Verhaftungswelle gegen Freunde und Familie des Menschenrechtsanwalts Gao Zhisheng

Einschüchterungskampagne seit sechs Tagen in ganz China
Titelbild
Gao Zhisheng mit seiner Frau und seinem zwei Jahre alten Sohn (Foto: The Epoch Times)
Von 21. August 2006
Gao Zhisheng mit seiner Frau und seinem zwei Jahre alten Sohn (Gao Zhisheng mit seiner Frau und seinem zwei Jahre alten Sohn (Foto: The Epoch Times)

Gao Zhisheng, inzwischen bekannt als „das Gewissen Chinas“, der Menschenrechtsanwalt, der unerschrocken für seine Landsleute gegen Chinas KP und ihren Machtmissbrauch eintritt, wurde vor sechs Tagen verhaftet und ist seitdem spurlos verschwunden.

Gao Zhisheng, der mit seiner Familie in Peking lebt, wurde am 15. August verhaftet. Er hatte sich zu einem Besuch bei seiner Schwester in der südlichen Provinz Shandong aufgehalten. Die Polizei war in die Wohnung der Schwester eingedrungen, hatte sie in ein Zimmer gesperrt, dem Anwalt eine Kapuze über den Kopf gestülpt und ihn mitgenommen. Gao hatte die Schwester und deren schwerkranken Mann besucht. Die Schwester steht seit der Polizeiaktion unter Schock, ihr Mann im Krankenhaus liegt im Sterben. Von Gao Zhisheng fehlt seitdem jede Spur.

Fünf Tage später, am 20. August 2006, gegen 12:45 Uhr Ortszeit, kamen Jiao Guobiao, ehemaliger Professor für Publizistik an der Peking Universität, und Teng Biao, Doktor der Rechtswissenschaften und Dozent an der Peking Universität für Politik und Recht, zur Wohnung des festgenommenen Rechtsanwalts Gao, um sich nach dem Verbleib von dessen Ehefrau und Kindern zu erkundigen. Sie wurden beide zur Xiaoguan Polizeiwache abgeführt. Ihre Handys wurden blockiert. Die telefonische Anfrage unseres Korrespondenten beantwortete ein Polizist der Polizeiwache: „Keine Ahnung, die zwei Personen gibt es nicht in der Xiaoguan Polizeiwache.“

Gegen 15:30 Uhr wurde Dr. Teng Biao jedoch wieder zu seiner Universität gebracht. Kaum hatte er dort mit unserem Korrespondenten gesprochen, wurde sein Handy erneut blockiert.

Heute, am 21. August, wurde Professor Jiao wieder frei gelassen. Er begab sich sofort zur Wohnung von Anwalt Gao und stellte fest, dass sich die Ehefrau und die beiden Kinder im Alter von zwei und 12 Jahren in der Wohnung befinden und unter direkter Kontrolle von Polizisten stehen, mit denen die Familie die Wohnung teilen muss. Eine Art Hausarrest, dessen Auswirkungen auf die Psyche insbesondere der Kinder nicht abzusehen sind.

Appell von Freunden und Kollegen

Menschenrechtler in China wenden sich mit der dringenden Bitte an die Außenwelt, von der KP-Führung ein sofortiges Ende dieses Umgangs mit Gao und seiner Familie zu fordern. Der Verhaftungsgrund, „Verdacht der Verwicklung in illegale Aktivitäten“, kann von niemandem ernst genommen werden, der den aufrichtigen Anwalt kennt. Er ist inzwischen in- und auch außerhalb Chinas bekannt und hoch angesehen. Guo Feixiong, Menschenrechtler und Freund von Gao, kommentierte: „Selbst im Krieg darf so etwas nicht geschehen. Nicht einmal damals beim „4. Juni“ [Studentenproteste im Jahr1989, deren Todesfälle das KP-Regime bis heute leugnet] haben sie den Angehörigen etwas angetan. Das Vorgehen von Hu [Jintao, chin. Präsident] und Wen [Jiabao, chin. Ministerpräsident] ist wirklich schlimm.“

Am 15. August war Rechtsanwalt Gao festgenommen worden. Am 16.August wurde bestätigt, dass seine Frau und Kinder sich in ihrer Wohnung aufhalten. Erst heute konnte man wieder Kontakt zu der Familie herstellen.

