Eine Frau mit Schutzmaske auf dem Campus der Columbia Universität in New York City.Foto: Jeenah Moon/Getty Images

Technologie Beschaffung: Peking wirbt über globales Netzwerk ausländische Spitzenwissenschaftler an

Von 27. August 2020 Aktualisiert: 26. August 2020 16:03
Peking hat ein globales Netzwerk aufgebaut, um Spitzenwissenschaftler aus den USA und anderen fortgeschrittenen Ländern anzuwerben. Das Ziel: Ausländische Technologie nach China zu transferieren.

Die Kommunistische Partei Chinas hat offenbar ein weltweites Netz von 600 Außenposten aufgebaut, um ausländische Experten und Wissenschaftler zu rekrutieren, die sich um den Erwerb fortschrittlicher Technologie bemühen.

US-Beamte haben davor gewarnt, dass Peking staatlich geförderte Rekrutierungspläne anwendet, um den Transfer amerikanischer Technologien und amerikanischem Know-how nach China zu erleichtern. Im Rahmen dieser Pläne werden ausländische Experten dafür bezahlt, in China zu arbeiten – einschließlich der Eröffnung von Labors und der Durchführung von Forschungsarbeiten an chinesischen Institutionen.

Ein Bericht des Think-Tank Australian Strategic Policy Institute (ASPI) beschreibt nun zum ersten Mal im Detail das umfassende globale System, das Peking nutzt, um Wissenschaftler in westlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen ausfindig zu machen und anzuwerben.

Die KP Chinas setzt mindestens 600 „Talent-Rekrutierungsarbeitsplätze“ auf der ganzen Welt ein, um ihre „Talent-Programme“ zu unterstützen, so der Bericht. In den USA gibt es demnach die meisten dieser Rekrutierungsarbeitsplätze – insgesamt 146. Andere technologisch fortgeschrittene Länder wie Deutschland, Australien, Großbritannien, Kanada, Japan und Frankreich haben ebenfalls jeweils Dutzende dieser chinesischen Außenposten.

Diese Standorte arbeiten im Auftrag der chinesischen Regierung, um Talente im Ausland aufzuspüren und anzuwerben, heißt es in dem Bericht.

China rekrutiert Zehntausende ausländische Fachleute

Die ersten Rekrutierungsstandorte wurden 2006 aufgebaut. Seitdem hat das KP-Regime die Errichtung solcher Außenposten drastisch beschleunigt, so der Bericht. Mehr als 115 der 600 identifizierten Standorte sind demnach allein im Jahr 2018 eingerichtet worden.

Zwischen 2008 und 2016 sind durch die KP Chinas fast 60.000 Fachleute aus Übersee rekrutiert worden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf offizielle Statistiken. Das KP-Regime führt mehr als 200 Talent-Rekrutierungsprogramme durch, von denen das bekannteste der „Plan der Tausend Talente“ ist.

Die Standorte werden in der Regel von lokalen Gruppen – wie Gemeinde-, Berufs-, Studenten- oder Unternehmensverbänden – betrieben, die laut dem Bericht von den chinesischen Behörden unter Vertrag genommen werden, um Personen anzuwerben. Die Verbände erhalten demnach für jede Person, die sie rekrutieren, zwischen 21.000 und 29.000 US-Dollar pro Jahr.

Überseebüros chinesischer Unternehmen beherbergen ebenfalls Rekrutierungsstandorte. Einer davon wurde im Konfuzius-Institut am University College Dublin, der größten Universität Irlands, eingerichtet, fügt der Bericht hinzu. Konfuzius-Institute sind von Peking finanzierte Sprachzentren. Sie stehen in der Kritik, der Kommunistischen Partei Chinas bei der Verbreitung von Propaganda und der Unterdrückung von Dissidenten in amerikanischen Schulen zu helfen.

Die Ergebnisse der Studie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die USA die Bemühungen seitens Pekings, sich durch die Anwerbung amerikanischer Talente Technologie zu beschaffen, stärker unter die Lupe nehmen.

Die Rekrutierung von US-Wissenschaftlern durch China, war mit ein Grund für die Auflösung des chinesischen Konsulats in Houston. Das gaben US-Beamte nach der Schließung des Konsulats im Juli bekannt. Das US-Justizministerium hat im vergangenen Jahr eine Reihe von Strafverfolgungen gegen chinesische und amerikanische Forscher angestrengt. Diese Wissenschaftler sollen ihre Verbindungen zu Peking verschwiegen haben. Zudem sollen sie auch die finanzielle Zuwendung aus China verschwiegen haben – obwohl sie gleichzeitig auch Bundeszuschüsse bezogen.

