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Herausforderungen für Chinas Internet-Zensur

Von 3. Januar 2011 Aktualisiert: 3. Januar 2011 1:26
Ein Programm namens „Anti-Harmonisierer“ (Fang hexie Qi) ist bekannt und beliebt bei den chinesischen Internetnutzern

Eines der Nebenprodukte von Chinas strenger Online-Zensur ist das reiche Vokabular, das von chinesischen Internet-Nutzern gemeinsam erfunden wurde: Symbole, gleich klingende Worte, Slang, Abkürzungsformen und englische Wörter und Buchstaben werden in zunehmendem Maße auf kreative Weise verwendet, um die Zensur der Kommunistischen Partei zu umgehen. Jetzt ist sogar eine Online-Software entwickelt worden, um das alles automatisch zu arrangieren.

Ein Programm namens „Anti-Harmonisierer“ (Fang hexie Qi) ist bekannt und beliebt bei den chinesischen Internetnutzern. Denn „Harmonisierung“ ist ein unter chinesischen Internetnutzern üblicher sarkastischer Hinweis auf die von der Kommunistischen Partei benutzte Ausrede für die Zensur und Unterdrückung von Dissidenten und von Stimmen, die ungünstig für das Regime sind. Angeblich möchte die Partei damit die Entwicklung einer „harmonischen Gesellschaft“ unterstützen.

Die Anti-Harmonisierungs Software, gehostet bei fanghexie.tk und zum Download verfügbar, ist ein Konvertierungstool mit einer Batterie von Optionen um einen Text zu drehen, umzudrehen, zu ersetzen und in einer Weise neu zu formen, dass selbst die eifrigsten Zensoren der Partei es nie erraten könnten. Die Umwandlungsmethoden reichen vom Einfügen von Symbolen zwischen zensierten Wörtern oder nach jedem Wort den Artikel vertikal oder rückwärts umzugestalten, oder zensierte Wörter mit ähnlich aussehenden Zeichen und Symbolen zu ersetzen bis einschließlich zur Verwendung englischer Ausdrücke.

Einer der englischen Begriffe, die im chinesischen Internet blockiert sind, ist „Frieden“. Zensiert, seit der Friedensnobelpreis dem inhaftierten Dissidenten Liu Xiaobo verliehen wurde. Auch der harmlose Ausdruck „leerer Stuhl“ fiel der Zensur zum Opfer, nachdem der Friedenspreis auf einem solchen platziert wurde, weil sich sein eigentlicher Empfänger hinter Gittern befindet.

„Politisch sensibel“

Die breite Palette von zensierter Sprache hat als Kollateralschaden mit sich gebracht, dass reguläre, nicht-subversive Kommunikation behindert wird. Ein Beispiel auf der Webseite fanghexie zeigt, wie der Satz „nicht allein in Tibet zu reisen“ zensiert wird, weil er auf Chinesisch das Wort „Unabhängigkeit Tibets“ enthält. [Anm. der Die Feinheiten und Mehrdeutigkeiten der chinesischen Sprache sind hier nicht darstellbar.]

Eine Erläuterung der Software sagt, dass seine Checkliste mehr als 9.600 Worte erfasst, die auf große Blog-Websites, Chat-Tools und in der obligatorischen offiziellen Zensur Green Dam „harmonisiert“ werden. Die Liste enthält hauptsächlich pornographische und politisch sensible Worte.

Die Bedeutung von „politisch sensibel“ ist allerdings sehr dehnbar. Drei Namen – vor kurzem hinzugefügt zum Zensurrepertoire – sind gute Beispiele für die Art von Dingen, die das Regime mit Sicherheit blockiert. Der erste ist der Name der populären CCTV Moderatorin Wang Xiaoya, die Gerüchten zufolge sich mit einem hohen Parteifunktionär abgegeben hat; der zweite ist „drei Fuzhou Internetnutzer“, das bezieht sich auf drei Blogger, die verhaftet wurden, nachdem sie über ein 25-jähriges Mädchen geschrieben hatten, das angeblich von einer Gang vergewaltigt und getötet wurde in einem von der Polizei beschützten Karaoke Club; der dritte ist Yuan Tengfei, ein Pekinger High School Geschichtslehrer, der weithin für seine fesselnden Vorträge bekannt ist über die chinesische Geschichte und für seine scharfe Kritik an Mao.

Sogar die eigenen Nachrichten des Regimes könnten manchmal der Zensur zum Opfer fallen. Ein Radio Free Asia Reporter verwendete das Programm, um einen Artikel über Ministerpräsident Wen Jiabaos Treffen mit dem pakistanischen Präsidenten zu überprüfen. Nachrichten, die in Partei Medien veröffentlicht wurden. Das Programm entdeckte 28 sensible Phrasen in dem 460-Worte Artikel. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass sogar die Namen der Top-Führungskräfte und ihre politischen Parolen zensiert werden können.

„Wenn man die chinesische Verfassung in das System einspeist, werden mehr als 50 Prozent davon zensiert werden“, sagte Zhang Tianliang, ein politischer Kommentator. „Es ist erbärmlich. Mit einem „Anti-Harmonisierer“, kann das chinesische Volk sich viel freier äußern.“

In einer Erklärung auf der Webseite der Entwickler, der sich selbst „Zilaishui“, also „Leitungswasser“ nennt, sagt er, das Programm sei nur dazu da, um „friendly fire“ zu verhindern. „Diese Software … hat Benutzer nie ermuntert, sie für illegale Zwecke nutzen“, so die Erklärung. „… Wir werden mit der Polizei zusammenarbeiten, um illegale Benutzer zu identifizieren.“

Ob absichtlich oder nicht, wird das Programm wahrscheinlich am nützlichsten für Aktivisten und Dissidenten sein, die am kräftigsten zensiert werden.

Auf einer Anhörung der amerikanisch-chinesischen Wirtschafts-und Security Review Commission im Jahr 2005, sagte der Harvard Law School Professor John Palfrey, dass China „das umfassendste und effektivste rechtliche und technologische System zur Filterung von Internet-Inhalten und für Zensur und Überwachung in der heutigen Welt“ habe. Informationen über Falun Gong, das Tiananmen-Massaker und Tibets und Taiwans Unabhängigkeit sind die am häufigsten gefilterten Themen, sagte Palfrey, Fakultäts Co-Direktor des Harvard Berkman Center for Internet & Society.

Palfreys Forschungen ergaben auch, dass, obwohl das Regime die Notwendigkeit von Anti-Pornographie als blumige Erklärung für die Online-Zensur abgibt, nur weniger als 10 Prozent der Standorte in Bezug auf Pornografie blockiert wurden, verglichen mit der 90 Prozent-Filter-Rate gegen die Neun Kommentare über die Kommunistische Partei, eine tiefgehende Kritik der Kommunistischen Partei Chinas, die in dieser Zeitung veröffentlicht wurde.

 

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