Das stählerne "Vogelnest" während der Eröffnungsfeier am Freitag. (Axel Schmidt/AFP/Getty Images)

Vogelnest oder Vogelfalle

Von und 10. August 2008 Aktualisiert: 10. August 2008 14:52
Riesig, stahl-kalt und unglaublich kompliziert, so ist Chinas Nationalstadion mit dem Spitznamen „Vogelnest“ die perfekte Verkörperung des Landes unter kommunistischer Herrschaft. Die teuerste Arena der Welt erhielt mit mindestens 501 Millionen US-$ Kosten vom ersten Spatenstich an scharfe Kritiken.

Riesig, stahl-kalt und unglaublich kompliziert, so ist Chinas Nationalstadion mit dem Spitznamen „Vogelnest“ die perfekte Verkörperung des Landes unter kommunistischer Herrschaft. Ebenso wie China, erhielt die teuerste Arena der Welt mit mindestens 501 Millionen US-$ Kosten vom ersten Spatenstich an scharfe Kritiken.

Nationalstadion aus Sicherheitsgründen geschlossen

Am 24. Dezember 2003 begann der Bau des Vogelnestes. Acht Monate später, am 30. Juli 2004, wurde der Bau gestoppt und fünf Monate später wurde im Dezember mit einem verschlankten Design weitergemacht. Obwohl China ausländischen Medien bekannt gab, es wäre zur Vermeidung von unnötiger Verschwendung geschehen, enthüllte das, was in einigen chinesischen Medien erschien, noch eine andere Geschichte. Es kam heraus, dass der ursprüngliche Entwurf potentielle Sicherheitsrisiken barg.

Fehlerhaftes Design bewirkte den Baustopp

Am 5. Juni 2004 trafen sich einige von Chinas besten Architekten zu einer Konferenz. Als die Konstruktion des Vogelnestes diskutiert wurde, stellten die Experten fest, dass sie sich über dessen Sicherheitsrisiken einig waren. Später initiierten vier Spitzen-Architekten, alles Akademiker und Professoren in Chinas besten Instituten für Architektur, einen Brief an den chinesischem Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Darin bezogen sie sich auf die Sicherheitsrisiken des Vogelnestes. Der Brief war von zehn weiteren Akademikern mit unterschrieben worden.

In den gekürzten Teilen, die veröffentlicht wurden, kritisierte die Petition das Design in seinem leichtsinnigen Streben nach visueller Wirkung, während es die Sicherheits-Standards des Stadions untergrabe. “(Das Vogelnest) ist teurer und plumper, und läuft allen vorherrschenden Prinzipien der Konstruktion von großen Sportanlagen vollständig zuwider,” stand da zu lesen. „Das bedeutet eine enorme Verschwendung und ein hohes Risiko.”

In einem Interview mit der Lokalzeitung „Peking Nachrichten“ im August 2004 erklärte Tang Jianhua, der zweite stellvertretende Chefingenieur des Pekinger Instituts für Vermessung und Design, dass das Vogelnest zu schwer wäre, um sicher zu sein. Er sagte, jeder der vierundzwanzig Stützpfeiler, die die gigantische Stahl-Struktur tragen, übe einen durchschnittlichen Druck von 40.000 bis 50.000 Tonnen pro Quadratmeter auf das Fundament aus. Der Boden von Peking sei nie mit einem solchem Gewicht belastet worden, sagte er. Auch sitzt das Vogelnest auf einem Boden, der reich an unterirdischem Wasser mit fluktuierender Tiefe ist. Bei Pekings unzulänglichen Maßnahmen gegen ein Absinken des Wasserspiegels bezweifelte Tang Jianhua, ob das Fundament dem Druck standhalten könnte, wenn das Wasser versickert.

Schlankeres Design auch nicht sicher

Obwohl sich Peking entschied, das Design schlanker zu machen, das Dach weg zu lassen und fast 10.000 Tonnen Stahl weniger zu verbauen, stimmt die Situation immer noch nicht optimistisch.

Der koreanische Architekt Lee-Jung-Jin sagte, dass auch die Struktur und die Konstruktions-Materialien des Vogelnestes es anfällig gegen die Schwerkraft, Temperaturschwankungen und Lärm machten. Wegen des Gewichtes sei bei der Konstruktion von solch großen Bauten niemals zuvor so viel Stahl verwendet worden. Das Stahl-Skelett des Vogelnestes besteht hauptsächlich aus schrägen Streben, die weniger stützen als senkrechte Pfeiler, sagte Lee. Da der obere Teil des Stadions auch aus schwerem Stahl ist und nicht von Stützpfeilern getragen wird, kann jeder Riss einen gewaltigen Einsturz verursachen.

Die von Temperaturschwankungen verursachte Ausdehnung des Metalls birgt ebenfalls Risiken. Lee erklärte, dass während des Sommers die inneren und äußeren Temperaturen des Stadions wegen der Verwendung von Klimaanlagen differieren. Das kann vielleicht zu Deformierung oder sogar zum Einsturz führen.

Lee betonte, dass es auch Bedenken wegen den Auswirkungen der Resonanz auf die Konstruktion gibt, die durch lautes Rufen verursacht wird. Es sei allseits bekannt, dass Resonanz an Konstruktionen schwerwiegende Schäden verursachen kann. Nach Lee ist die Vibration durch Resonanz eine schwerwiegende Bedrohung für das Fundament, da die Stahl-Struktur des Vogelnestes nicht verbunden sei und nicht vom Untergrund abgestützt sei, dazu käme noch Pekings weiche Erde.

500 Millionen US-$ aus einer Laune heraus verprasst

Die Leute fragen sich, wie China einem Design voller Fehler erlauben konnte, den Wettbewerb zu gewinnen, und wie der erste Spatenstich für sein teuerstes Bauwerk erfolgen konnte, für einen Bau, der von der ganzen Welt sehr genau beobachtet wird. Selbst als Laie kann man es sich ausrechnen: Es braucht nur ein einziger der vierundzwanzig Stützpfeiler einzuknicken und es ist nicht abzusehen, was vom Vogelnest übrig bleiben wird. Aber Li Tuofen, der Architekt, der die Optimierung des Stadions leitete, war nicht überrascht davon, dass die Wahl auf dieses Design fiel.

Li ist allgemeiner Architekt beim Design & Forschungsinstitut Nordwest-China Zivil & Bauingenieurwesen. Er sagte, dass vor dem Gewinn des Wettbewerbs das Design des Vogelnestes von keiner verbindlichen Organisation genehmigt war. Li sagte weiter, dass die Überprüfung der Durchführbarkeit für viele andere Anlagen für die Olympischen Spiele auch erst stattfand, nachdem das entsprechende Design als Gewinner feststand.



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