Eine Münze landet als Glücksbringer im Maul eines Löwen vor einem Tempel. AP Photo/Eugene Hoshiko

Kluft zwischen Arm und Reich gefährdet Stabilität in China

Von 26. Januar 2012 Aktualisiert: 26. Januar 2012 1:09

Am 18. Dezember 2011 veröffentlichte die Apple Daily, Hongkong, einen Artikel von Lin Heli mit dem Titel „Die Weltkonjunktur ist schlecht, die Zukunft der Kommunistischen Partei Chinas, KPCh, ist gefährdet“. In dem Artikel wurde vorausgesagt, dass der Volksaufstand in Wukan nur die Ouvertüre für landesweite große Unruhen im kommenden Jahr sei.

Seine Voraussagen scheinen zuzutreffen. Allein in den ersten beiden Januarwochen wurden bereits zwei größere Unruhen in China gemeldet. Am 1. Januar 2012 gab es in der Stadt Anyang in der Provinz Henan einen großen Protest mit über 10.000 Teilnehmern. Am 13. Januar streikten in der Provinz Jiangxi mehrere Tausend Arbeiter.

Es bleibt ein unruhiges Gefühl

Die Unzufriedenheit des chinesischen Volkes lässt sich durch die extrem gespaltene Gesellschaft in China erklären. Lee Kuan Yew, der erste Premierminister des Stadtstaats Singapur sagte in einem Interview mit der Zeitung „The Economic Observer“ im September 2011: „Die größte Herausforderung, der China gegenübersteht, ist die Kluft zwischen Arm und Reich.“

Der Gini Koeffizient wird häufig als Index für die Einkommensverteilung eines Staates verwendet.  Normalerweise wird ein Gini-Koeffizient von 0,4 als Warnsignal betrachtet. Ein Artikel von Sun Xiaoji vom 24. Oktober 2011 auf der Webseite bwchinese.com verkündet, dass der Gini-Koeffizient von China bereits im Jahr 2000  0,4 betrug und eine steigende Tendenz aufwies. Danach veröffentlichte die Regierung den Gini-Koeffizienten nicht mehr.

Sun Xiaoji ist der Meinung, dass die Regierung die Daten nicht mehr veröffentlicht, um zu vermeiden, dass die Zahlen von „Menschen mit bösen Absichten“ missbraucht werden. Er fügte seinem Artikel hinzu: „Nachdem die Daten und Fakten weggelassen wurden, ist nur ein Gefühl übriggeblieben, ein unruhiges Gefühl. Denn nachdem die Wahrheit weggewischt worden ist, weiß niemand mehr, wann wo und wie das Problem ans Licht kommen wird.“

Erschreckende Zahlen

Obwohl die Zahlenwerte des Gini-Koeffizienten nicht mehr veröffentlich werden, versuchen viele die tatsächlichen Umstände mit Hilfe anderer Daten einzuschätzen. So wurde zum Beispiel am 18. Juli 2011 im Mikroblog Wangyi ein Artikel mit dem Titel „Wie groß ist in China die Kluft zwischen Arm und Reich?“ veröffentlicht. In diesem Artikel wurden Daten des Finanzministeriums verwendet, um das Problem zu beschreiben. Es wurde geschrieben, dass die ungleiche Verteilung der Einkommen in China direkt zu verschiedenen Konflikten führe.

Das Finanzministerium gab bekannt, dass nachdem der Grundfreibetrag der Einkommensteuer ab dem 1. September 2011 von 2.000 Yuan [etwa 200 Euro] auf 3.500 Yuan gestiegen war, die Anzahl der Steuerzahler von 84 Millionen auf 24 Millionen gesunken sei. Nach dieser Information haben nur sechs Prozent aller Chinesen einen monatlichen Lohn von mehr als 2000 Yuan und 1,8 Prozent aller Chinesen einen monatlichen Lohn von mehr als 3500 Yuan. Nach Meinung des Autors befinden sich mindestens 300 Millionen Chinesen unterhalb der Armutsgrenze, die gemäß der Definition der UNO 1,25 US-Dollar proTag beträgt.  Gemäß dem „Bericht über den privaten Reichtum Chinas 2011″, den die China Merchants Bank in Zusammenarbeit mit Bain & Company veröffentlichte, beträgt das mögliche private Investitionsvolumen in China 72 Billionen Yuan bei einer Bevölkerungszahl von etwa 1,34 Milliarden Menschen.

Die chinesische Regierung wird durch die schlechte Konjunktur gefährdet

Angesichts der extrem ungleichmäßigen Verteilung des Reichtums ist es nahezu ein Wunder, dass die politische Situation in China so lange einigermaßen stabil geblieben ist. Lin Heli erklärte in seinem Artikel, dass der Grund für diese Stabilität im seit 20 Jahren andauernden starken Wirtschaftswachstum liege. Obwohl ein Großteil des Reichtums im Besitz weniger Machthaber sei, erleben die Bauern und Arbeiter eine langsame Verbesserung, da „der Kuchen immer größer wurde“. Mit dem Nachlassen der Konjunktur sei die Existenz dieser Bauern und Arbeiter direkt bedroht. Es wäre verwunderlich, wenn es keine Unruhen gäbe.

 



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