Hauptsache, materielle Sicherheit: Chinas junge Singles stehen wie nie zuvor unter Heiratsdruck.Foto: MARK RALSTON/AFP/Getty Images

Neujahrsfeiertage reinster Psycho-Stress für Chinas Singles

Von und 10. Februar 2014 Aktualisiert: 10. Februar 2014 17:16

„Hattest Du an Neujahr auch Blind Dates?“ ist derzeit die Trend-Frage Nummer 1 im chinesischen Internet. Viele junge Chinesen fanden die Neujahrsfeiertage „stressiger als Arbeit“ – weil ihre Eltern für sie einen Marathon an Blind Dates arrangiert hatten – mit dem Ziel, für ihren Nachwuchs den passenden Mann oder die passende Frau zu finden.

Der Heiratsdruck auf Chinas Singles ist keineswegs ein traditionelles Relikt: Die Unsicherheit, mit der die Chinesen derzeit in die Zukunft blicken, verschärfte ihn in den vergangenen Jahren. Die Sorge um die materielle Absicherung steht dabei an erster Stelle.

5 Blind Dates pro Tag

Zum Beispiel die 20-jährige Jin Juan aus der südchinesischen Provinz Guangdong: Wie Millionen anderer Wanderarbeiterinnen reiste auch sie über die Feiertage in ihr Heimatdörfchen in der Provinz Henan Province zurück. Am 3. Februar hatte sie dort fünf Blind Dates hintereinander und auch noch an darauffolgenden Tagen einen vollen Terminkalender. Dies berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

“Als ich den fünften Jungen getroffen hatte, konnte ich mich kaum noch daran erinnern, wie der erste aussah”, wurde Jin zitiert.

In Chinas Großstädten ist Anfang 20 immer noch ein frühes Heiratsalter, auf dem Land schlagen Eltern jedoch bereits Alarm, falls ihr Kind noch ledig sein sollte.

Verlobt nach zwei Treffen

Auch der 21-jährige Wang Tao hatte seit dem 1. Februar zwei bis drei Verabredungen täglich. Nun ist er verlobt mit einem Mädchen, das er nur zweimal getroffen hat.

“Ich mochte eines der Mädels, die ich getroffen hatte. Also haben wir uns noch mal verabredet und uns gut unterhalten. Jetzt sind wir verlobt”, sagte Wang laut Xinhua. “Meine Eltern sind jetzt entspannt und ich gehe in ein paar Tagen zum Arbeiten in die Stadt zurück.”

Blind Dates mit anschließenden Blitz-Hochzeiten sind im ländlichen China heutzutage nichts ungewöhnliches, die chinesischen Medien nennen sie “Liebe und Hochzeit im ländlichen Stil“.

“Meine Partnerin in meiner Heimatstadt zu finden, ist die realistischste Wahl,” soll Wang gesagt haben. Für die meisten Wanderarbeiter ist das chinesische Neujahr die einzige Chance, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen – weshalb die Eltern stark daran interessiert sind, dass auch die künftigen Schwiegerkinder aus ihrer Stadt kommen.

„Seelische Folter“

Aber nicht nur in ländlichen Gefilden sorgen sich Chinas Eltern um ihre Kinder, auch in Chinas Großstädten verschärft sich der Trend: Frau Zhong, 25, schloss letztes Jahr ihre Studien ab. Heiraten war bisher bei ihrer Familie nie Thema gewesen, dieses Jahr änderte sich das. Völlig unerwartet wurde sie von Eltern und Verwandten mit Fragen und Ratschlägen bombardiert: „Hast du einen Freund?“, „Welche Art Männer magst du?“ und „Sei bloß nicht zu wählerisch!“, berichtete Beijing Youth Daily.

„Dieses Jahr war Neujahr die reinste Folter“, sagte Zhong. “Falls das nächste Jahr wieder so läuft, werde ich Angst vor dem Nachhausefahren haben.”

Am besten unauffällig ins Krankenhaus …

Manche chinesischen Singles reagieren mit Kontaktabbruch, um sich vor dem Heiratsdruck und dem damit verbundenen Psycho-Stress zu schützen.

So brachte die chinesisch-sprachige Zeitung Melbourne Daily am 14. Januar als ganzseitige Anzeige auf ihrer Titelseite den Brief einer chinesischen Mutter an ihren Sohn, der sich wegen des zu starken Heiratsdrucks weigerte, an Neujahr nach Hause zu fahren.

Darin hieß es “Mama und Papa werden Dich nicht mehr dazu zwingen, zu heiraten. Bitte komm an Neujahr nach Hause!” Auch klagte die Mutter darin, ihr Sohn würde nicht mehr ans Telefon gehen.

Um dem gefürchteten Familientreffen aus dem Weg zu gehen, soll eine 29-jährige Karrierefrau aus Wuhan sogar so weit gegangen sein, Ärzte mit Tränen in den Augen darum zu bitten, sie für ein paar Tage im Krankenhaus aufzunehmen.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion