ebenfalls wolle. Nachdem ihr Kind angefangen habe, solle sie aber nicht aufhören, da Eltern versuchen sollen, ihren Kindern beizubringen, Dinge zu Ende zu bringen. Ihrer Meinung nach bürden solche überehrgeizigen Eltern ihren Kindern immer größere Belastungen auf.

Ein anderes Problem, das mit diesem Leistungsdruck einhergehe, sei der fehlende Bezug zur Natur. Die Kinder leben in einem Dschungel aus Beton, Stahl und Glas. Der volle Terminplan sorge jedoch dafür, dass weder Eltern noch Kinder Zeit haben, die Stadt zu verlassen und den Kontakt zur Natur zu suchen.

Inzwischen sehen viele chinesischen Eltern die einzige Lösung darin, ihre Kinder ins Ausland zu schicken. Bei einem Interview mit einer Klasse aus einem Gymnasium habe sie überraschenderweise erfahren, dass jeder Schüler beabsichtigte, später im Ausland zu studieren. Sie erklärte, dass man früher erst während des Berufslebens zur Fortbildung ins Ausland gegangen sei, inzwischen ginge der Trend dahin, im Gymnasium oder sogar schon in der Mittelschule ins Ausland zu gehen. Diese Journalistin meinte, sie bereite sich ebenfalls darauf vor, ihre Tochter zehn Jahre später ins Ausland zu schicken. Alles, was sie jetzt tue, diene dazu, dies zu ermöglichen.

Originalartikel auf Chinesisch: 北京资深记者控诉:中国教育害了我孩子

 



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