Dietrich Bonhoeffer: Von guten Mächten treu und still umgeben

Von 2. Februar 2006 Aktualisiert: 2. Februar 2006 21:24
Ergebung und Widerstand im Leben Dietrich Bonhoeffers

Vom 19. Dezember 1944 datiert ein Brief Dietrich Bonhoeffers aus dem Gefängnis, dessen Beigabe ein Gedicht war, das heute als Kirchenliedtext berühmt ist:

Von guten Mächten treu und still umgeben.

Das Gedicht war ein Gruß Bonhoeffers an seine Mutter zu ihrem 70. Geburtstag und an seine Verlobte Maria von Wedemeyer, seinen Vater und seine Geschwister. An diesem Weihnachtsfest 1944 dachten die damit Gegrüßten an die zwei inhaftierten Söhne Klaus und Dietrich, an die zwei inhaftierten Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher, an die Tochter Sabine, Dietrichs Zwillingsschwester, die wegen ihres jüdischen Mannes Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen war und nun wegen der nationalsozialistischen Diktatur gleichfalls nicht anwesend sein konnte, sowie an den gefallenen Sohn Walter.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau als das sechste von acht Kindern geboren. Sein Vater war Karl Bonhoeffer, einer der führenden Psychiater und Neurologen seiner Zeit. Seine Mutter Paula Bonhoeffer, geborene von Hase, war Lehrerin aus einer Familie evangelischer Theologen und Künstler.

1911 zog die Familie nach Berlin um, weil der Vater einen Ruf auf einen für ihn eingerichteten Lehrstuhl an der Universität Berlin erhalten hatte. Ab 1923 studierte Dietrich Bonhoeffer in Tübingen evangelische Theologie. Nach beruflichen Jahren in Barcelona und NewYork kehrte er nach Berlin zurück, zunächst als Assistent an die Universität, schließlich wird er 1931 in der St. Matthäikirche (am heutigen Kulturforum Berlin) zum Pfarrer ordiniert.

1933 ging er als Pfarrer nach London, von wo er 1935 bewusst in das nationalsozialistische Deutschland zurückkehrte. Früh engagierte er sich im Bemühen weltweit die Kirchen zum Widerstand gegen die erkennbaren Kriegsvorbereitungen zusammenzuführen. 1938 fand er weitergehende Kontakte zum Widerstand gegen Hitler. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer „wegen seiner volkszersetzenden Tätigkeit“ Redeverbot „für das gesamte Reichsgebiet“. Ein Verbot schriftstellerischer Tätigkeit folgte im März 1941.

Am 5. April 1943 wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet und im Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gefangen gehalten. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er intensiven Verhören durch die Gestapo unterzogen, sie konnte Bonhoeffer und anderen Mitverschwörern jedoch keine Beteiligung daran nachweisen. Am 8. Oktober geriet Bonhoeffer erneut in die Hände der Gestapo und kam nun in den Gestapo-Keller Prinz-Albrecht-Straße.

Das Todesurteil

Am 5. April 1945 ordnete Adolf Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten „Verschwörer“ des 20. Juli 1944 an und damit auch die Dietrich Bonhoeffers. Ein SS-Gericht, verurteilte daraufhin neben Dietrich Bonhoeffer auch Walther-Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack, Theodor Strünck und Ludwig Gehre am 8. April 1945 zum Tode durch den Strang. Der Prozess war ein reiner Scheinprozess.

Zur Erniedrigung der Angeklagten und Belustigung des SS-Personals mussten sich alle zur Hinrichtung Bestimmten zuvor völlig entkleiden und nackt zum Galgen gehen. Der Lagerarzt beobachtete die Szene und berichtete später, Bonhoeffer habe völlig ruhig und gesammelt gewirkt, sich von allen Mithäftlingen verabschiedet und ein kurzes Gebet gesprochen.

Dietrich Bonhoeffer wurde in der Morgendämmerung des 9. April 1945 erhängt.

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar, –

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr;

 

noch will das alte unsre Herzen quälen,

noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen

das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

 

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,

so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern

aus Deiner guten und geliebten Hand.

 

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken

an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,

dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,

und dann gehört Dir unser Leben ganz.

 

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen

die Du in unsre Dunkelheit gebracht,

führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!

wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,

so laß uns hören jenen vollen Klang

der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,

all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

 

Dietrich Bonhoeffer

 

 

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