Fünf Dissidenten-Töchter aus China: „Rettet unsere Väter!“

Von 25. Dezember 2013 Aktualisiert: 25. Dezember 2013 12:10

Den Widerstand Andersdenkender zu brechen und sie für immer zum Schweigen zu bringen, ist das Ziel von Chinas Regime im Umgang mit Dissidenten. Wer dabei in politische Gefangenschaft gerät, erlebt die Hölle auf Erden. Doch nicht nur die Inhaftierten: Auch vor deren Angehörigen und Freunden macht der Staatsterror nicht Halt.

Am 5. Dezember beschrieben fünf junge Frauen vor dem Kongressausschuss des US-Außenministeriums in Washington, was es bedeutet, einen Vater zu haben, der in China im Gefängnis sitzt. Ihre Väter sind aus verschiedenen Gründen seit Jahren unschuldig für ihre Überzeugungen inhaftiert.
 
Die Dissidenten-Töchter gaben erschütternde Einblicke in die Situation verfolgter Familien in China. Denn, ist ein Mensch erst Zielscheibe des Regimes, wird auch sein gesamtes Umfeld nonstop bestraft – mit Verhören, Misshandlungen und Hausarrest.

„Unsere gesamte Verwandtschaft wird terrorisiert“

Gege Grace Gao

Gege „Grace“ Gao, die Tochter des bekannten Menschenrechtsanwalts  Gao Zhisheng hat ihren Vater das letzte Mal vor fünf Jahren gesehen. Sie erzählte von den zahllosen Demütigungen, die sie, ihr kleiner Bruder und ihre Mutter durch die kommunistischen Machthaber erlitten. Gege sagte, dass sich ihr Bruder heute gar nicht mehr erinnern kann, wie sein Vater aussieht. Er war noch ein Kleinkind, als der Terror gegen die Familie losging.

Sie erzählte auch, dass sie kurz nach der Flucht in die USA mit einem  Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus kam, weil sie Todesängste um ihren Vater ausstand.

Gao Zhishengs Familie lebt seit acht Jahren im Ausnahmezustand: „Großmutter, Großvater, drei Tanten und die Geschwister meines Vater kamen alle auf die schwarze Liste. Sie wurden sogar ihres Grundrechts auf einen Personalausweis beraubt. Nicht nur, dass die Verfolgung meines Vaters noch immer andauert –  sie erstreckt sich bereits auf die ganze Verwandtschaft“, so Gege.

Die USA appellierten mehrfach für eine Freilassung Gao Zhishengs. Das Regime ignoriert dies jedoch.

„Ich habe ihn seit 14 Jahren nicht mehr gesehen“

Danielle Wang ist die Tochter von Wang Zhiwen, einem Pekinger Eisenbahningenieur, der in den 90er-Jahren ein ehrenamtlicher Ansprechpartner von Falun Gong war. Er hatte einen Übungsplatz geleitet und Interessierten die Falun Gong-Meditationsübungen beigebracht. Am 20. Juli 1999 wurde er nachts aus seiner Wohnung gekidnappt und kam nie wieder zurück. Dies war der Tag, an dem die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) die Verfolgung der friedlichen Bewegung startete. In einem Schauprozess, der landesweit im Fernsehen ausgestrahlt wurde, wurde er zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Danielle Wang weinte, als sie die Geschichte ihres Vaters erzählte und hielt dabei einen kleinen, mit Schnitzereien verzierten Ast in der Hand. „Das ist das einzige Andenken, das ich seit 14 Jahren von meinem Vater habe.“ Ein Verwandter hatte das Geschenk für sie bei einem Gefängnisbesuch herausgeschmuggelt. Ihrem Vater seien während der Haft beide Schlüsselbeine zertrümmert worden. Auch hätte man ihm Zähne ausgeschlagen und spitze Bambusstäbe unter die Fingernägel gerammt.

