Wie Chinas Behörden Independent-Filmer schikanieren

Epoch Times5. September 2013 Aktualisiert: 5. September 2013 19:10

Alle reden von den Bloggern – da melden sich Chinas Indipendent-Filmemacher zu Wort: Auch sie wurden in letzter Zeit immer öfter Zielscheibe von Schikanen.

In den vergangenen Monaten schlossen chinesische Behörden Chinas einzige Schule für Independentfilme, verhinderten zwei Festivals und belästigten die Organisatoren eines weiteren, so die Filmemacher. Die Aktionen sind offensichtlich Teil einer großangelegten Attacke gegen die freie Meinungsäußerung.

Sozialkritische Themen sind unbeliebt

Mit ihren kritischen Themen ecken die Filmemacher an – ihre Bilder stehen im Kontrast zur rosaroten Brille, durch die chinesische Mainstream-Filme das Land zeigen. Deshalb sind sie schon daran gewöhnt, dass Inhalte, die China in ein schlechtes Licht rücken könnten, zensiert werden.

Doch nun scheint die Obrigkeit ernsthafte Schritte gegen den Austausch von und über Indie-Filme zu unternehmen, sagen Insider. Staatschef Xi Jinping ist dabei, gegen Enthüllungen jeder Art vorzugehen, weil sie eine potenzielle Gefahr für das Einparteiensystem sind. Die Verhaftung mehrerer Blogger, die sensibles Material ins Internet stellten gehörte ebenso dazu wie das Verschwinden von Aktivisten, die Funktionäre der Korruption beschuldigten.

Essen, Kleidung, Unterhaltung …

„Sie wollen, dass wir lediglich Filme über Essen, Kleidung und Unterhaltung machen“, sagte Independent-Dokufilmerin Yang Lina. Ihr erster (fiktionaler) Film über die Frauen in Chinas Städten debütierte diese Jahr beim Internationalen Filmfestival Rotterdam. „Sie wollen nicht, dass Menschen selber denken; sie wollen nicht, dass Menschen Freiheit haben, sich zu äußern; sie wollen nicht, dass Menschen unabhängige und freie Ideen entwickeln. Wir sind wütend, finden es aber auch absurd“, sagt Yang.

Auf dem Independent Filmfestival in Beijing welches auf Anordnung der Polizei abgebrochen wurde, hatte sie eine Rede gehalten. Später durfte das Event fortgesetzt werden, jedoch unter Einschränkungen.

Festivals abgesagt, Filmschulen geschlossen

Anderen Festivals erging es noch schlechter. Im März wurde das Yunnan Multi-Cultural Festival im Südwesten Chinas abgesagt – eine einflussreiche Plattform für Dokumentarfilme. Im November waren Besucher des 10. China Independent Film Festival ähnlich frustriert: Der Organisator Wang Fei sagte, dass die Sponsoren des Events in Nanjing unter dem Druck der Behörden absprangen.

Im vergangenen Monat schloss die Polizei Chinas einzige Independent-Filmschule, die Li Xianting Filmschule in Beijing. Die Begründung lautete, dass dort „antisozialistische Ideologien“ verbreitet würden, so Filmmacher und Fakultätsmitglied Cui Zi’en. Er drehte mehr als 30 Filme, die überall gezeigt wurden, außer in China.

Es war eine Untergrund-Initiative

Die Schule wurde vor vier Jahren gegründet, weil der Fachbereich Film der chinesischen Universitäten Independentfilme als eine Form politischer Oppostion betrachtet. Die Organisatoren der Schule waren gezwungen, ihre 40-tägigen Seminare an zwei Ausweichstätten zu halten – in der Nachbarprovinz, und an einem geheimen Ort in Beijing, so Cui.

Dreißig Teilnehmer im Alter von 20 bis 70 erfuhren am ersten Tag ihres Seminars im Hotel davon, dass die Schule illegal sei, sagte Cui. Die Polizei brachte sie zum Bahnhof – mit der Anweisung nach Hause zu gehen. Die Lehrer arrangierten trotzdem, dass der Kurs woanders stattfand.

Seit Februar über 55 Leute verhaftet

Der gezielte Angriff auf Filmforen und –festivals „markiert in Wirklichkeit einen größeren Trend in der chinesischen Gesellschaft“, sagte David Bandurski, Gründer der Honkonger Produktionsfirma Lantern Films und Produzent von vier chinesischen Independent Filmen. „Es geht nicht nur im Filme. Es geht um Aktivismus. Es geht darum, an sozialen Problemen teilzuhaben und das Medium Film zu nutzen, um sie zu untersuchen. Das ist es, was sie wirklich im Keim ersticken wollen“, sagte Bandurski.

Die KPCh hat seit Februar mindestens 55 Aktivisten inhaftiert. Im Zuge einer Kampagne gegen abweichende Meinungen. Und dazu gehören auch Ideen wie „westliche Demokratie“ und „universelle Ideale“, so Human Rights Watch in einem Bericht.

Die Mainstream Filmindustrie in China wird von der Regierung finanziert, die Wachstumspotenzial im zweitgrößten Filmmarkt der Welt sieht. Doch Zensur, bzw. die Gewissheit, dass diese erfolgen wird, lässt die Regisseure an seichten Drehbüchern festhalten.

Erst heute sind Indiefilme wirklich „independent“ …

In den 90ern waren Independentfilme ein Nebenzweig des Mainstreams. Ein Jahrzehnt später entdeckten Künstler, Journalisten und Akademiker digitales Filmtechnik und neue Themen, wie z.B. die Armut ländlicher Gegenden oder Enthüllungen über die Arbeitslager. Solche Filme werden äußerst selten in China gezeigt, höchstens in kleinen Clubs. Einige haben die Kritiker weltweit begeistert, wie der neunstündige Film „West of the Tracks“ von Wang Bing, welcher das Leben von Arbeitern in einem verfallenden Industriegebiets in China dokumentiert.

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Wangs aktuellster Film „Til Madness Do Us Part“ läuft nächsten Mittwoch beim Film Festival in Venedig. Keiner seiner Filme wurde bisher in China gezeigt.

„Es ist nicht so, dass die chinesischen Filmemacher aufhören werden Independent Filme zu drehen, aber es ist sehr Besorgnis erregend, dass die Möglichkeit in China Filme zu zeigen, zu teilen und darüber zu reden unter Beschuss steht“, sagte Bandurski, der auch Forscher beim China Media Project an der Universität Hongkong ist. Die chinesischen Behörden „möchten das Image von China kontrollieren. Ich finde das kontraproduktiv.“