Mit dreißig Geheimagenten im öffentlichen Bus

Von 8. März 2006 Aktualisiert: 8. März 2006 14:37
Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng über seine Erlebnisse am 6. März 2006 in Peking

Heute ist der 19. Tag, nach der Entführung von Ouyang Xiaorong (mein Mitarbeiter) durch die KP. Diese Art von Verbrechen wird von der KP-Diktatur ohne Ende fortgeführt.

Ein Rechtsanwalt mit Gewissen, Rechtsanwalt Wang aus der Provinz Shandong, kam nach Peking, um mit der Polizei zu verhandeln, nachdem er gehört hatte, dass ich von Polizisten weggebracht wurde. Als er erfuhr, dass ich bereits wieder freigelassen war, wollte sich dieser mutige junge Mann unbedingt mit mir treffen. Ich warnte ihn vor der lauernden Gefahr. „Eine Verhaftung ist keine Gefahr“, meinte er, „wir würden gerne sehen, wie viele Menschen überhaupt in ihre Gefängnisse rein passen“.

Kurz nach unserem Treffen wurde dieser junge Rechtsanwalt doch von den Geheimagenten entführt und in die Polizeistation des Pekinger Hauptbahnhofs verschleppt. Gestern habe ich diese Nachricht erhalten. In der Regel werden die Leute, die sich mit mir treffen, nach drei bis zwölf Stunden freigelassen. Nachdem ich RA Wang heute morgen nach mehrfachen Versuchen immer noch nicht über sein Handy erreichen konnte, habe ich mich entschlossen, zum Amt für Öffentliche Sicherheit [Anm. d. dieses Amt entspricht dem deutschen Polizeipräsidium], zu gehen, um seine Freilassung zu fordern.

Um 8:43 Uhr verließ ich das Haus, mein Handy ließ ich zu Hause liegen. Für die Fahrt zum Pekinger Hauptbahnhof nahm ich den Bus. Kaum stieg ich in den Bus ein, folgten mir knapp 30 Geheimagenten! Für mich war es die erste Fahrt mit Geheimagenten in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Erstaunlicherweise haben sich alle diese 30 Geheimagenten wie arabische Frauen das Gesicht mit Schals bedeckt. Nur ihre Augen waren zu sehen. Ich hörte manche Fahrgäste sagen: „Was ist denn das für ein Tag heute! Es ist doch so warm. Wieso müssen diese kräftigen Männer ihre Gesichter bedecken?!“ Keiner hat dieses Szenario richtig verstanden.

Um 11:40 Uhr erhielt ich Nachricht von der Freilassung von RA Wang. In Begleitung der Männer, die ihre Gesichter immer noch nicht zeigen wollten, fuhr ich nach Hause. Auf der Treppe zu meiner Wohnungstür standen drei Geheimagenten, mit provozierendem Blick. Zwei davon stehen seit 100 Tagen vor der Haustür. Diese Szene ist längst zum Bestandteil meines Alltagslebens geworden. Als ich die Tür öffnete, stürmten die drei Geheimagenten auch hinein. Heute war meine Frau zehnmal so gut wie ich. Völlig überrascht hörte ich meine Frau laut rufen „UNVERSCHÄMT!“. Schon wurden die drei überraschten Geheimagenten aus der Tür gestoßen. Ich wäre beinahe umgefallen. Die drei Geheimagenten ergriffen die Flucht, meine Frau jagte sie sogar die Treppe runter bis zur Haustür. Drei Geheimagenten, die sich eben noch vor nichts zu fürchten schienen, sind im Nu verschwunden.

