Stecken politische Kräfte hinter den japanfeindlichen Protesten in China?

Von 17. September 2012 Aktualisiert: 17. September 2012 16:17

Ein gewöhnlicher chinesischer Patriot führt eine Demonstration gegen Japan an mit einer kugelsicheren Weste und polizeitypischen Kopfhörern. Ein Polizeibeamter führt Demonstrationen gegen Japan an und stachelt die Menge mit einem Lautsprecher an: „Schlagt die niederträchtigen Japaner!“ Was hat das zu bedeuten?

Im Internet sind Informationen aufgetaucht, dass zumindest einige der japanfeindlichen Proteste, die in der letzten Woche über China hinweggeschwappt sind, bewusst organisiert waren. Seitdem sind chinesische Internetnutzer sehr daran interessiert zu erfahren, wer hinter all dem steckt.

Seit letzter Woche und vor allem am Wochenende, sind die Protestaktionen gegen Japan in China eskaliert.

Der unmittelbare Auslöser für die Protestwelle war die Ankündigung Japans, die Senkaku Inseln zum Staatseigentum zu machen. Die Senkaku-Inseln sind eine Ansammlung von felsigen Inseln im Ostchinesischen Meer, die China für sich beansprucht.

Die Japaner hatten in einer Pressekonferenz durch Regierungssprecher Osamu Fujimura verkünden lassen, dass sie die Inseln von einem privaten japanischen Besitzer am 10. September kaufen werden, „um die friedliche und stabile Aufrechterhaltung der Verwaltung zu garantieren.“

Trotz der fehlenden Zustimmung der chinesischen Offiziellen zu den territorialen Ansprüchen der japanischen Regierung an den Senkaku Inseln, und vor allem mit dem kühnen Schachzug sie formal zu erwerben, haben im Internet viele ihre Bestürzung über die dann losbrechenden gewaltsamen Reaktionen der Chinesen zum Ausdruck gebracht.

Japanische Autos wurden zerstört, zertrümmert, in Brand gesteckt und umgestürzt. Japanische Restaurants und Supermärkte wurden geplündert. In einem Fall wurde einem Japaner eine Schüssel mit heißen Nudeln ins Gesicht geworfen und Massenproteste füllten die Straßen.

Aber Spürnasen im Internet stellen Fragen.

Organisierter Protest

Einige Spürnasen im Internet sagen, dass hier möglicherweise eine Verschwörung im Gange sei. Dabei machen sie auf Männer aufmerksam, die Polizeibeamte und Beamte unter Kontrolle der KPCh zu sein scheinen und die Proteste anführen.

Internetnutzer behaupten, dieser Mann trage eine kugelsichere Weste und benutze polizeitypische Kopfhörer bei japanfeindlichen Protesten in China.Internetnutzer behaupten, dieser Mann trage eine kugelsichere Weste und benutze polizeitypische Kopfhörer bei japanfeindlichen Protesten in China.Foto: Screenshot-Ausschnitt/Weibo.com

Internetnutzer haben sich auf einen Fall konzentriert, bei dem ein Mann etwas trägt, von dem sie glauben, dass es eine kugelsichere Weste und ein Kopfhörer der Polizei ist. Aber abgesehen davon, gibt es auch andere Beispiele, von denen die Internetnutzer sagen, dass sie verdächtig nach Regierungsbeteiligung aussehen.

Einer der Protestführer wurde als Zhu Gu identifiziert, ein Mitglied der KPCh und der Leiter einer Polizeistation in Xi’an. Als ein zusammengesetztes Bild von dem Mann bei den Protesten und ein Bild des Beamten, auf denen die Ähnlichkeit erkenntlich ist, auf dem beliebten Microblog-Anbieter Sina Weibo gepostet wurde, wurde es prompt von den Internet-Zensoren gelöscht.

Ein Weibo-Nutzer schrieb: „Nehmt euch vor diesem Mann in Acht. Er ist der Haupt-Rädelsführer, der drei Autos auf der Huancheng South Road umgestürzt hat“ und verwies damit auf das Bild. Der Account des Autors dieser Zeilen wurde später gesperrt.

Huang Yu, ein Moderator bei TV South (Nanfang Dianshitai), veröffentlichte online seine eigene detaillierte Analyse der verschiedenen Protestteilnehmer. Der letzte Absatz listet „Polizisten in Zivil“ auf, die in Gruppen aufgeteilt wurden. In diejenigen, die die „Zerstörung aufzuhalten versuchten“ und diejenigen die „Dinge zerstörten“. Er sagte, „das chaotische Verhalten macht mich wütend.“

Laut dem World Journal, einer chinesischen Zeitung, die außerhalb Chinas erscheint, gab es Proteste in über 57 Städten in China.

