„The Slaughter“: Eine Pekingerin erzählt: So begann vor 16 Jahren die Verfolgung von Falun Gong

Epoch Times20. Juli 2015 Aktualisiert: 20. Juli 2015 10:09

Sieben Jahre Recherche und Interviews mit über 100 Zeugen stecken in Ethan Gutmans Dokumentation "The Slaughter: Massenmorde, Organraub und Chinas geheime Lösung für sein Dissidenten-Problem“. Das Buch ist einerseits schockierender Zeugenbericht über Chinas geheimen Organhandel in all seinen Ausprägungen, andererseits ein packendes Stück Zeitgeschichte, welches die Verfolgung von Falun Gong in ihrer enormen Dimension, menschlichen Tragik und alltäglichen Routine beschreibt. Gutmann ist US-Amerikaner jüdischer Abstammung und interviewte sowohl Täter wie Opfer. Ihm gelang eine schonungslose Bestandsaufnahme ohne moralischen Zeigefinger.

Zum 16. Jahrestag des 20. Juli 1999 veröffentlicht EPOCH TIMES einen Ausschnitt aus „The Slaughter“, der den Beginn der Verfolgung von Falun Gong aus der Sicht einer jungen Pekingerin schildert:

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"Nach der Gründung des Büro 610 war die einzige Sache, die den Überraschungsangriff auf Falun Gong aufhielt, der Kalender der chinesischen Regierung. Er war bereits vollgepackt und wurde zusätzlich vom US-Bombardement auf Belgrad gestört, dem Zehn- Jahres-Gedenken des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens, dem Hongkong-Thema und Taiwan. Doch der späte Juli sah vielversprechend aus. Reisen und öffentliche Auftritte der obersten Führung wurden im Stillen begrenzt, und für die Titelseiten von People’s Daily am 21. Juli und 22. Juli wurden Füllartikel vorbereitet. Die Flexibilität im Timing sollte sich als nützlich erweisen, da am 19. Juli die interne Ankündigung des Falun Gong-Banns innerhalb der Parteiorganisationen durchsickerte. Um die unvermeidlichen Proteste zu vereiteln, nahm das Büro 610 seine Tätigkeit einen Tag früher auf.

Am Abend des 20. Juli schwärmten Agenten des BÖS [Büros für Öffentliche Sicherheit] in ganz China aus, um alle Falun Gong-Koordinatoren, die sie identifiziert oder durch Vor-Ort-Befragungen gefunden hatten, zu verhaften. Die Razzia dauerte bis zum frühen Morgen des nächsten Tages. Am Nachmittag, als einfache Praktizierende vor örtlichen Regierungsgebäuden in ganz China zu protestieren begannen, kehrten auch einige Praktizierende auf die Fuyou-Straße zurück. Zu ihnen gehörte auch Luo Hongwei, die frisch verheiratete Braut, die am 25. April erstaunt dem Swisch-Swisch der vorbeifahrenden Autos gelauscht und zugesehen hatte.

Der 21. Juli war wie der 25. April. Wir stellten uns auf der Straße auf und warteten darauf, dass ein Beamter käme, mit dem wir sprechen konnten. Doch es kam kein Beamter. Stattdessen kamen riesige LKWs, einer nach dem anderen, mit Polizeibeamten, die uns wegbrachten.“

In meiner Erinnerung waren es Busse, doch ich kam spät hin. Am Nachmittag des 21. Juli durchbrachen ein paar Berichte das Schweigen der westlichen Presse über die Geschehnisse in Zhongnanhai. Ich verließ mein Büro, lud meinen Fahrradkorb voll mit Reiseführern, damit ich wie ein verlorener Tourist aussah, und fuhr an den Polizeibarrikaden am oberen Ende der Fuyou-Straße vorbei. Ich sah vielleicht fünf oder sechs Busse. Sie waren alle gerammelt voll. Der letzte Bus wurde eine Minute lang von einer alten Frau aufgehalten, die ihre Arme wild herumschwenkte, um sich gegen die Polizisten zu wehren. Sie gaben den Versuch auf, einen Haltegriff anzuwenden, und stießen sie einfach durch die Tür hinein. Der Bus verschwand und die Polizisten setzten sich auf den Bordstein, um sich über ihre kalt gewordenen Essensboxen herzumachen.

Ich erwähne das nicht, weil ich hier einen besonderen Vorfall miterlebt hatte (in Wahrheit war das eine Routine-Vorgehensweise), sondern weil die chinesischen Behörden offiziell angaben, dass sie in ganz China bis zum 22. Juli nur hundertfünfzig Praktizierende festgenommen hätten. Ich weiß nicht, wie viele Busse oder „riesige LKWs“ zur Fuyou-Straße oder anderswohin in China gekommen waren. Doch in weniger als fünf Minuten war ich – wenn man annimmt, dass jeder Bus etwa vierzig Praktizierende mit sich nahm – allein in Zhongnanhai Zeuge von 200 Verhaftungen geworden.

Die wahren Zahlen müssen atemberaubend gewesen sein. Ich interviewte mehr als zehn Praktizierende, die – geografisch verstreut – vom 20. bis zum 22. Juli verhaftet worden waren. Sie alle berichteten, dass ihre örtlichen Internierungszentren nicht mehr in der Lage waren, mit dem Ansturm fertig zu werden. In jedem größeren städtischen Zentrum Chinas wurden Stadien in riesige Auffangbecken für Falun Gong-Praktizierende umgewandelt. In Harbin wurden beispielsweise über zehntausend Praktizierende festgenommen."

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Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann recherchierte 7 Jahre lang im Alleingang über Chinas blutiges Transplantations-Business und die Verfolung von Falun Gong.Enthüllungsjournalist Ethan Gutmann recherchierte 7 Jahre lang im Alleingang über Chinas blutiges Transplantations-Business und die Verfolung von Falun Gong.Foto: Florian Godovits

Weitere Auszüge aus „The Slaughter“ werden in den nächsten Tagen folgen!

Buchinfo:

Ethan Gutmann

The Slaughter. Massenmorde, Organraub und Chinas geheime Lösung für sein Dissidentenproblem“

448 Seiten, Deutsch von Florian Godovits.

Erschienen 2015 im GoodSpirit Verlag.

Als E-Book für 8,95 Euro und als Taschenbuch für 17,95 Euro erhältlich bei Amazon.

ISBN-10: 3862391051

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