Die KP hat sich in diesen Tagen wirklich reichlich Gedanken darüber gemacht, wie sie meine Familienangehörigen stören und ihnen Angst einjagen kann. Jeden Tag gibt es etwas Neues. Die immer gleich bleibende Regel ist ihre Unverschämtheit und Unrechtmäßigkeit. Überall unter den Menschen gilt heute das allgemeine Prinzip, dass die Privatsphäre nicht verletzt werden darf. Aber in China lässt diese schurkische Regierung keinerlei Respekt gegenüber der Privatsphäre walten, obwohl sie diesen allgemein gültigen Wert schon längst in ihre Verfassung aufgenommen haben. Dieses Verhalten zeigt, dass die reaktionären Kräfte in der KP vor nichts mehr zurück schrecken, wenn es darum geht, meine Familie unter Druck zu setzen. Die Einschüchterungsakte sollten bis in meine Privatwohnung ausgedehnt werden. Die reaktionären Kräfte der KPC haben Rekorde zu verzeichnen in ihren Verbrechen gegen die menschliche Zivilisation und gegen die Menschlichkeit.

Als ich wieder ins Büro fahren wollte und zum Parkplatz ging, standen sechs Geheimagenten im Kreis, rempelten mich an und blockierten mir den Weg.

Ich hätte mir nie vorstellen können, was sie dann zusammen riefen: „Eins, Zwei, Drei, fuck your mom!“ Der Vorgang dauerte ganze sieben Minuten. Ich versuchte in Ruhe mit ihnen zu reden. Der Schmerz in mir ist unvorstellbar groß, denn heute vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Heute ist ihr Gedenktag. Ich fragte die jungen Männer: „Ihr seid jung. Habt ihr nicht eine eigene Ansicht zu diesen Vorgängen? Ist das Bestandteil eurer Arbeit?!“ Sie wiederholten jedoch nur die Schimpfworte.

Nach eingegangenen Informationen sind heute vier weitere Personen, die mich besuchen wollten, verhaftet worden.

Mittags wollte mich ein japanischer Journalist interviewen. Er wurde in den unten stehenden Polizeiwagen gebracht und dort befragt. Ihm wurde gesagt, „laut Anweisung des Amtes für Öffentliche Sicherheit der Stadt Peking ist für Interviews mit Gao Zhisheng eine Genehmigung dieser Behörde erforderlich.“

Um 16:00 Uhr erhielt ich die Nachricht, dass mein Geschäftspartner, Rechtsanwalt Wang Xinguo, gestern aus der Provinz Xinjiang zurück nach Peking kam. Als er in mein Büro fahren wollte, wurde er von der Polizei entführt. Ohne Haftbefehl wurde RA Wang Xinguo 12 Stunden lang verhört, die ganze Nacht über. Wang Xinguo hat keine Wohnung in Peking. Er übernachtet in meinem Büro. Wie er erklärt, fand er kein Gehör bei den Polizisten. Ihm wurde wiederholt gesagt: „Entweder du verlässt Gao Zhisheng oder du wirst was erleben. Keine Diskussion.“

Nachdem RA Wang die Polizeistation verlassen hat, hat er keine Bleibe mehr um zu übernachten.

Der Menschenrechtsstandard, den die KP den chinesischen Bürgern aufgezwungen hat, ist der unverschämteste Standard der Menschenwelt. Sie nennen diesen Standard Existenzrecht, das bedeutet, selbst die Existenz ist ein durch Gnade zuerkanntes Recht eines Menschen. Selbst dieses Recht wird verletzt, wenn der KP danach zumute ist. In der letzten Zeit haben die reaktionären Kräfte der KP ihre Willkür ins Extrem getrieben.

Sie scheuen sich vor keinem Mittel, um meine Familie zu verfolgen. Menschen mit gesundem Verstand werden es wohl schwer begreifen können: selbst wenn meine ganze Familie verhungert ist, wird die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen sein? Das kann doch nicht möglich sein. Ihr Verhalten kann man einfach nicht verstehen. So wie heute, als sie mich beschimpften, sagte ein älterer Mann ganz laut zu ihnen: „Was macht ihr denn da? Wer hat keine Mutter? Wozu denn das ganze? Was habt ihr denn davon?“ Kaum war der Satz zu Ende gesprochen, schon sind die jungen Männer alle davongelaufen.

Lasst es uns beherzigen, in der menschlichen Geschichte existiert noch ein solches System. Lasst uns das beherzigen.

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