Eine Reihe von Weibo-Nutzern merkte an, dass viele der Protestler keine Einheimischen waren, keine Bahnfahrkarte besaßen und nicht die einheimische Sprache beherrschten. Ein Einwohner von Guangzhou vermutete, dass sie von außerhalb stammen, um Schwierigkeiten zu machen.

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In vielen Städten hielten uniformierte Polizisten oder andere Sicherheitseinheiten den Anschein von Ordnung aufrecht, um die Protestler zu kontrollieren. Das steht im krassen Widerspruch zu dem üblichen Verhalten der chinesischen Behörden, die jeden Protest niederschlagen, der als regierungsfeindlich wahrgenommen wird.

Ein japanisches Auto wurde während der Proteste gegen Japan am 15. September umgeworfen.Ein japanisches Auto wurde während der Proteste gegen Japan am 15. September umgeworfen.Foto: AFP/Getty Images

Und im Gegensatz zu der unterstützenden Behandlung, die den japanfeindlichen Protesten zuteilwurde, erhielten von demokratischen Gruppen organisierte Proteste keine Zulassung.

Die Kommunistische Partei bewegt sich mit den Protesten auf einem schmalen Grat. Laut Huang Qi, dem Leiter der chinesischen Menschenrechts-Webseite 64tianwang.com versucht die Partei sicherzustellen, dass sie nicht von Gruppen vereinnahmt wird, deren Botschaft sich nicht mit der des Regimes verträgt.

„Sie sind besorgt, dass der Fokus der Proteste sich ändern könnte, wenn Dissidenten anwesend wären und die Proteste sich sogar gegen die Korruption von Beamten richten könnten“, sagte Huang Sound of Hope Radio.

Wie die BBC in einem Artikel vom 17. September berichtet, drosseln japanische Unternehmen bereits ihre Produktion in China. Das Unternehmen Panasonic will laut dem Bericht die Produktion in Qingdao bis zum 18. September ruhen lassen. Ein Sprecher von Panasonic sagte der BBC, dass sie das Geschehen über die nächsten zwei Tage beobachten werden. Weiterhin heißt es, dass laut Analysten japanische Firmen infolge der Geschehnisse in Zukunft möglicherweise nach anderen Möglichkeiten zur Expansion suchen werden.

Die unsichtbare Hand

Ein Nutzer von Weibo, der an die Anzeichen politischer Unruhen in China gewohnt ist, schrieb: „Erstens, wer kann bewaffneten Polizisten, Polizisten in Zivil und die öffentliche Sicherheit im ganzen Land kontrollieren? Zweitens, wer kann das Fernsehen im ganzen Land zum Schweigen bringen? Drittens, wer kann Sina Weibo kontrollieren und Beiträge löschen, sobald sie erscheinen? Dieser jemand muss derjenige sein, der hinter diesen gewaltsamen Vorfällen im ganzen Land steckt.“

Die hervorstechendste Theorie, wer dieser “jemand” ist, ist die, dass es sich um Hardliner im Sicherheits- und Propagandaapparat handelt, die mit dem früheren Führer Jiang Zemin in Verbindung stehen. Viele schulden ihren politischen Erfolg der Durchführung der Verfolgung der spirituellen Bewegung Falun Gong.

Einige Analysten und Insider wiesen jedoch darauf hin, dass die für den kommenden Führungswechsel im kommenden Herbst getroffenen Abkommen, die kürzliche Abwesenheit von Xi Jinping, den vermutlich nächsten Führer des Regimes, und der Streit mit Japan diesen Gruppen möglicherweise eine Möglichkeit gegeben hat, die Situation auszunutzen und nach mehr Macht zu greifen.

Chinesische Demonstranten veranstalten am 15. September eine anti-japanische Kundgebung vor der japanischen Botschaft in Peking.Chinesische Demonstranten veranstalten am 15. September eine anti-japanische Kundgebung vor der japanischen Botschaft in Peking.Foto: Lintao Zhang/Getty Images

Ein Artikel auf der chinesischen Dissidenten-Webseite Boxun beschrieb, dass Sicherheitsbeamte und Unterstützer des gestürzten Beamten Bo Xilai die Proteste unterstützten, um den 18. Parteikongress zu verzögern, um den Hardlinern mehr Zeit für Personalverhandlungen zu geben.

Xia Xiaoqiang, ein Kolumnist und Analyst der chinesischen Politik aus Washington D.C., sagte in Bezug auf diese Gruppe: „Ihr ultimatives Ziel ist es, die politische Position der Clique aufrechtzuerhalten, sodass für sie eine Möglichkeit gibt, die Macht zu übernehmen.“

Übersetzung und Mitarbeit: Tobias Hofmann

Artikel auf Englisch: Behind China’s Anti-Japan Protests, the Hand of Officials