„Ich möchte ihn wenigstens besuchen dürfen“

Lisa Peng ist die Tochter von Peng Ming, dem Gründer der China Development Federation und Autor des Buches „Das vierte Wahrzeichen“. Peng kam als UN-Flüchtling in die USA, wurde kurz darauf jedoch in Thailand von chinesischen Geheimagenten entführt. In China verurteilte man ihn unter dem Vorwand „Anführer einer terroristischen Vereinigung“ zu sein, zu lebenslanger Haft.

Lisa sagte: „In den fast 10 Jahren Gefängnis erlitt mein Vater einen Herzinfarkt, hatte Arthritis, Unterernährung und Nierensteine und überlebte all das ohne medizinische Behandlung. Trotz allem, was er durchmachen musste, ist sein Optimismus ungebrochen.“ Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihr Vater nach der jahrelangen Tortur endlich freigelassen wird. Über eine medizinische Versorgung und die Erlaubnis, ihn besuchen zu können, wäre sie bereits glücklich.

„Seit Jahren kämpfe ich um seine Freilassung“  

Ti-Anna Wang ist die Tochter von Wang Bingzhang, dem Begründer der chinesischen Demokratiebewegung in Übersee. Ihr Vater wurde 2002 in Vietnam verhaftet und nach China entführt, wo er in einem Schauprozess das Urteil „lebenslänglich“ bekam – wegen „Spionage und Terrorismus“.

„Während der vergangenen zehn Jahre organisierte ich unzählige Kampagnen zu seiner Freilassung“, erzählt Ti-Anna. Sie brachte seine Geschichte an die Öffentlichkeit und appellierte an die amerikanische und kanadische Regierung. „Das Ergebnis meiner Anstrengungen war, dass das chinesische Regime beschloss, mich zu bestrafen. Seitdem ich öffentlich über meinen Vater spreche, wird mir das Einreisevisum nach China verweigert. Es ist bereits fünf Jahre her, dass ich meinen Vater zum letzten Mal gesehen habe.“

„Herr Obama, bitte retten Sie unsere Väter“

Auch der fünfte Fall gehört zur Demokratie-Bewegung: Liu Xianbin wurde erstmals 1989 verhaftet, als er als Student auf dem Platz des Himmlischen Friedens protestierte. Er wurde Organisator der Demokratischen Partei Chinas und ein berühmter Dissident. 2011 wurde er erneut verhaftet und zu 10 Jahren Haft verurteilt – heute hat Liu schon mehr als 15 Jahre Gefängnis hinter sich.

Seine Tochter Bridgette Chen las aus einem seiner Briefe vor: „Meine Abwesenheit hat die Familie zerrissen. Es muss schwierig für dich und deine Mutter sein, dass ich nicht an eurer Seite bin. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als euch mittels dieser Briefe meine Liebe auszudrücken.“
Bridgette schloss mit dem Appell an US-Präsident Obama und seine Regierung: „Bitte helfen Sie, unsere Väter zu befreien.“

US-Abgeordnete reagierten erschüttert

Nach den Aussagen der fünf Dissidenten-Töchter gab es eine lange Schweigepause. Die Abgeordneten des US-Kongress mussten sich nach den Berichten erst einmal sammeln. Dann versprachen mehrere von ihnen, alles daran zu setzten, um zu helfen. Der Abgeordnete Mark Meadows sagte: „Es wird noch viele Verhandlungen mit Vertretern Chinas geben – von nun an werde ich bei jedem Treffen eure Gesichter vor Augen haben.“

Sein Kollege Smith sagte bezogen auf das Leid der Töchter:  „Ihr seid keine Ausnahmefälle, sondern im heutigen China die Norm.“  Smith forderte die Presse auf „ernsthaft und nachhaltig über die Notlage dieser Väter zu berichten“. Es sei an der Zeit, Chinas einsame Widerstandskämpfer ernsthaft und nachhaltig zu verteidigen. Abschließend sagte er: „Das chinesische kommunistische Regime zerstört den Geist seiner Bürger, ihre Körper und ihre Herzen. Diese Unterdrückung ist systematisch, umfassend, unerbittlich – und völlig überflüssig.“

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