Ein anderer Menschenrechtsaktivist in Peking, Zhao Xin, wurde gestern von der Polizei zu einem „Gespräch“ abgeführt. Noch in der Nacht des gleichen Tages wurde er in seine Heimatstadt in der südchinesischen Provinz Yunnan gebracht. Man weiß nicht, was der Inhalt seines „Gesprächs“ mit der Polizei war. Es wird vermutet, dass es im Zusammenhang mit der Rettung von Rechtsanwalt Gao stand. Auch ein anderer Anwalt und Menschrechtsaktivist aus Peking, Ma Wendu, der Gao Zhisheng zweimal auf seinen Reisen begleitete, scheint ebenfalls verschwunden zu sein.

Die Familie hält zusammen

Gao mit seinem Sohn in den schönsten Stunden zuhause  (Gao mit seinem Sohn in den schönsten Stunden zuhause (Foto: The Epoch Times)

Ein Neffe von Gao Zhisheng, der ebenfalls kurzfristig festgenommen und am 18.August wieder freigelassen wurde, erzählte: Am Mittag des 16. August ging sein älterer Bruder zur Familie von Gao Zhisheng, um nach den Verwandten zu sehen. Kaum hatte er die Tür aufgemacht, hörte er den kleinen Sohn von Gao weinen. Aus der Wohnung sowie aus der gegenüberliegenden Wohnung des Nachbarn stürmten mehrere Polizisten in Zivil auf ihn zu und nahmen ihn fest. Er konnte gerade noch sehen, dass sich in der Wohnung von Gao Zhisheng mindestens 6-7 Polizisten in Zivil befanden.

Insgesamt drei Neffen von Gao Zhisheng sind von der Verfolgung ihres Onkels betroffen. Der älteste ist 24 Jahre alt, der zweite, Gao Xian, ist 19 Jahre alt und der jüngste ist erst 16. Als die beiden jüngeren Brüder am 16. August abends merkten, dass ihr ältester Bruder nicht nach Hause kam, gingen sie auch zur Wohnung von Gao Zhisheng, um ihn zu suchen. Auch sie wurden zur Xiaoguan Polizeiwache abgeführt. Dem einen von ihnen wurden mehrere Stunden lang Handschellen angelegt. Sie erhielten ein Abendessen. Ihre nächste Mahlzeit in der Polizeiwache erfolgte erst wieder nach zehn Stunden.

Der 19-jährige Gao Xian war sehr empört, aber auch ratlos: „Das geht zu weit. Mein Bruder ist erst 16 Jahre alt, und er wurde trotzdem von ihnen fast 48 Stunden lang festgehalten. Gestern Abend wollten wir nach der Tante sehen. Aber jeder Weg, der dorthin führt, wird von Zivilpolizisten überwacht. Sie kennen uns schon und lassen uns überhaupt nicht in die Nähe kommen. Wir können schon gar nicht in das Haus hinein.“

Sippenhaft in verschiedenen Provinzen

Ein Foto aus glücklichen Tagen,Gao mit Frau und Tochter.(Ein Foto aus glücklichen Tagen,Gao mit Frau und Tochter.(Foto: The Epoch Times)

Auch dem ältesten Bruder von Gao Zhisheng, der im Heimatdorf der Familie in der Provinz Shaanxi lebt, wurde in den letzten Tagen von der Polizei gesagt, dass sich er beim Weggang bei den Behörden zu melden habe.

Er erzählte: „Als unser Vater starb, war das dritte von uns Kindern [Rechtsanwalt Gao] erst zehn Jahre alt. Ich bin das älteste. Jetzt ist er in Not, wir können ihn doch nicht im Stich lassen? Aber was können wir wirklich dagegen tun? Wir sind doch machtlos.“ Der Bauer, der sein Leben lang nur mit der Scholle verbunden war, begann am anderen Ende des Telefons zu weinen. Er hatte weder über die derzeitige Situation seines Bruders noch über die von dessen Ehefrau und Kindern Nachrichten. Die Schwester in der Provinz Shandong hatte ihm lediglich unter Tränen erzählt: „Unser „Dritter“ [Gao] wurde von der Polizei geknebelt, meine Wohnung wurde auf den Kopf gestellt, meinen Kindern wurden die Handys weggenommen…“

Er habe schon, wie angeordnet, der lokalen Polizei in der Provinz Shaanxi mitgeteilt, dass er demnächst die noch unter Schock stehende Schwester in Shandong und deren im Sterben liegenden Mann besuchen werde. Als er am Telefon von der Rettungsaktion der Außenwelt für seinen Bruder Gao Zhisheng hörte, konnte er nur immer wieder „danke“ sagen. „Wir wissen gar nichts. Wir fragen uns, ob unser „Dritter“ noch lebt. Wenn Sie neue Information haben, sagen Sie uns bitte unbedingt Bescheid.“



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