Schöne Weihnachten in China?

Von 20. Dezember 2006 Aktualisiert: 20. Dezember 2006 23:21

Um es vorweg zu nehmen: Natürlich werden sich viele Chinesen an Weihnachten freuen. Die Geschäfte werden auch in China weihnachtlich geschmückt sein, in den Straßen werden sich nicht wenige gut betuchte Städter dem Kaufrausch hingeben, den Kopf mit einer Nikolausmütze bedeckt, dessen Sternchen im Dunkeln blinken.

Hat das mit Weihnachten zu tun? Gegenfrage: Was ist Weihnachten in Deutschland? – Ach so, ein christliches Fest! Das ist es bei Zehn Millionen Chinesen ebenso. In verschiedenen Wellen kam das Christentum seit der Tang-Dynastie (618 – 907), also ungefähr der Karolingerzeit in Deutschland, nach China. Christen, teils verfolgte, teils respektierte Minderheit, sind ein Bestandteil der chinesischen Gesellschaft geworden. Und diese Minderheit feiert ihr „Shèngdànjié“, ihr Weihnachtsfest.

Die St. Josefskirche in Fuzhou, Provinz Fujian, im Jahr 1997. (Die St. Josefskirche in Fuzhou, Provinz Fujian, im Jahr 1997. (Foto: www.freechurchforchina.org)

Kirche unter KP-Vormundschaft

Im Rahmen des politisch Geduldeten treffen sich die Gläubigen in den Kirchen der „Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken“ oder der protestantischen „Drei-Selbst-Bewegung Patriotischer Chinesen“, die unter Staatsverwaltung für Religionsangelegenheiten stehen. Natürlich wählt diese Behörde die Priester aus und gibt Glaubensinhalte vor in einem Land, in dem alles unter Vormundschaft der atheistisch geprägten Kommunistischen Partei Chinas steht.

Wer das nicht mitmacht, wird als Angehöriger einer „Sekte“ oder eines „üblen Kultes“ verfolgt und gilt als Straftäter. Doch schießen Untergrundgemeinden wie die Pilze aus dem Boden. Gerade wurde bekannt, dass vor drei Wochen eine „Hauskirche“ in Laodong Xincui, einem Dorf, das zur Stadt Tongling in der Provinz Anhui gehört, geschlossen wurde. Den 200 Gläubigen wurde mitgeteilt, sie sollten in die örtliche Drei-Selbst-Kirche gehen. Solche Kirchenschließungen sind in der Regel mit Zerstörung und Verhaftungen verbunden. Oftmals haben die gerade verhafteten Priester und Gläubigen schon Haftstrafen wegen ihres Glaubens hinter sich, sei es in den 50er Jahren, in der Kulturrevolution oder in der heutigen „liberalen Zeit“ seit Deng Xiaopings Machtübernahme 1976. Weil diese Gläubigen wegen ihrer Vorstrafen als Verbrecher stigmatisiert sind, fällt es den Behörden leicht, sie jederzeit zu drangsalieren.*

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Die St. Josefskirche in Fuzhou nach ihrer Zerstörung im Jahre 2000. (Die St. Josefskirche in Fuzhou nach ihrer Zerstörung im Jahre 2000. (Foto: www.freechurchforchina.org)

Sechs vatikantreue Bischöfe, 23 Priester und eine unbekannte Zahl von Gläubigen sind auf katholischer Seite in Haft. Auch die Zahl verhafteter Christen, die protestantischen Hauskirchen angehören, ist nicht zu ermitteln.

m Gegensatz zu Chinas korrupten Partei-Kadern, für die Weihnachten bedeutet, ein Bankett mehr zu genießen, werden viele Christen ihr Weihnachtsfest in überfüllten Gefängniszellen nach Misshandlungen und erschöpft durch Zwangsarbeit als schmerzliche Zeit durchleben. Einer von ihnen ist der Protestant Gao Zhisheng, der sich als Anwalt konsequent für die Menschenrechte einsetzte und dafür büßen soll. Fröhliche Weihnachten kann es für ihn nur geben, wenn China ein freies Land ist.

*Die Gläubigen in den Untergrundkirchen gelten bei den Behörden als Straftäter. Die Straftat besteht in der Zugehörigkeit zu einer nicht genehmigten Religionsgemeinschaft, die als übler Kult bezeichnet wird. Wurde man einmal früher deshalb bestraft, so verschärft die Existenz der Vorstrafe die neue Bestrafung. Bestraft wird nicht durch ein Gericht, sondern meist durch eine Behörde zur Umerziehung durch Arbeit aufgrund einer Anzeige durch die Staatsverwaltung für Religionsangelegenheiten.
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