DDR einst und China heute:
Er war ganz angetan von diesem deutschen Film, der in China verboten ist. Hu Jia folgte den Dialogen und rief aufgeregt: ‚Ist das nicht genau die Realität bei uns?‘ In dieser Nacht schauten wir uns zu Hause die DVD des Films ‚Das Leben der Anderen‘ an, während die Stasi, die uns überwachte, draußen im Treppenhaus auf uns lauerte. Der Film ist so real wie das Leben.“ Hu Jias Frau Zeng Jinyan spricht in einem im Internet veröffentlichten Artikel eine klare Sprache.
Die Stasi hörte ab, bringt Über­wachungskameras an, bedroht das Leben der Familienangehörigen, verfolgt die Künstler, kontrolliert Briefe, fotografiert, belästigt sexuell. Die Atmosphäre in der Ex-DDR war bedrückend, voller Spitzel auf der Straße, „für das Volk“, „für die Staatssicherheit“: „Auf welcher Seite bist du?“
Die Vorgehensweise der kommunistischen „Volkspolizei“ und der Geheimagenten ist Hu Jia nur zu gut bekannt. Er wurde mehrmals von den Pekinger Geheimpolizisten als Geisel genommen, über ein halbes Jahr gefangen gehalten. In dieser Zeit wurde auch seine Frau bedroht, verfolgt und überwacht. „Ich weiß, wenn sie an die Tür klopfen, bedeutet das, dass sie mich mitnehmen wollen“, sagte Hu Jia der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Peking.
"Das Leben der Anderen": Der Theaterschriftsteller Georg Dreyman und seine Freundin Christa-Maria Sieland sind mit der SED-Staatsmacht der DDR konfrontiert. Weil er sich in Christa-Maria verliebt hat, möchte Minister Hempf mittels Stasi Dreyman aus dem Weg räumen. Die Loyalität des Abhörspezialisten Wiesler, der auf das Paar angesetzt ist, wird auf die Probe gestellt.
Der oscarprämierte Film ist im kommunistischen China verboten. (Foto: Buena Vista Home Entertainment, Inc.)

Hu Jia und „Das Leben der Anderen“

Von 8. Januar 2008 Aktualisiert: 8. Januar 2008 19:08
Chinesischer Menschenrechtsaktivist über den DDR-Film: „Ist das nicht genau die Realität bei uns?“

Am 27. Dezember 2007 gegen 15 Uhr brach plötzlich die laufende Unterhaltung via Skype zwischen Hu Jia und seinem Freund, dem chinesischen Menschenrechtsaktivisten Qi Zhiyong, ab. Seit diesem Nachmittag kann Qi seinen Freund nicht mehr erreichen, weder online noch telefonisch. Hu verschwand für die Außenwelt.

„Dutzende Polizisten öffneten auf eine ganz besondere Weise die Wohnung von Hu Jia im Bezirk Tongzhou in Peking. Sie waren so leise, dass Hu und seine Frau Zeng sie gar nicht bemerkt hatten. Zeng war gerade damit beschäftigt, ihre einmonatige Tochter zu baden. Plötzlich sah sie einen fremden Mann in ihrem Schlafzimmer.“ Die Details der Festnahme von Hu Jia gelangten aus zuverlässiger Quelle sieben Tage später an die Außenwelt. Die Wohnung wurde komplett durchwühlt, Computer, Faxgerät, Videokamera und -rekorder, Bücher, das Telefonbuch und anderer Hausrat wurden mitgenommen. Seine Frau wurde zur Kooperation mit der Polizei aufgefordert, da ihre kleine Tochter sonst einer „möglichen Gefahr“ gegenüberstünde. Als die Geheimpolizei Hu Jia an diesem eiskalten Wintertag in Peking mitnahm, trug er weder Jacke noch Schuhe.

Hu Jia wurde als „hartnäckiger“ Bürgerrechtler diesmal „dem Strafprozessrecht entsprechend“ festgenommen, sagen dazu Menschenrechtsgruppen. Am Tag nach seiner Festnahme hätten sechs Polizisten Frau Zeng in deren Wohnung „die Mitteilung der Festnahme nach dem Strafrecht“ vorgelegt, mit dem Vorwurf der „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“.

Dies deute darauf hin, dass mit Hu Jia kurzer Prozess gemacht werden soll, um ihn noch vor den Olympischen Spielen im Sommer hinter Gittern verschwinden zu lassen. Weil er sich für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzt, ist Hu Jia der kommunistischen „Volkspolizei“ und den Geheimagenten nur allzu gut bekannt. Er wurde von den Pekinger Geheimpolizisten in den vergangenen Jahren mehrere Male verhaftet und über ein halbes Jahr gefangen gehalten.

Nach neuesten Informationen befindet sich Hu jetzt im Untersuchungsgefängnis im Pekinger Bezirk Chaoyang. Seine Frau und seine  Schwiegermutter stehen unter strenger Überwachung. Alle Kontakte mit der Außenwelt sind abgeschnitten. In einer Botschaft an seine Frau bat er um etwas Geld und ein Foto seiner sechs Wochen alten Tochter. Frau Zeng macht sich große Sorgen um die Gesundheit ihres Mannes. Sie bezweifelt nämlich, dass er lebensnotwendige Medikamente für seine Lebererkrankung wirklich jeden Tag bekommt.

Rückmeldungen im Internet zu Hu Jias Verhaftung:
„Hu Jia ist ein frommer Buddhist, der beim Laufen keine Ameise zertritt. Er ist derjenige, der seit dem Massaker am 4. Juni 1989 kein Fleisch essen will. Er ist der kleine 34jährige Bürger aus Peking, der lieber auf seine gute Arbeit als Redakteur beim Pekinger Fernsehen verzichtete und sich ehrenamtlich elf Jahre für Chinas Umweltschutz einsetzte. Er ist der Vorläufer der Verhütung und Bekämpfung der Aidskrankheit in China. Er ist der Menschenrechtler, der sich für Zwangsumgesiedelte, Petitionen einreichende Bürger und alle sozial Schwachen einsetzt.“

Mehr über das Thema:

Staatsfeind oder Freund des Volkes?
Wie Chinesen über die Verhaftung des Bürgerrechtlers Hu Jia denken

China ein Rechtsstaat?

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Printausgabe Nr. 2



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