Spitzenwissenschaftler angeklagt

Anfang dieses Jahres wurde Charles Lieber, der ehemalige Vorsitzende des Fachbereichs Chemie an der Harvard-Universität, wegen Falschaussagen über seine Teilnahme am „Plan der Tausend Talente“ angeklagt. Lieber wird vorgeworfen, über einen Zeitraum von drei Jahren 2,25 Millionen US-Dollar an chinesischen Geldern erhalten zu haben.

Die Staatsanwälte bezeichneten Liebers Fall als „eine der ungeheuerlichsten Anklagen wegen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit einem Programm zur Anwerbung von Talenten“. US-Beamte sagten aus, dass Lieber seit 2008 Bundesmittel in Höhe von mehr als 15 Millionen US-Dollar erhalten habe. Lieber hat sich für nicht schuldig bekannt.

Obwohl die Teilnahme an chinesischen Talent-Programmen an sich nicht illegal ist, sind Forscher verpflichtet, ausländische Gelder offenzulegen, wenn sie sich um Bundeszuschüsse bewerben. US-Beamte haben die Universitäten aufgefordert, die Überprüfung von Interessenkonflikten und ausländischen Finanzierungsquellen zu verschärfen.

In dem Bericht hieß es: Viele der Einheiten sind von Agenturen eingerichtet worden, die dem United Front Work Department (UFWD) der KP Chinas unterstehen. Das UFWD koordiniert Tausende von Gruppen, um Operationen zur politischen Einflussnahme von außen durchzuführen, Dissidentenbewegungen zu unterdrücken, Informationen zu sammeln und den Technologietransfer nach China zu erleichtern. Eine Reihe anderer chinesischer Stellen ist demnach ebenfalls an der Einrichtung von Rekrutierungseinrichtungen im Ausland beteiligt, darunter Universitäten, staatlich geförderte wissenschaftliche Vereinigungen und Büros für ausländische Expertenangelegenheiten.

Dem Bericht zufolge nutzt das chinesische Militär dasselbe Netzwerk auch für die Rekrutierung von Talenten. Führende chinesische Forschungseinrichtungen, die der chinesischen Armee angeschlossen sind, und staatliche chinesische Rüstungsunternehmen rekrutieren beide aktiv ausländische Experten, heißt es. So hätte beispielsweise die Chinesische Akademie für Ingenieurphysik, die das Kernwaffenprogramm der Volksbefreiungsarmee leitet, ab 2014 über 50 Wissenschaftler über den „Plan der Tausend Talente“ rekrutiert.

Chinesischer Mitarbeiter stiehlt Daten von Tesla

Der Bericht hob auch hervor, wie die Bemühungen um die Anwerbung von Talenten mit Fällen von Wirtschaftsspionage zusammenhängen. Im Mai 2019 verklagte Tesla den ehemaligen Mitarbeiter Cao Guangzhi, weil er angeblich die Quellcode-Autopilotfunktionen des Unternehmens gestohlen hatte. Das geschah, bevor er sich einem rivalisierenden Startup, dem in Guangzhou ansässigen Unternehmen Xiaopeng Motors, anschloss.

Cao gestand später, die Dateien auf seine iCloud hochgeladen zu haben. Er bestreitet aber, dass seine Handlungen Tesla Schaden zugefügt hätten. Der Fall muss noch vor Gericht verhandelt werden.

Ein Jahrzehnt vor der Klage war Cao Mitbegründer der Association of Wenzhou PhDs USA, die von Anfang an eng mit den Behörden von Wenzhou zusammengearbeitet hat, so der Bericht. Wenzhou, eine Stadt südlich von Shanghai, ist ein Zentrum des chinesischen Handels und der chinesischen Produktion.

Die Vereinigung, die 2010 mit der Leitung einer Station für die Rekrutierung von Talenten beauftragt wurde, wuchs in wenigen Jahren auf mehr als 100 Mitglieder an und umfasste Ingenieure von Top-Tech-Firmen wie Google, Apple und Amazon, Akademiker aus Harvard und Yale sowie Mitarbeiter der US-Regierung, heißt es in dem Bericht.

Demnach half der Verband der Wenzhou-Universität auch bei der Rekrutierung eines Materialwissenschaftlers aus dem Argonne National Laboratory der US-Regierung.

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Beijing Leverages Global Network to Lure Top Scientists, Gain Technology, Report Says (deutsche Bearbeitung so)


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