Druck auf die Familie des eingesperrten Rechtsanwalts Gao

Von 5. November 2006 Aktualisiert: 5. November 2006 22:01
Mutter und Tochter von Polizei an die Grenze der Belastbarkeit getrieben

„Onkel, die Polizisten haben uns so furchtbar bedrängt, ich will am Montag nicht mehr in die Schule zurück!“, am 21.Oktober erhielt Hu Jia, ein guter Freund des Rechtanwalts Gao Zhisheng, einen kurzen Anruf von Gege, der Tochter des Anwalts.

Das war der zweite Versuch des 13-jährigen Mädchens, den Zustand der Familie an die Öffentlichkeit weiterzugeben, seitdem ihr Vater am 15. August festgenommen wurde. In dem weniger als 1 Minute dauernden Gespräch mit Hu Jia erzählte die tapfere Gege, dass sie jeden Tag von einem männlichen und drei weiblichen Polizisten belagert wird, sogar in der Schule. Die vier schikanieren sie mit Worte wie „Dirne“ und verbreiteten unter ihren Lehrern und Mitschülern, dass ihr Vater politischer Gefangener sei. Sie behalten sie rund um die Uhr unter Kontrolle, selbst während des Unterrichts stünden sie draußen vor dem Klassenzimmerfenster und beobachteten das kleine Mädchen.

Zunächst hielten die Schulkameraden Abstand zu ihr. Aber nach und nach konnten sie die unmenschliche Art der Polizisten auch nicht mehr ertragen und halfen ihr, der Überwachung zu entkommen und Hu Jia anzurufen. Sie äußerte am Telefon den Wunsch, am liebsten in die USA-Botschaft zu fliehen.

Der Ehefrau des Anwalts Gao und Mutter der Schülerin, Geng He, ginge es noch schlechter, berichtete Hu Jia den Medien. Seit der Festnahme ihres Mannes am15. August ist sie in der Wohnung eingesperrt, ohne eine Möglichkeit zu Kontakt mit der Außenwelt. Nur gelegentlich durfte sie Einkäufe machen und den dreijährigen Sohn zum Kindergarten bringen, stets unter strenger Begleitung zahlreicher Polizisten. Inzwischen hat die Polizei vor dem Wohngebäude der Familie eine Überwachungsstation gebaut. Die Ehefrau konnte noch immer nicht in Erfahrung bringen, wie es ihrem Mann geht, selbst sein Rechtsanwalt hat keine Chance, sich mit ihm zu treffen, der Ablehnungsgrund lautet:„Gaos Fall zählt als Staatsgeheimnis“.

Vor kurzem ist die Mutter Geng Hes zur Unterstützung nach Peking gekommen und wohnt seitdem mit der Tochter und den beiden Kindern zusammen. Die Polizei versuchte immer wieder, sie wieder nach Hause zu schicken, um ihrer Tochter auch diese psychologische Unterstützung zu nehmen. Vor einigen Tagen war die ältere Dame mit dem Enkel unterwegs und der Kleine hatte sich verlaufen. Die Gruppe von Polizisten, die sie überwachte, lehnte es ab, nach dem Kind zu suchen. Geng He und ihre Mutter fanden den Kleinen zuletzt selber. Diese Situation hatte Geng He an die Grenze ihrer nervlichen Belastbarkeit gebracht. Mehrmals hat sie inzwischen gegenüber der Polizei und ihrer Familie geäußert, dass sie langsam die Situation nicht ertragen kann und aus dem Leben gehen möchte.

Hu Jia, ein bekannter Aids-Aktivist und Menschenrechtler in China, wird selbst seit Mitte Juli von der Polizei in seiner Pekinger Wohnung unter Hausarrest gehalten. „Sonst wäre ich direkt zu Gaos Familie gegangen um nach zu sehen, wie es ihnen geht.“ Er appellierte an die Menschenrechtsmitarbeiter aller Botschaften und UNO-Büros in Peking mit der Bitte, Gaos Familie zu besuchen. „Das wird ihnen sicherlich sehr helfen!“

Rechtsanwalt Gao Zhisheng wurde 2001 als einer der „zehn besten Rechtsanwälte“ in China ausgezeichnet und setzte sich in den letzten Jahren stark für die Bürgerrechte ein. 2005 schrieb er drei Offene Briefe an die chinesischen Führer Hu Jintao und Wen Jiabao, in dem Dritten schilderte er die grausame Verfolgung gegen die Falun Gong-Praktizierenden und forderte die Beendigung der Verfolgung. Kurz darauf wurde er gezwungen, seine Kanzlei zu schließen. Seitdem stand er ebenso wie jetzt seine Familie rund um die Uhr unter Bewachung von vielen Zivilpolizisten, bis er am 15. August unter ominösen Umständen festgenommen wurde.

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